Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Stadtrechte sind noch älter als gedacht

Wunstorf Stadtrechte sind noch älter als gedacht

Die Feier zu 750 Jahren Stadtrechten vor vier Jahren basierte wohl auf einer falsch interpretierten Urkunde. Zum mittelalterlichen Wunstorf ist eine Vielzahl neuer Urkunden bekannt geworden.

Voriger Artikel
Rot-Grün uneins bei Baugebiet-Erweiterung
Nächster Artikel
Über 100 Akteure auf der Bühne

Werner Reese (rechts) übergibt Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt (links) und Stadtarchivar Klaus Fesche ein Band von Polykarp Leysers „Geschichte der Grafen von Wunstorf“ von 1726.

Quelle: Sven Sokoll

Wunstorf. Die frühe Phase der Wunstorfer Geschichte muss neu geschrieben werden: Diese Auffassung vertritt der Heimatforscher Werner Reese, der in den letzten Jahrzehnten viele neue Quellen aus dem Mittelalter gefunden hat. Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt unterstützt jetzt seinen Vorschlag, ein neues Urkundenbuch zu veröffentlichen, um weitere Forschungen zu befördern.

Reese hatte sich 2001 vorgenommen, ein Buch über diese Zeit zu schreiben, musste sich aber zunächst sehr intensiv mit den Quellen auseinandersetzen. Damals waren rund 300 Urkunden über die frühe Wunstorfer Geschichte bekannt. Durch seine Recherchen sind rund 1000 weitere hinzugekommen. „Vieles davon kennt kein Mensch“, sagt Reese, der eine systematische Bearbeitung und Veröffentlichung für sinnvoll hält. Allerdings müssen die lateinischen Urkunden übersetzt werden.

Nach seiner Ansicht hat die Stadt vor vier Jahren das Jubiläum 750 Jahre Stadtrechte falsch gefeiert. Die Urkunde von 1261, auf die sich die Feier bezog, bestätigte die Rechte nur, begründete sie aber nicht neu. Vielmehr wird Wunstorf schon 1181 als Stadt bezeichnet. Manfred Rasche vom Heimatverein hat nach Reeses Erkenntnissen im Oktober bereits einen Aufsatz dazu fertiggestellt.

Die Steinhuder hätten in diesem Jahr ihr 725-jähriges Bestehen feiern können, darauf weist Reese auch hin. Und nach seiner Einschätzung haben auch die Neustädter Dörfer in diesem Jahr ihre Jubiläen auf einer zweifelhaften Grundlage gefeiert.

Reese hatte das Rathaus besucht, um ein Stück aus seiner großen Sammlung dem Stadtarchiv zu übergeben. Es handelt sich um ein Band der „Historia Comitum Wunstorpiensium“, zu Deutsch die „Geschichte der Grafen von Wunstorf“ des damaligen Superintendenten Polykarp Leyser aus dem Jahr 1726. „Zusammen mit der Urkundensammlung des damaligen Stadtvogts Johann Joachim Zorn begründete Leyser damit die Wunstorfer Geschichtsschreibung“, sagt Stadtarchivar Klaus Fesche.

Das Archiv hatte bisher nur einen Band der ersten Auflage von 1724, die im Jahr 2000 von Eberhard Kaus übersetzt worden ist. Allerdings enthält die spätere Auflage zahlreiche Korrekturen des Verfassers, was sie besonders wertvoll macht. Das Exemplar, das Reese jetzt zur Verfügung gestellt hat, hat er in Österreich aufgetrieben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sou12065oi1e3senhn4
Engelsflügel haben es in Innenstadt geschafft

Fotostrecke Wunstorf: Engelsflügel haben es in Innenstadt geschafft