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Stadtarchivar spricht über Wunstorfs Anstalt

Wunstorf Stadtarchivar spricht über Wunstorfs Anstalt

Die heutige Psychiatrie Wunstorf war zu Beginn eher eine Verwahranstalt für Arme und Irre. Über die Geschichte der Einrichtung berichtete Stadtarchivar Klaus Fesche am Donnerstagabend in der Stadtkirche. Sein Vortrag gehört zum Begleitprogramm der Ausstellung "Freiheitsräume" des Forums Stadtkirche.

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Stadtarchivar Klaus Fesche berichtet im Rahmen der Klingebiel-Ausstellung in der Stadtkirche über die "Anstalt", die heutige Psychiatrie Wunstorf.

Quelle: Rita Nandy

Wunstorf. Dabei beleuchtete der Stadtarchivar in der voll besetzten Kirche die Zeit von den Anfängen 1880 bis zum vorläufigen Ende in der Zeit des Nationalsozialismus 1941.

Von der damals so genannten Anstalt profitierte auch die Wuntorfer Kaufmanns- und Händlerschaft. So zitierte Fesche aus einer Bestellliste für Bedarfsgüter, auf der beispielsweise 900 Liter Bier, 190 Liter Sirup, 1400 Heringe und 20 Kilo Tischlerleim standen. Auch 80 Liter Rotwein waren vermerkt. "Ich denke, die waren nicht für die Korrigenten gedacht", berichtete er schmunzelnd.

Die ersten drei Jahre handelte es sich um eine Korrektionsanstalt. Das Haus diente zur Abschreckung, und Arbeitsscheue sollten diszipliniert werden. Drei Jahre danach wurde es um eine Landarmenanstalt ergänzt, für anfangs 100 später für mehr als 500 männliche Arme. Von 1908 bis 1922 war die Einrichtung ausschließlich ein Landesarmenhaus. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in der Provinzial-Pflegeanstalt vorwiegend Kranke und "Sieche" untergebracht.  Probleme bereiteten nach wie vor die hohe Krankheits- und damit verbundene Sterberate. Aber bis 1915 bekleideten Offiziere a.D. den Posten des Anstaltsdirektors. Mit Dr. Emil Schmidt war es erstmals ein Arzt. Mit Dr. Richard Snell kam 1899 der erste Psychiater für ein halbes Jahr in die Einrichtung. Doch therapiert wurden die psychisch Kranken erst ab etwa 1930.

Was sich hinter den hohen Mauern abspielte, sei nur wenig dokumentiert, sagte Fesche auf Nachfrage einer Besucherin. Arbeitsfähige waren in der Forst- oder Landwirtschaft beschäftigt oder pflegten die Gärten auf dem Gelände und so manch eines Wunstorfers.

Die Vortragsreihe setzt der Berliner Professor Asmus Finzen am Donnerstag, 6. Oktober, ab 19.30 Uhr mit der Zeit von der NS-Psychiatrie bis zur Psychiatriereform fort. In die Zeit (1939/40) fällt auch der Aufenthalt des Künstlers  Julius Klingebiel. Er wurde in das Landesverwahrungshaus Göttingen verlegt. Dort bemalte er seine Zelle. Eine Reproduktion ist derzeit in der Stadtkirche zu sehen. Infos zum gesamten Begleitprogramm unter forum-stadtkirche.de.

Von Rita Nandy

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