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Gedenkstein erinnert an Entlassungslager

Wunstorf Gedenkstein erinnert an Entlassungslager

An einen kurzen Abschnitt der Nachkriegsgeschichte erinnert ein Gedenkstein des Heimatvereins Luthe. Seit Anfang Oktober weist er am Westende des Luther Sees auf das ehemalige Entlassungslager für deutsche Kriegsgefangene hin. Am Sonnabend, 29. Oktober, gibt es ab 14 Uhr eine kleine Feier am Stein.

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Der Vorsitzende des Luther Heimatvereins Wilfried Segge zeigt den Gedenkstein am Westende des Luther Sees, der an das Entlassungslager in den Leinewiesen erinnert.

Quelle: Rita Nandy

Luthe. Der Heimatvereinsvorsitzende Wilfried Segge hofft, dass daran auch der Luther Zeitzeuge Walter Ludebühl sowie zahlreiche Gäste teilnehmen werden. Eingeladen ist auch Albrecht Ganskopf, der seit 1960 in Luthe lebt, und sich intensiv mit der Geschichte des Entlassungslagers beschäftigt hat. Seine Ergebnisse hat er in der Broschüre "Das Lager in den Leinewiesen Luthe im Sommer 1945" zusammengefasst. Für seine Recherchen sei er bis nach England gereist, erzählt Segge.

Die provisorische, etwa drei Hektar große Zeltstadt zwischen Luther See bis hin zur Leine stand unter britischer Verwaltung. Die ersten Wehrmachtsangehörigen erreichten Luthe am 10. Juli 1945. Früher als offensichtlich erwartet, denn die Männer mussten im Freien übernachten. Der letzte Transport mit 250 Leuten kam aus Belgien am 16. September 1945. Zwei Tage später wurde das Lager aufgelöst. Grund war das Hochwasser, das die Wiesen überschwemmte. Vom Abzug der Briten, die bei ihrer Arbeit auch von Einheimischen unterstützt wurden, hätten auch einige Luther profitiert. Sie sicherten sich beispielsweise Planen, um damit ihre Felder abzudecken, oder zurückgelassene Bretter. Auch fanden sich zahlreiche Armbanduhren und Erkennungsmarken in den Wiesen wieder. Diese hatten die Ankömmlinge oftmals aus Sorge vor der Gepäckkontrolle weggeworfen, ebenso wie manch einer versuchte überzähliges Gepäck vorher bei Bauern zu verstecken.

Von denen erhofften sie sich auch zusätzliche Nahrungsmittel. Das nur mit einem Flatterband gesicherte Lager war einfach zu verlassen. Einzig SS-Angehörige wurden hinter Stacheldraht verwahrt. Maximal vier Tage dauerte der Aufenthalt, zu dem Entlausung, Gepäckkontrolle, ärztliche Untersuchung und eine Befragung durch "Verhöroffiziere" gehörte. Erstaunlicherweise wurden die Insassen, die unter anderem aus Norwegen, Belgien und Österreich kamen, nicht mit leeren Händen entlassen. "Kaum zu glauben, es gab 40 Reichsmark als Entlassungsgeld", zitiert der Vereinsvorsitzende aus dem Heft von Ganskopf.

Von Rita Nandy

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