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Dem Tag fehlt noch Struktur

Wunstorf Dem Tag fehlt noch Struktur

Das provisorische Flüchtlingsheim beim Fliegerhorst hat den Betrieb aufgenommen. Unterstützung ist für den ASB aber noch willkommen.

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Eines der 70 Betten im Saal ist vorerst die Bleibe für einen Syrer, der seine Familie im Kriegsgebiet hinterlassen musste.

Quelle: Sven Sokoll

Wunstorf. Sein Haus lag zwischen den Fronten des Bürgerkriegs - deshalb hat der Syrer sich vor knapp drei Wochen auf den Weg nach Deutschland gemacht. Jetzt sitzt der 52-Jährige auf einer Pritsche in der Notunterkunft im Saal des früheren Unteroffiziersheims und bangt um seine Familie, die er zurückgelassen hat.

Seine Frau und vier Kinder sind noch im Süden seines Heimatlandes, während er auf seiner Flucht über den Balkan gezielt Deutschland angesteuert hat. „Ich wünsche mir, dass wir hier bald zusammen in Frieden leben können“, sagt der Ingenieur, der seinen Namen zur Sicherheit nicht nennen will. Denn Syrien, das werde nach dem Krieg sicher zerstört sein.

70 Feldbetten hatte der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) am Freitag eilig aufgestellt, am Sonntag kam die erste Busladung von Bewohnern. Darunter waren aber auch Großfamilien, die gleich zu Verwandten nach Frankfurt und Belgien weiterfuhren. Am Mittwochmittag sind so nur 19 Flüchtlinge vor Ort, vor allem aus Afghanistan und Syrien. „Wir erwarten für den Nachmittag aber noch einen Bus“, sagt ASB-Sprecher Michael Güttler.

Im Heim sind zu dem Zeitpunkt überwiegend Männer, die allein unterwegs waren, doch auch Frauen mit zwei Kindern haben sich leidlich eingerichtet und müssen so den Tag herumbringen, wie alle mit der Ungewissheit, wie es mit ihnen und den Daheimgebliebenen weitergeht. In der Kellerbar haben die Helfer einen Speisesaal eingerichtet, auf der Kegelbahn lagern Medikamente - und auch eine kleine Kleiderkammer gibt es, aus Spenden bestückt. Mehr kann aber nicht gelagert werden, weshalb weitere Kleiderspenden an den bekannten Stellen abgegeben werden sollen.

Darüber hinaus fehlt dem Tag im Heim aber noch eine Struktur, doch der ASB ist dabei, sie zu schaffen. So werden kurzfristig Sozialpädagogen und Dolmetscher gesucht, auch Deutschlehrer wären willkommen oder Helfer für die Essensausgabe.

Ein Schwachpunkt ist noch der fehlende Ort, um zu duschen. „Daran arbeiten wir“, sagt Güttler, „wir mussten das Gebäude leider erst einmal so nehmen, wie es ist.“ Für die Flüchtlinge liegt es auch ziemlich weit ab vom Schuss - sie würden sich wünschen, dass sie zum Beispiel ihre Handykarten in der Nähe aufladen können, denn damit halten sie auch die Verbindung zu den Lieben daheim. Auch über mehr Privatsphäre, vielleicht durch Trennwände, werden die Organisatoren nachdenken, wenn die Flüchtlinge länger bleiben müssen. „So ist es sicherlich nicht optimal, aber besser als wenn wir eine Zeltstadt hätten aufbauen müssen.“

Um diese und andere Quartiere betreiben zu können, müssen die Hilfsorganisationen ihre Personalreserven voll ausschöpfen. So absolviert Mitarbeiter Timo Tillmann, der im Heim mithilft, eigentlich ein Freiwilliges Soziales Jahr im Fahrdienst des ASB.

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