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Wenn am Grab niemand trauert

Wunstorf Wenn am Grab niemand trauert

Ein einsames Ende: Seit 2010 hat die Stadtverwaltung für 35 Wunstorfer die Beerdigung organisiert, weil keine Angehörigen existieren oder diese sich geweigert haben, sich um eine Trauerfeier zu kümmern. Auch wenn es 2015 allein neun Fälle gab, belegen die Zahlen aber keinen klaren Aufwärtstrend.

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Die meisten Beisetzungen, die die Stadt veranlasst, geschehen auf dem anonymen Urnenfeld auf dem Friedhof Luthe.

Quelle: Sven Sokoll

Wunstorf. Eine solche Tendenz wird bundesweit in letzter Zeit immer mal wieder berichtet. Dennoch ist es auch bei einer eher konstanten Zahl schon bemerkenswert, wenn am Schlusspunkt eines langen Lebens niemand trauernd am Grab steht.

Wenn jemand allein in seiner Wohnung stirbt, bekommt die Polizei oft aus der Nachbarschaft mit, dass keine Angehörigen bekannt sind. Lebte der Verstorbene im Heim, war dort, bei den Betreuern oder bei der Sozialhilfestelle oft schon bekannt, dass es wohl keine Angehörigen gibt. In beiden Fällen fängt die Stadtverwaltung mit einer Suche an, wer aus der Familie vielleicht doch noch erreichbar ist. "Das ist dann oft eine Puzzlearbeit in den Standesämtern", berichtet Marcel Nellesen, der in den Stadtverwaltung dafür zuständig ist. Sie ist aber notwendig, weil vorhandene Angehörige auf jeden Fall am Ende die Kosten übernehmen müssen, wenn sie wirtschaftlich dazu in der Lage sind.

Weil Anfragen für Recherchen in Geburts- oder Eheurkunden auf dem Behördenweg aber oft ihre Zeit dauern, kann die Stadtverwaltung mit den Vorbereitungen für die Beisetzung nicht lange warten, denn Einäscherung oder Beerdigung sollen innerhalb von acht Tagen nach dem Tod geschehen sein. Bei der Gestaltung des letzten Wegs soll zumindest der bekannte Wille des Verstorbenen berücksichtigt werden. "Leider sprechen aber viele Menschen nicht darüber. Der Appell sollte deshalb sein, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen und seine Wünsche festzuhalten", sagt Stadtsprecher Hendrik Flohr.

In der Regel wird der Leichnam deshalb verbrannt und findet auf dem anonymen Urnenfeld des Luther Friedhofs die letzte Ruhe. Denn zu dem Zeitpunkt ist ja meist auch noch unklar, ob sich jemand für eine Grabpflege findet.

Eine Trauerfeier gibt es meistens nicht, in aller Stille setzen Friedhofsmitarbeiter dann die Überreste des Verstorbenen bei. Wenn jemand zuletzt in einem Heim gelebt hat, kann es sein, dass dort eine Feier angesetzt wird. "Einmal haben wir erlebt, dass ein Nachbar eine Feier organisiert und die Bestattung auch bezahlt hat, aber das ist die Ausnahme", sagt Nellesen.

Gesetz legt Reihenfolge fest

Nach dem niedersächsischen Bestattungsgesetz muss in erster Linie ein Ehe- oder Lebenspartner, in der weiteren Folge dann Kinder, Enkelkinder, Eltern oder Geschwister für Bestattungen sorgen. Wenn Verwandte gefunden werden, wehren sich manche zu zahlen, so dass die Stadt auch schon Auseinandersetzungen vor dem Verwaltungsgericht führen musste. Für die 15 Beisetzungen in den Jahren 2013 bis 2015 hat sie 28.000 Euro ausgegeben und hat davon bisher 11.500 Euro erstattet bekommen.

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Von Sven Sokoll

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