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Es passt: Trachten mit modernem Pepp

Wunstorf Es passt: Trachten mit modernem Pepp

Moderne und Tradition fügt Katharina Kubiak (29) in ihrer ersten Modekollektion zusammen. Die Designerin aus Garbsen verwendet dafür Stoffe, die in Steinhude in der Weberei Seegers & Sohn hergestellt wurden.

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Spieglein, Spieglein an der Tracht: Zwei Models (Bild links) zeigen Mode der Designerin Katharina Kubiak. Ihre Kollektion verbindet Moderne mit Tradition. Auf Schloss Bückeburg legt Modeexpertin Kubiak (Bild rechts, rechts) selbst Hand an, damit alles sitzt.

Quelle: Caroline Nowroth

Wunstorf. Ihr Thema sind Trachten. Doch die kommen frisch daher, mit pfiffigen modernen Elementen, gelegentlich kombiniert mit altem Material, zum Beispiel hundert Jahre alten Stulpen. Kubiak, die 2012 an der Hochschule Hannover ihren Master in Design und Medien erworben hat, ließ sich von Trachten inspirieren.

Ausgestattet mit Stift, Block und Fotoapparat recherchierte sie seit 2010 in Museen und Archiven, nahm Kontakt zu Trachtenvereinen auf und wurde dabei von der Schaumburger Landschaft unterstützt. „Warum pflegt man die Tradition nicht mehr?“, hat sie sich gefragt.

Einen schönen Moment habe sie im Rodenberger Museum erlebt. „Ich habe mich eine Stunde auf den Boden gelegt und den Blickwinkel auf den Kopf gestellt. Dann habe ich gezeichnet und entworfen“, berichtet die ehemalige Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Berenbostel.

Wichtig war ihr, für die Kollektion nur Material zu verwenden, dass in der Region hergestellt wird. Die Anregung hatte sie von einem Projekt der Welthungerhilfe in Mali übernommen, an dem sie beteiligt war. Mode, die traditionelle Muster aufgreift, wurde von Einheimischen genäht, die auch die Stoffe produziert hatten. Doch das Prinzip zu übertragen, war nicht einfach. Den Satz „Suchen sie sich jemanden anderes“ habe sie oft gehört. Und vieles scheiterte auch an den Kosten. Deshalb habe sie sehr viel selbst genäht. Die Fähigkeit wurde ihr fast in die Wiege gelegt. Beide Großväter waren Schneidermeister, die Großmütter Schneiderinnen, die Eltern hatten ein Modeatelier.

Bei den Stoffen half Friedrich Seegers. Das Steinhuder Familienunternehmen stellt seit fast 250 Jahren in der neunten Generation Tischwäsche, Bettwäsche, Frottierwäsche und Küchenwäsche her. Skeptisch sei er schon gewesen, dass aus diesen Stoffen nun Kleidung werden sollte, sagt Kubiak. Doch dann habe die Firma für sie sogar einen dehnbaren Stoff gewebt. „Dafür war viel Überzeugungsarbeit nötig. Sie mussten extra eine neue Vorrichtung bauen, die den Faden zufährt“, sagt sie erfreut.

Im Bückeburger Schloss wurde ihre Kollektion mit dem Namen „Spieglein, Spieglein an der Tracht“, zu der auch Schuhe aus Seegers-Stoff gehören, fotografiert und gefilmt. Auch da half die Schaumburger Landschaft. „Mein Traum ist es, wenn das Konzept wahr wird“, sagt die junge Designerin. Bislang ist die Mode Kunstobjekt. Sie arbeitet schon an ihrer zweiten Kollektion. Dafür nimmt sie hochwertige Stoffe, die die Hersteller normalerweise wegwerfen: Proben und Reste.

Und sie plant einen Auslandsaufenthalt in Paris oder London. „Dort gibt es schon Designer, die angefangen haben, nachhaltig zu arbeiten“, weiß sie. Ihre Masterarbeit ist als außergewöhnliche Arbeit in die Kunstbibliothek der staatlichen Museen zu Berlin aufgenommen worden.

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