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Rot-Grün verliert die Mehrheit im Rat

Wunstorf Rot-Grün verliert die Mehrheit im Rat

Bei der Ratswahl ist die SPD wieder deutlich stärkste Fraktion geworden. Ebenso wie ihr grüner Partner hat sie aber Stimmenanteile verloren, so dass es nicht mehr für eine gemeinsame Mehrheit reicht. Die AfD erreichte ein zweistelliges Ergebnis. Bei den Ortsratswahlen gibt es einige Verschiebungen.

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Im Sitzungssaal des Rathauses verfolgen die Besucher die ersten Wahlergebnisse aus Wunstorf.

Quelle: Sven Sokoll

Wunstorf. Erst gegen 21 Uhr kamen die ersten Ratsergebnisse auf den Tisch - und erst kurz nach 1 Uhr kam das vorläufige Endergebnis, weil in Luthe noch lange gezählt werden musste und die Wahlleitung zuletzt noch drei Verstärkungskräfte schickte. Demnach erhält die SPD 38,6 Prozent, die CDU 32,8 Prozent, AfD 10,2 Prozent, Grüne 9,7 Prozent, FDP 5,4 Prozent, Linke 2,7 Prozent, Stefan Sauer 0,6 Prozent. 59,6 der Wahlberechtigten hatten ihre Stimmen abgegeben.

Daraus ergeben sich 16 Sitze für die SPD und 4 für die Grünen, die damit nicht mehr gemeinsam auf eine Mehrheit im Rat kommen. Dafür sind 21 Mandate notwendig. Die AfD zieht indes gleich mit vier Ratsherren in den Rat ein.

In etwa gleichen Umfang wie die bisherige Mehrheitsgruppe aus SPD und Grüne damit Wählerstimmen verliert, hat die neu antretende AfD sich damit Stimmen gesichert. "Ich hatte eher mit sieben Prozent gerechnet. Alles war darüber liegt, freut mich", sagte der AfD-Vorsitzende Bernd Wischhöver. An den Ständen habe die Partei aber auch einen guten Zuspruch erlebt.

CDU-Chef Martin Pavel freute sich während der laufenden Auszählung zumindest über ein gutes Ergebnis für seinen Spitzenkandidaten Axel Brockmann. Ähnlich nah an die SPD wie auf Regionsebene ist die CDU im Wunstorfer Rat insgesamt aber nicht kommen, auch wenn das Ergebnis immerhin fast gehalten wurde.

Bei der SPD gab es trotz der Verluste auch Feierlaune, auch wenn auch nach 23 Uhr immer noch auf Ergebnisse gewartet wurde. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn weitere Ortsteile für die Ratswahl hinzukamen. Besonders stürmisch wurde die absolute Mehrheit vom stellvertretenden Bürgermeister Ulrich Troschke bejubelt, der für Mesmerode 52,9 Prozent erzielte. "Ich bin sehr erfreut", sagte Troschke und verwies bescheiden darauf, dass ja die Briefwahlstimmen noch nicht ausgezählt seien. "Wenn es so bleibt, freuen wir uns, dass wir stärkste Fraktion bleiben", sagte die Fraktionsvorsitzende Kirsten Riedel. Sie hoffte, dass die SPD im Endspurt der Auszählung noch ein wenig zulegt.

Ein buntes Bild ergibt sich mit künftig fünf verschiedenen Parteien im Ortsrat der Kernstadt. Die SPD von Thomas Silbermann (7 Sitze) könnte mit den beiden Grünen, dem bisherigen Gruppenpartner, eine knappe Mehrheit erzielen. Außerdem gehören 5 CDU-Politiker, 2 AfD-Vertreter und 1 Liberaler dem Gremium an. Silbermann holte auch die meisten persönlichen Stimmen.

Bei den Ortsratswahlen in Großenheidorn hat die CDU von Ortsbürgermeister Manfred Wenzel Verluste erlitten, so dass bei einer Sitzverteilung von CDU: 3, SPD: 3, Grüne 1 bei einer weiteren rot-grünen Zusammenarbeit eine Wahl von Martin Ehlerding (SPD) möglich erschiene. Bei den persönlichen Stimmen liegt Wenzel aber vor Ehlerding.

In Blumenau könnte Frank Zülich (SPD) sich unter der gleichen Prämisse Hoffnungen machen gewählt zu werden. Dem Ortsrat gehören 2 SPD, 2 CDU und ein Grüner an. Dagmar von Hörsten (CDU) hat allerdings mehr Bewerberstimmen bekommen als Zülich. Amtsinhaber Rudolf Speckhan von den Grünen war nicht mehr angetreten. Der Grünen-Vorsitzende Wolf-Rüdiger Leitner überließ es indes derzeit noch Gesprächen vor Ort, wie die Grünen sich dort, wo sie ein Zünglein an der Waage sind, abstimmen werden.

In Steinhude hat unterdessen die SPD unter dem neuen Ortsbürgermeister Wilhelm Bredthauer herbe Verluste erlitten. Bei 3 SPD-Sitzen, 3 CDU-Sitzen und je einem Vertreter von Grünen, FDP und AfD ist die Mehrheitsbildung schwierig. Wenn die anderen Parteien sich an den persönlichen Stimmen orientieren, müsste CDU-Bewerberin Christiane Schweer den Vorzug bekommen.

In Luthe behält die SPD um Rolf Hoch mit 5 Mandaten ihre absolute Mehrheit, wenn auch etwas weniger deutlich. Dazu kommen 3 CDU-Sitze und ein Grüner. In Kolenfeld ist alles klar für Amtsinhaber Karsten Grobe. Seine SPD holt 4 Sitze, die CDU 2 und die AfD einen. In Bokeloh kann die CDU mit 4 Sitzen Matthias Waterstradt zum Nachfolger von Parteifreund Johann Hartmann wählen, der nicht mehr antrat. Die SPD kam hier auf 2 Sitze, die Grünen auf einen.

In Idensen kann Rolf Herrmann Ortsbürgermeister bleiben, 3 Sozialdemokraten stehen dort 2 Christdemokraten gegenüber. In Klein Heidorn kann Jann Weerts in eine weitere Amtszeit gehen, denn seine SPD kommt auf 4 Sitze. Die CDU kommt auf 2, die Grünen auf einen. Ulrich Troschke kann Ortsbürgermeister von Mesmerode bleiben, den 3 SPD- stehen 2 CDU-Sitze gegenüber.

Da die SPD also absehbar wieder die Mehrheit der Ortsbürgermeister stellen wird, mahnt CDU-Chef Martin Pavel am Montag an, seiner Partei dann jeweils den Stellvertreterposten zu überlassen - vor fünf Jahren sei das verweigert worden. "Das muss aber in den Ortsräten selbst geklärt werden", verwies der SPD-Vorsitzende Bernd Maschke auf die Akteure vor Ort.

Im Rathaus verfolgten erst gegen 19.30 Uhr Besucher die ersten Regionswahlergebnisse, so dass ein langer Abend sich schon abzeichnete. Eine Stunde später zeigt sich bei der SPD auf Küsters Hof, als rund die Hälfte der Wunstorfer Regionswahlbezirke ausgezählt war, zumindest Spitzenkandidatin Frauke Meyer-Grosu zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich bin sehr erfreut, dass ich wahlkreisweit Stimmen gezogen habe.“ Entsetzt waren die Genossen, über das gute Abschneiden der AfD.

Schon gleich nach Schließung der Wahllokale hatte sich die SPD getroffen, um mit Luftballons, Wimpeln und Bannern alles für die Wahlparty in Küsters Hof vorzubereiten. Prognosen wollten Riedel und Bernd Maschke, Vorsitzender des Ortsvereins Wunstorf nicht abgeben. Beide hoffen jedoch, die Mandatszahl von der vergangenen Wahl zu halten. "Bisher hat der Bundestrend hier nicht so sehr eine Rolle gespielt", sagte die Fraktionsvorsitzende, der vor Aufregung der Appetit vergangen ist. Die AfD sei ein völlig unbekannter Faktor. Auch hätten die Grünen bei der letzten Wahl von der Reaktorkatastrophe in Fukushima profitiert. Eine Koalition sei für Riedel und Maschke sowohl mit den Grünen, wie auch mit der FDP denkbar. "Eine große Koalition finde ich nicht gut", sagte der SPD-Chef.

Ein paar CDU-Mitglieder aßen unterdessen in gespannter Erwartung beim Griechen Akropolis an der Nordstraße, bevor dort später die Wahlparty anfangen sollte. Parteichef Martin Pavel erwartete eigentlich keine deutlich höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren. "Und wenn es so ist, ist die Frage, wem es nutzt", fragte er sich. Vor der Tür hängen Wahlplakate, drinnen stehen die Computer bereit.

Später ging es auch bei den Christdemokraten zunächst nur um die Regionswahlergebnisse. Zu Ulrike Hansing am Laptop gesellte sich immer wieder Spitzenkandidat Manfred Wenzel, der zufrieden feststellen konnte, dass er in Wunstorf dabei mit Abstand die meisten persönlichen Stimmen geholt hatte.

Die Grünen mussten woanders Asyl suchen, weil sie beim geplanten Treff La Sol vor verschlossener Tür standen. Die FDP verbrachte den Abend im Gilde-Bräu-Eck.

Neun Kreuze zu verteilen dauert eine Weile, und die Zahl der Wahlkabinen ist begrenzt: Deshalb hatten sich am Sonntagvormittag auch vor Wahllokalen in Wunstorf Schlangen gebildet. Außerdem hat die Stadtverwaltung noch einmal auf die doch recht ausladenden Wahlzettel reagiert und hat noch sieben weitere Wahlurnen ausgeliefert, damit am Ende alle Zettel ordnungsgemäß eingeworfen werden können.

In Steinhude ist es zu einem Zwischenfall gekommen: Eine Wählerin stürzte am Morgen auf dem Weg aus dem Wahllokal. Im Luther Dorfgemeinschaftshaus regte ein Wähler an, die Zettel beidseitig zu bedrucken, um sie kleiner zu machen.

Im Rat der Samtgemeinde Sachsenhagen hat die CDU 11 Sitze erlangt, 8 erreichte die SPD. Somit gewann die CDU einen Sitz von der SPD hinzu. 3 gehen an die Grünen und 2 an die Wählergemeinschaft.

Bei der Gemeinderatswahl in Hagenburg hat die CDU 8 Sitze erlangt, die SPD 4. Damit hat die Union auch hier einen Sitz von den Sozialdemokraten ergattert und stellt die absolute Mehrheit. Die Wählergemeinschaft entsendet unverändert zwei Mitglieder, die Grünen eines. Die Wahlbeteiligung lag bei beiden Wahlen bei 62 Prozent.

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Von Sven Sokoll und Rita Nandy

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