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Baudirektor geht in den Ruhestand

Wunstorf Baudirektor geht in den Ruhestand

Nach 32 Jahren Amtszeit ist Baureferatsleiter Andreas Varnholt offiziell verabschiedet worden. Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt würdigte Varnholt und seine Arbeit.

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Alles Gute: Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt (rechts) übergibt Andreas Varnholt ein Rad als Abschiedsgeschenk – Symbol für den engagierten Einsatz des Baudirektors in Sachen Radverkehr.

Quelle: Tugendheim

Wunstorf. Mit dem Ende der Amtszeit des Baureferatsleiters Andreas Varnholt wird auch ein technisches Gerät bei der Stadtverwaltung eingemottet: der Overheadprojektor. Den nutzte Varnholt bis zum Schluss, als seine Mitarbeiter längst mit aufwendigen Power-Point-Präsentationen arbeiteten, um den Politikern Bebauungspläne, Skizzen oder Ideen zu erläutern.

Den am Donnerstagabend nun auch offiziell verabschiedeten Leitenden Baudirektor deswegen als „von gestern“ zu bezeichnen, wäre aber ein grundlegender Irrtum. Der Referatsleiter hatte eine ausgezeichnete Gabe, komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass auch Nichtfachleute wussten, worum es geht. Mitarbeiter der Leine-Zeitung haben vor Jahren auch davon profitiert - in einem Seminar mit Informationen zum Ablauf von Bebauungsplanverfahren.

Fachlich ohnehin immer auf der Höhe der Zeit, hat Varnholt in 32 Jahren Tätigkeit für Wunstorf vieles angeschoben, vieles bewegt und vieles umgesetzt. Wird er gefragt nach einem Höhepunkt während seiner langen Amtszeit, gibt es keine Antwort. Aber eine Erklärung: Die Stadt ist für ihn eine Art Gesamtkunstwerk. Varnholt liebt dieses Gesamtkunstwerk Wunstorf. Viel Herzblut ist dort hineingeflossen. „Das Gefühl muss stimmen“, so sagt er, und so hat er es am Donnerstag zum Abschied noch einmal formuliert.

Das ist nicht mit Gefühlsduselei zu verwechseln. In „seinem“ Ausschuss, dem Bauausschuss, der unter Einfluss der Grünen seit 2011 Umweltausschuss heißt, hat Varnholt die Sternstunden seiner Arbeit erlebt. Immer und immer wieder. Debatten des Vordenkers mit überaus engagierten und zielorientierten Politikern gab es zu Hauf. Nicht immer konnte sich die Verwaltung durchsetzen. Dennoch: Die Debattenkultur in diesem Kreis hat Varnholt geschätzt - und auch zum Wohl der Stadt zu nutzen verstanden. „Es war immer spannend“, sagt Varnholt, der nun seit Montag nicht mehr im Dienst ist und nun ganz entspannt auf seine Arbeit zurückblickt, die er nicht nur im Nachhinein als „wunderschön“ betrachtet.

Ganz klar, es war nicht immer alles wunderschön. In der Position eines Baudirektors gibt es auch viel Kritik einzustecken. Das gilt auch für eine seiner planerischen Herzensangelegenheiten, den Fahrradverkehr. Ende der Achtzigerjahre wurden die Wunstorfer Fahrradtage organisiert und einige Jahre lang immer wieder als Werbung für den Radverkehr genutzt. Die Bedingungen für Radler in der Stadt seien heute sehr gut, sie müssten nur noch mehr genutzt werden, so wünscht es sich der nun Ex-Baudirektor. Eingefleischte Autofahrer haben diese Affinität zum Radverkehr oft wenig geschätzt.

Mit seiner Auffassung, dass in der Architektur Alt und Neu durchaus zusammenpassen, hat sich Varnholt auch nicht nur Freunde gemacht. Der moderne Anbau an das historische Stiftsgebäude etwa hat vehemente Gegner gefunden. Varnholt hat solche baulichen Kontraste immer gut gefunden, ebenso wie zum Beispiel ein Gebäudeensemble aus modernem Haus und Fachwerkbau in der Straße An der Wassermühle. Den Bauhaus-Revivalstil in der Wohnhausarchitektur mag er ebenso. Alt neben neu, das gibt auch der Fußgängerzone ihr spezielles Flair. Wenngleich in Nord- und Südstraße noch etwas zu tun bleibt - aber das ist nun nicht mehr Varnholts Sache.

„Die Stadt braucht solche kantigen Typen wie ihn“

"Mit Andreas Varnholt verlässt uns ein kantiger Typ. Typen in der Demokratie und unserer Stadt sind sehr wichtig. Wir brauchen sie“ – mit diesen Worten verabschiedete Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt am Donnerstagabend Baudirektor Andreas Varnholt offiziell. Er würdige die Verdienste Varnholts um die Stadt. Der Baudirektor habe ihm im schwierigen Fachbereich Bau immer den Rücken freigehalten, sagte der Bürgermeister. Zwar seien beide nicht immer einer Meinung gewesen. „Dennoch, seine kantige und kritische Art hat mich oft zum Nachdenken gebracht und uns gemeinsam für Kompromisse eingenommen“, sagte Eberhardt. Das sei gut für die Stadt, es seien keine Dinge grundlegend schiefgelaufen. Der Bürgermeister nannte einige Projekte, die Varnholt maßgeblich gestaltet hat. Radwegeausbau, Baugebiet Südaue („eine Erfolgsstory“), Beleuchtung der Fußgängerzone, Straßengestaltungen mit neuer Form der Bürgerbeteiligung und schwierige Umsetzungen wie das Baugebiet Kirchstraße in Luthe. Schließlich erinnerte Eberhardt an einen prominenten Vorfahren des Baudirektors. Varnholts Onkel Wilhelm habe sich um die Stadt Mannheim sehr verdient gemacht, dort gebe es sogar eine Varnholt-Allee. Dass es die auch irgendwann in Wunstorf gibt, wollte der Bürgermeister aber nicht versprechen. Von Mitarbeitern gab es zum Abschied Geschenke. Ratsvorsitzender Rolf Herrmann nannte Varnholt „unparteiisch, sachlich und am Gemeinwohl orientiert“.

Von Albert Tugendheim

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Von Redakteur Albert Tugendheim

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