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Feuerwehr will Gaffer abhalten

Wunstorf Feuerwehr will Gaffer abhalten

Die Feuerwehr Wunstorf geht offensiv gegen Gaffer vor. Mit einem großen Transparent will sie künftig Bergungsarbeiten bei Unfällen vor neugierigen Blicken abschirmen. Gleichzeitig soll die durchaus provokante Aktion der Mitgliederwerbung dienen. Auf dem Plakat steht: „Nicht gaffen! Mitglied werden!“

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Mit Plakaten gegen Gaffer und für den Schutz der Opfer: Eine Aktion der Wunstorfer Feuerwehr.

Quelle: Feuerwehr

Wunstorf. Drei von den Plakaten hat die Feuerwehr über eine Werbeagentur herstellen lassen. Eines ist in Kolenfeld, eines in Wunstorf und eines in Steinhude gelagert. Eingesetzt wurden sie noch nicht. Aber auch die Wunstorfer Feuerwehren kennen vor allem von Einsätzen auf der Autobahn das Problem mit Gaffern. „Die Leute behindern oft die Arbeit der Rettungskräfte, erzeugen auch noch zusätzliche Staus und provozieren Folgeunfälle“, sagt Marvin Nowak, einer der beiden Sprecher der Feuerwehr. Er empfinde es als besonders schlimm, dass die Gaffer jeglichen Sinn für die Rechte der Opfer verlören.

Bislang haben Feuerwehrleute mit Decken versucht, Opfer vor neugierigen Blicken und Handykameras zu schützen. Das neue 3,30 mal 1,75 Meter große Kunststoffplakat ist indes leichter zu halten. Das können zwei Leute bewerkstelligen, bisher brauchte die Feuerwehr oft die gesamte Besatzung eines Einsatzwagens, sagt Nowaks Sprecher-Kollege Marcel Nellesen.

Den letzten Anstoß zu der Aktion gab ein Einsatz der Feuerwehr im vergangenen August. Ein Geisterfahrer hatte bei Luthe auf der A 2 einen Unfall verursacht, bei dem er ums Leben kam und zwei weitere Menschen schwer verletzt wurden. Gaffer hielten sogar auf dem Standstreifen der Gegenfahrbahn an, um völlig ungeniert Fotos zu machen oder Handy-Filme zu drehen. In einer folgenden Stadtkommandositzung wurde darüber gesprochen - und die erste Idee entwickelt. Mit dem Ergebnis ist Stadtbrandmeister Volker Kentrat sehr zufrieden. „Das ist eine gute Sache, die Gaffer fernzuhalten und gleichzeitig auf die Möglichkeit hinzuweisen, dass jeder bei der Feuerwehr aktiv werden kann“, sagt Kentrat.

Auch überregionale Medien haben sich inzwischen für die Aktion der Wunstorfer Feuerwehr interessiert. Gleichwohl hoffen die Einsatzkräfte allerdings auch, dass sie die Banner nicht so bald einsetzen müssen.

Gute Idee gut umgesetzt

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius will in Kürze ein Gesetz einbringen mit dem Ziel, das Fotografieren von Unfallopfern zu verbieten. Wunstorfs Feuerwehr kann zwar nichts offiziell verfügen – sie hat stattdessen eine gute Idee gut in die Tat umgesetzt. Wenn es gelingt, mit den bedruckten großen Folien Gaffer zu bremsen, die mit ihren Handys Fotos von Rettungsarbeiten und Verletzten oder Toten machen, dann ist das für die Plakate eingesetzte Geld gut angelegt. Jedwede Initiative ist richtig, mit der verhindert wird, dass Gaffer sich mit solchen Fotos in sozialen Netzwerken zu profilieren versuchen – und manchmal auch noch Rettungsarbeiten behindern.

Von Albert Tugendheim

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