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Flugzeug mit Seele hebt endgültig ab

Wunstorf Flugzeug mit Seele hebt endgültig ab

Am Donnerstag hat die Transall zum letzten Mal vom Fliegerhorst abgehoben. Etwas Sentimentalität war beim Abschied dabei, doch der Blick ging auch nach vorn.

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Und tschüss: Die Transall des LTG 62 dreht eine letzte Runde über die Insel Wilhelmstein.

Quelle: Breuer

Wunstorf. Die Klimaanlage hätte an Tagen wie Donnerstag wohl versagt, und der Afghanistan-Einsatz hat dramatisch gezeigt, dass die Transall technisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit fliegt.

Trotzdem ist bei den Soldaten des Lufttransportgeschwaders 62 und ihren rund 250 Gästen eine große Portion Wehmut aufgekommen, als es am Donnerstag galt, bei einem Appell die gemeinsame Geschichte Wunstorfs und des Fliegerhorsts mit der „Trall“ nach 46 Jahren und mehr als 300.000 Flugstunden zu beenden.

„Wir glauben daran, dass jede Transall eine Seele hat“, beschrieb Kommodore Ludger Bette das Verhältnis der Besatzung zu dem „legendären Flugzeug“. Es sei gutmütig und verzeihe auch Fehler. Neben vielen erfolgreichen Einsätzen erinnerte der Oberst aber auch an kritische Situationen wie den Beschuss 1992 bei der Luftbrücke nach Sarajewo. „Deshalb erinnere ich mich bei der Transall auch an sehr nachdenkliche Abende vor solchen Einsätzen.“ Ein Moment des Gedenkens an die Opfer des Flugbetriebs durfte deshalb nicht fehlen.

Generalmajor Helmut Schütz, Kommandeur der Fliegenden Verbände, forderte das Geschwader auf: „Nehmen Sie das neue Luftfahrzeug ebenso herzlich auf wie die gute alte Trall!“ Das sonore Brummen des bisherigen Zugpferds des Lufttransports fehle jetzt auch in vielen Gemeinden um den Fliegerhorst herum.

Das bestätigte auch Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt: „Ich liebe diese Maschine. Wir Wunstorfer werden sie nicht vergessen.“ Für ihn sei die Transall im Ausland auch Botschafter von Frieden, Freiheit und Wohlstand gewesen. „Die A400M wird aber sicher auch für diese Werte stehen.“

Die letzten drei verbliebenen Transall C-160 werden heute zum LTG 63 nach Hohn verlegt, wo sie weiter im Einsatz bleiben. In Wunstorf hofft man jetzt umso mehr, dass die Flotte an A400M nun bald weiter wachsen wird. Die bisher einzige Maschine, die nach dem Flugunfall bei Airbus in Sevilla am Boden bleiben musste, ist noch in der Inspektion und kann deshalb noch nicht wieder fliegen.

Von Sven Sokoll und Albert Tugendheim

Die Meinung von Albert Tugendheim

Gut, dass nur die Ära Transall endet

Am Himmel über Wunstorf ist es in den vergangenen Monaten ruhiger geworden. Das sonore Brummen der Transall-Maschinen des LTG 62 war nur noch selten zu hören. Das wird so bleiben, nachdem nun offiziell die Ära Transall beendet ist. Gelegentlich werden Transall der Schwestergeschwader landen und aufsteigen. Aber die Ausbildung für die neuen Transportflugzeuge spielt sich am Simulator ab. Die „RiMiNi-Flüge“ (Übungsflüge in Richtung Rinteln, Nienburg, Minden) wird es nicht mehr geben. Das ist schön für die Menschen am Boden. Es war spannend zu hören bei der Abgabe des Geschwaders am Donnerstag, wie sehr der „Engel der Lüfte“ vielen Transall-Fliegern ans Herz gewachsen ist. Jede Transall habe eine Seele, so glauben die Soldaten, sagte Kommodore Ludger Bette. „Das war unser Leben“, meinte ein früherer Geschwader-Kommodore beim Blick auf die mit den Worten „Fly Out Wunstorf“ geschmückte Maschine. Bis es zu so einem innigen Verhältnis zu dem neuen Flugzeug kommt, wird es sicher noch dauern. Das geht vielleicht auch nicht, zwischen beiden Flugzeugmustern liegt ein technischer Quantensprung. Die vielen negativen Schlagzeilen über verzögerte Auslieferung und technische Macken tun ein Übriges. Momentan verfügt das LTG 62 in Wunstorf nur über ein Flugzeug. Das allerdings soll bald wieder abheben. Und die Soldaten sind sich sicher, dass das kein Problem darstellen wird. Weitere A400M-Maschinen werden kommen. Bis sich der Platz mit 40 Flugzeugen füllt, wird aber noch reichlich Zeit vergehen. Gestern wurde nicht nur Abschied gefeiert, sondern auch nach vorn geblickt. Und diesen Blick kann Wunstorf getrost wagen. Denn die Entscheidung über den Standort für das künftig einzige Transportgeschwader, Wunstorf nämlich, beschert der Stadt viel Gutes. So wurde zwar am Donnerstag die Ära Transall in Wunstorf beendet, nicht aber die Ära Transportgeschwader in Wunstorf.

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