Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Gernika-Stein auf dem Fliegerhorst enthüllt

Wunstorf Gernika-Stein auf dem Fliegerhorst enthüllt

Es ist ein mächtiger Brocken, der da vor dem Presse- und Besucherzentrum auf dem Fliegerhorst steht: Am Freitag haben Stadt Wunstorf und Bundeswehr mit zahlreichen Gästen feierlich den Gedenkstein enthüllt, der an die Bombardierung der baskischen Stadt Gernika im April 1937 erinnern soll.

Voriger Artikel
Denkmäler öffnen ihre Türen
Nächster Artikel
Fischerort hat viel Historisches zu bieten

Ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Bombardierung der baskischen Stadt Gernika wird auf dem Fliegerhorst enthüllt. Wunstorfs Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt (vorn, von links), Gernikas stellvertretende Bürgermeisterin Lourdes San Severino und Kommodore Ludger Bette sind dabei.

Quelle: Kathrin Götze

Wunstorf. Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Gernikas, Lourdes San Severino, nahm an der Feier teil. Militärpfarrerin Alexandra Dierks betonte, die Bundeswehr setze sich damit auseinander, aus welchen Traditionen sie lebe und leben wolle. Presseoffizierin Doris Lammers hat mit Unterstützung des Heimatforschers Heiner Wittrock die Geschehnisse des 26. April 1937 rekonstruiert. Sie berichtete, wie ein Geschwader, das vom Fliegerhorst aus gestartet war, eine zweite Angriffswelle auf Gernika flog. Staub und Rauch vom ersten Angriff auf den Bahnhof hätten da die Sicht auf die Stadt verdeckt, sodass die Flieger ihr eigentliches Ziel, eine Brücke, nicht mehr sehen konnten. Trotzdem warfen sie ihre Bombenfracht ab, was Hunderte Zivilisten das Leben kostete.

Kommodore Ludger Bette betonte, die Bundeswehr habe die Geschichte aufgearbeitet, "wir sollten uns aber nicht selbstzufrieden zurücklehnen." Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt sagte: "Möge der heutige Tag ein Zeichen dafür sein, dass wir uns freundschaftliche Verbindungen nach Gernika wünschen."

Grünen-Ratsfrau Birgit Mares distanzierte sich von Gegenaktionen von Protestlern in Wunstorf. "Über den Standort des Steins kann man geteilter Meinung sein, über die gute Absicht aber nicht", sagte sie. Gemeinsam mit ihrer Parteifreundin Ute Lamla versuche sie, die Kontakte nach Gernika auszubauen - unter Störfeuer der Linken in beiden Städten. "Warum müssen manche in allem nur das Schlechte sehen?", fragte Mares.

Ein Bündnis aus linker Partei, Arbeitskreis Regionalgeschichte und anderen Organisationen verhüllte am Mittag aus Protest erneut das Straßenschild der Oswald-Boelcke-Straße in der Kernstadt, benannte sie symbolisch in Gernikastraße um. Historiker Hubert Brieden kündigt für Donnerstag, 5. Oktober, 19 Uhr, einen Vortrag in der Stadtkirche an, in dem er sich mit Straßenbenennungen der Nationalsozialisten in Wunstorf beschäftigt.

Oberleutnant Doris Lammers verlas bei der Gedenkfeier folgenden Text zur Bombardierung Gernikas:

"Gernika ist eine spanische Kleinstadt die am 28. April 1366 gegründet wurde. Sie liegt im Baskenland an der Nordküste Spaniens am Golf von Biscaya.

Im April 1931 wurde General Francos Militärdiktatur durch eine demokratische Regierung abgelöst. Diese Ära fand fünf Jahre später ein jähes Ende, als die konservativ-monarchistischen Militärs unter Francos Führung im Juli 1936 einen Staatsstreich initiierten. Dies war der Beginn eines Bürgerkrieges zwischen Putschisten und Republikanern.

Als der Putsch der Militärs zu scheitern drohte, erhielt General Franco personell und materiell Hilfe vom nationalsozialistischen Deutschland und vom faschistischen Italien. Zunächst wurden aus Deutschland 20 Transportflugzeuge des Typs Ju 52 nach Spanisch Marokko entsandt, um die Voraussetzungen für weitere Kampfhandlungen zu schaffen.

Vom nordafrikanischen Festland sollten insgesamt 15.000 marokkanische Soldaten und spanische Fremdenlegionäre, sowie militärisches Material nach Spanien transportiert werden. Unter strengster Geheimhaltung wurden weitere Besatzungen nach Spanien verlegt. Die offiziell aus dem Dienst entlassen deutschen Soldaten wurden Teil des deutschen Unterstützungsverbandes, der später im November 1936 den Namen „Legion Condor“ erhielt.

So entsandte auch die in Wunstorf stationierte II. Gruppe des Kampfgeschwaders Boelcke im August 1936 drei Besatzungen mit ihren Behelfskampfbombern nach Spanien.Dort erfolgte die Zuweisung zur Kampfgruppe 88, die als Teil der Legion Condor zunächst Transport- und Hilfsflüge übernahm, später aber Bombenangriffe auf verschiedene Stellungen flog.

Am 26. April 1937 befahl die Führung der Legion Condor den Angriff auf Gernika. Dadurch sollte die Verstärkung durch republikanische Truppen in diesem Bereich verhindert werden. Der erste Angriff der Versuchsbomberstaffel galt dem Bahnhof und führte dort und in der nahen Umgebung zu massiven Zerstörungen. Als wenig später Ju-52 Flugzeuge der Kampfgruppe 88 Gernika anflogen, um dort die strategisch wichtige Brücke zu zerstören, konnten sie das Ziel nicht erkennen, weil sich über der ca. 6.000 Einwohner zählenden Kleinstadt durch die zuvor abgeworfenen Bomben eine große Staub- und Rauchschicht befand. Auf Grund der schlechten Sichtverhältnisse hätte ein weiterer Angriff unterbleiben müssen. Dennoch warfen die Besatzungen der Ju 52 bei noch schlechterer Sicht ihre Bomben ab.

Bei den darauf folgenden Großfeuern kamen mehrere Hundert Menschen, nahezu ausschließlich Zivilisten, ums Leben. Die Stadt wurde großflächig zerstört. Die Auslöschung der Stadt wurde zum Sinnbild des modernen Krieges und der totalitären Ideologien, die ihn befördern."

doc6wlixej3w6v1f8fboooy

Fotostrecke Wunstorf: Gernika-Stein auf dem Fliegerhorst enthüllt

Zur Bildergalerie

Von Kathrin Götze und Rita Nandy

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6xeuwxb1n0k31jodif3
Von der Familienkutsche bis zum PS-Boliden

Fotostrecke Wunstorf: Von der Familienkutsche bis zum PS-Boliden