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Ausgestellte Zelle beeindruckt in Kirche

Wunstorf Ausgestellte Zelle beeindruckt in Kirche

Mit der beeindruckenden Ausstellung "FreiheitsRäume" ist dem Forum Stadtkirche etwas ganz besonderes gelungen. Kein Wunder also, dass es bei der Vernissage am Sonntag kaum noch einen freien Sitzplatz gab. Einige nahmen dafür auch weitere Wege in Kauf.

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Änne Wilkening ist beeindruckt von der Reproduktion von Julius Klingebiels ausgemalter Zelle.

Quelle: Rita Nandy

Wunstorf. Darunter Privatdozent Thomas Röske, der für seinen Einführungsvortrag aus Heidelberg anreiste. Musikalisch wurde das Programm hervorragend vom Trio sorella, den Schwestern Miriam (Cello), Tabea (Klarinette) und Sara Göbel (Geige), begleitet.

Als Kurator und ehemaliger Wunstorfer Psychiatriedirektor Andreas Spengler auf dem Neujahrsempfang Rolf-Axel Eberhard von seinen Plänen berichtete, habe er gerne die Schirmherrschaft übernommen, sagte der Bürgermeister. "Es ist eine persönliche Bereicherung, diese Zelle gesehen zu haben." Die Rede ist vom Nachbau der neun Quadratmeter großen Zelle Nummer 117, die Julius Klingebiel in der Zeit zwischen 1951 und 1963 vollständig und räumlich sehr überlegt, bemalt hat. Das Original in Göttingen sei 2012 unter Denkmalschutz gestellt worden. Das Haus stehe mittlerweile leer. Eberhardt würde es begrüßen, wenn das Original ins Sprengel-Museum nach Hannover komme. Doch trotz fehlender Finanzen für den Erhalt möchten die Göttinger das begehbare Exponat behalten.

Aber selbst die Reproduktion ist beeindruckend. "Unglaublich", schildert die Wunstorferin Änne Wilkening ihren Eindruck. "Es ist ganz toll, dass die Ausstellung nach Wunstorf gekommen ist. Es ist ein Highlight", lobt sie das Engagement des Forums Stadtkirche. "Es ist in der Kunstgeschichte wohl ein einzigartiges Exponat", sagt Walter Ehrlich vom Forum Stadtkirche.

Klingebiel entging zwar der Vergasung durch die Nationalsozialisten, blieb aber bis zu seinem Lebensende ohne richterlichen Beschluss eingesperrt. 1939/1940 verbrachte er auch in der damaligen Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Wunstorf. Damals eine Einrichtung mit hohen Mauern und nur einem versteckten Eingang. "Erst 1975 öffneten sich die Türen der, wie es damals hieß, Anstalt", erzählt Claudia Wilhelm-Gößling, kommissarische Ärztliche Direktorin des Psychiatrie Wunstorf.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten der von den Nazis umgebrachten Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler, die als psychisch Erkrankte ihre Mitbewohner mit verschlossenen, versteinerten Gesichtern malte. Raumfüllend sind die Objekte von Dagmar Justke. An einer Seite sind eine Reihe von Aquarellen unbekannter Künstler zu sehen.

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 9. Oktober, und wird von zahlreichen Vorträgen und Filmvorführungen begleitet. Das Programm kann im Internet unter forum-stadtkirche.de abgerufen werden. Die Kirche ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 15 bis 18 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. der Eintritt ist frei.

Von Rita Nandy

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