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Klingebiels Zelle steht im Mittelpunkt

Wunstorf Klingebiels Zelle steht im Mittelpunkt

Das Herzstück der großen Ausstellung zur Psychiatriekunst ist da: Die Aktiven des Forums Stadtkirche haben die Nachbildung der bemerkenswert bemalten Zelle des Julius Klingebiel am Montag aus Bremen abgeholt und für die Schau "FreiheitsRäume" errichtet, die ein umfangreiches Beiprogramm haben wird.

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Walter Ehrlich vom Forum Stadtkirche zeigt die Nachbildung der detailreich bemalten Zelle von Julius Klingebiel, die ab nächster Woche das Herzstück einer großen Ausstellung wird.

Quelle: Sven Sokoll

Wunstorf. "Wir sind stolz, dass die Nachbildung jetzt hier steht", sagt Walter Ehrlich, der an der Seite des früheren Wunstorfer Psychiatriedirektors Andreas Spengler als Kurator fungiert. Spengler hat sich schon lange mit dem Schicksal Klingebiels befasst. Bei dem gebürtigen Hannoveraner, geboren 1904, war 1939 Schizophrenie diagnostiziert worden. Ein Jahr später wurde er in der damaligen Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Wunstorf zwangssterilisiert. Die NS-Psychiatrie meldete ihn für eine Tötungsaktion, doch er überlebte und blieb auch über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus in Göttingen eingesperrt, wo er ebenfalls schon 1940 im gefängnisgleichen Landesverwahrhaus untergebracht worden war. Er blieb bis zu seinem Tod 1965 hinter Gittern, und das ohne richterliche Genehmigung.

Zwischen 1951 und 1963 malte er die Zelle 117 vollständig und sehr detailreich aus. "Dazu hat er zunächst Steine und Erde vom Hofgang mitgebracht, später versorgten die Wärter ihn auch mit Farben", berichtet Ehrlich. Nicht nur prägnante Hirschfiguren wiederholen sich in den Motiven, auch historische Figuren aus Kaiserreich und NS-Zeit sind zu sehen. "Das ist alles sehr beeindruckend", findet der Ausstellungsmacher. Im Original steht die Göttinger Zelle seit 2012 unter Denkmalschutz. Da das Haus sonst mittlerweile leersteht, setzt die Initiative um Spengler sich dafür ein, die Zelle ins hannoversche Sprengelmuseum zu transferieren.

Bei der Ausstellung, die am Sonntag, 18. September, um 11.30 Uhr mit einem Vortrag des Kunsthistorikers Thomas Röske eröffnet wird, zeigt das Forum im Lauf von drei Wochen aber auch andere Kunstwerke psychisch Kranker. Darunter sind Aquarelle eines anonymen Künstlers, Zeichnungen von Elfriede Lohse-Wächtler und Skulpturen von Dagmar Justke. Ein Katalog dazu ist auch schon im Druck. "Wir wollen damit versuchen, Menschen mit psychischen Erkrankungen stärker in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken. Und ihnen auch ein Stück Würde zurückzugeben", betont Ehrlich.

Beiprogramm umfasst Vorträge und Führungen

Stadtarchivar Klaus Fesche spricht am Donnerstag, 22. September, über die Geschichte der Wunstorfer Psychiatrie. Julius Klingebiel und seine Stellung in der Kunstgeschichte stellt Andreas Spengler am Donnerstag, 29. September, vor. Über die Diakonie in der NS-Zeit hält der Kirchenhistoriker Hans Otte am Dienstag, 4. Oktober, einen Vortrag. Den Bogen von der NS-Psychiatrie bis zur Psychiatriereform spannt Asmus Finzen, Spenglers Vorgänger im damaligen Landeskrankenhaus, am Donnerstag, 6. Oktober. Alle Vorträge beginnen um 19.30 Uhr.

An den Sonntagen 25. September, 2. und 9. Oktober bietet das Forum Führungen um 11.30 und 15 Uhr an, anschließend werden im Wechsel Filme über die Sammlung Prinzhorn, Elfriede Lohse-Wächtler und Julius Klingebiel gezeigt.

Bis Sonntag, 9. Oktober, ist die Stadtkirche während der Ausstellung dienstags, mittwochs und donnerstags von 15 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist  frei.

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Von Sven Sokoll

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