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Angler sichtet ersten Aue-Biber

Wunstorf Angler sichtet ersten Aue-Biber

Für Wunstorfer Naturfreunde ist es eine kleine Sensation: Der Angler Manfred Bartels hat einen Biber beobachtet und gefilmt, der sich in der Aue angesiedelt hat - vermutlich den ersten seiner Art seit mehr als 150 Jahren.

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Anglerchef Manfred Bartels hat den Biber und seine Fraßspuren an der Aue beobachtet.

Quelle: Manfred Bartels

Blumenau/Liethe. Mit einer speziellen Kameratechnik sind dem Naturfreund auch nächtliche Filmaufnahmen des scheuen Tiers gelungen. Bartels ist ehrenamtlicher Fischereiaufseher des Sportanglervereins Blumenau (SAVB), beteiligt sich auch an der Kartierung der Bibervorkommen, die der Naturschutzbund NABU koordiniert. "Ich hätte als Jung-Angler in den sechziger Jahren niemals damit gerechnet, dass der Biber an unserer Leine oder ihren Zuflüssen wieder heimisch wird", sagt er beglückt.

Denn damals sei die Leine stark verunreinigt gewesen, Schaumschlieren und Wassertrübungen waren sichtbare Zeichen dafür. Flussbegradigungen und Hochwasserschutzmaßnahmen taten ihr Übriges, um zahlreiche Bewohner aus Leine und Aue zu vertreiben. Erst vor rund 30, 40 Jahren habe dann ein Umdenken begonnen, immer mehr Deutsche entwickelten ein Bewusstsein für den Wert der natürlichen Lebensräume.

"Es wurde seitdem viel getan, um Wasserqualität und Gewässerstrukturen wieder zu verbessern", sagt Bartels. Auch wenn noch reichlich Luft nach oben sei, stellten sich erste Erfolge ein - die Rückkehr des Bibers, der seit 1856 als ausgestorben gegolten hatte, sei eines der Glanzlichter. An der Leine sind schon länger Biberfamilien beobachtet worden, nun verbreiteten sie sich offenbar auch an der Aue.

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In den vergangenen drei Jahren hätten sich die Hinweise auf eine Population verdichtet: Bartels fand immer mehr Nagespuren, größere Fressplätze, später auch Fällplätze, an denen Bäume mit bis zu 20 Zentimetern Durchmesser nach Biberart gefällt worden waren. Der Pflanzenfresser hat seine eigene Art, zur Renaturierung eines Gewässers beizutragen: Er schält die Rinde von den Bäumen und nagt am Holz, bis sie umfallen. Das Totholz im Fluss bietet wieder Unterschlupf für Fische und Amphibien, verringere auch die Fließgeschwindigkeit. "Die Flussläufe werden natürlicher und verlieren ihren sterilen Kanal-Charakter", so Bartels.

Einen ersten Biberbau habe er im Dezember 2015 an der Leine im Luther Raum gesehen, sagt Bartels. Die Tiere sind vorsichtig und scheu, zudem nachtaktiv. Das Tier habe bisher nur für wenige Sekunden gesichtet werden können. Die Artbestimmung sei auch für Spezialisten auf die Entfernung schwierig, Verwechslungsgefahr bestehe vor allem zu Bisamratten oder Nutria. Sicheres Kennzeichen sei abgesehen von der imposanten Größe (das Tier wird bis zu 130 Zentimeter lang und 30 Kilogramm schwer) der platte Schwanz, auch Kelle genannt. Bei Gefahr klatsche der Biber mit seiner Kelle auf die Wasseroberfläche, tauche dann ab.

Eine Tagessichtung sei ihm, bei aller Vorsicht und Geduld, nicht gelungen. Daher habe er dem "Neubürger" mit einer Fotofalle nachts nachgestellt, berichtet Bartels. Auch dazu habe es vieler erfolgloser Versuche bedurft, berichtet er. Nun ist Bartels umso stolzer: Mit einer so genannten Blacklight-Kamera, die kein helles Licht abstrahlt, gelangen ihm die Aufnahmen des eindeutig erkennbaren Bibers an seinem Fressplatz an der Aue.

Von Kathrin Götze

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