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Angreifer aus Maßregel verletzt Seniorin

Wunstorf Angreifer aus Maßregel verletzt Seniorin

Eine 73-Jährige ist am Montag bei einem Überfall in ihrer Wohnung an der Alten Bahnhofstraße schwer verletzt worden. Die Polizei nahm gegen 19.45 Uhr einen 36-jährigen Patienten aus dem Maßregelvollzug fest, der sie angegriffen haben soll. Darauf reagierte am Dienstag auch die Sozialministerin.

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Die Polizei hat einen mutmaßlichen Messerstecher festgenommen.

Quelle: Symbolbild

Wunstorf. Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der Mann zunächst  gegen eine Scheibe der Erdgeschosswohnung geklopft. Als das Opfer auf ihn aufmerksam geworden war, bat der Angreifer mit einem Vorwand, ihn in die Wohnung zu lassen. Tatsächlich öffnete die 73-Jährige daraufhin die Terrassentür, wurde aber sofort angegriffen und geschlagen. Der Eindringling stach dann mehrmals mit einem Messer in ihren Oberkörper und in die Hand.

Trotzdem schaffte die Seniorin es, zu entkommen und in die Wohnung ihrer Nachbarin zu gelangen, die dann die Polizei verständigte. Mit schweren Verletzungen brachte der Rettungsdienst das Opfer ins Krankenhaus. Der Angreifer ergriff indes nicht die Flucht, sondern war noch in der Wohnung, als die Beamten kamen: Er durchsuchte die Räume offenbar nach möglichem Diebesgut. Die Polizisten nahmen ihn fest. Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragte, dass er im Lauf des Dienstag einem Haftrichter vorgeführt wurde. Sie wirft ihm versuchten Mord in Tateinheit mit einem schweren Raub vor: "Die Stiche waren auf jeden Fall potentiell lebensbedrohlich", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Der Haftrichter beim Amtsgericht Neustadt ließ den 36-Jährigen in Untersuchungshaft nehmen.

"Es ist schrecklich, dass hier eine Frau mit dem Messer angegriffen worden ist", sagte Sozialministerin Cornelia Rundt. "Unser Mitgefühl gilt dem Opfer und den Angehörigen." Der 36-Jährige war nach Angaben ihres Ministeriums wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes Anfang 2010 in den Maßregelvollzug in Moringen aufgenommen worden. 2013 wurde das zur Bewährung ausgesetzt, diese aber Anfang 2015 nach einem Rückfall widerrufen. Er wohnte seit Januar 2016 zur Probe in einer Wohnung in Wunstorf und wurde vom offenen Maßregelvollzug aus Misburg regelmäßig betreut. Im März dieses Jahres hat das Landgericht Göttingen zwar festgestellt, dass die zeitliche Höchstgrenze für die Maßregel in Folge von Alkohol- und Drogenabhängigkeiten bei dem 36-Jährigen erreicht war. Das Gericht forderte damals aber ein Prognosegutachten an und beschloss, dass der Strafrest weiterhin im (offenen) Maßregelvollzug verbüßt werden sollte.

Die Ministerin will sich nun verstärkt dafür einsetzen, die Regeln für die Lockerung des Vollzugs zu überprüfen. "Offenbar wurde in der Einrichtung mit dieser Gefährlichkeit des Patienten nicht gerechnet." Sie hat auch die Leiter der niedersächsischen Einrichtungen des Maßregelvollzugs für nächste Woche eingeladen.

Lockerungen im Maßregelvollzug

Ausführungen mit Bediensteten: Die Patienten können mit einem Mitarbeiter der Einrichtung einkaufen gehen oder beispielsweise ihre Eltern besuchen.

Ausgang in Begleitung von Besuch: Der Patient darf mit Angehörigen oder Bekannten die Einrichtung verlassen.

Ausgang ohne Begleitung: Die Zeitspanne, wie lange sich der Patient außerhalb der Einrichtung aufhält wird dabei von Ausgang zu Ausgang verlängert.

Urlaub: Der Patient darf über Nacht der Einrichtung fernbleiben.

Offener Maßregelvollzug: Der Patient wohnt in einer Gruppe oder allein, wird aber weiter beaufsichtigt oder betreut. Bei allen Maßnahmen außer der Ausführung mit Bediensteten muss die Staatsanwaltschaft informiert werden

Von Sven Sokoll

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