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Wer kommt für verdorbenen Urlaubsstart auf?

Wunstorf Wer kommt für verdorbenen Urlaubsstart auf?

Alles war so sorgfältig geplant für die Reise nach Marokko. Doch nach einem Defekt am Zug zum Flieger konnten Cordula und Uwe Schönfisch nicht rechtzeitig an Bord gehen, mussten einen Ersatzflug buchen. Doch wer kommt für die Mehrkosten auf?

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Weg ist der Flieger - wer sorgt für Ersatz?

Quelle: Julian Stratenschulte

Wunstorf. Schönfischs hatten eigentlich alles richtig gemacht. Drei Stunden vor dem Abflug wollten sie am Flughafen Berlin-Tegel sein, um in aller Ruhe den Flug nach Casablanca anzutreten. Doch kurz vor Berlin stoppte der Zug auf offener Strecke: Lokschaden, hieß es. Stundenlang warteten die Reisenden im Zug, bis sie schließlich in einen Ersatzzug evakuiert wurden.

Während der Wartezeit hatten Schönfischs vielfach versucht, sich mit dem Reiseveranstalter Humboldt Reisen und der Fluggesellschaft in Verbindung zu setzen, da sie befürchteten, die Zeit fürs Boarding nicht einhalten zu können. So kam es auch: Um 17.40 schloss das Gate, um 18.10 Uhr kamen die Reisenden aus dem Ersatzzug in den Flughafen gehetzt. Keine Chance mehr, in den Flieger zu kommen, keine Chance auf einen anderen Flug von Berlin binnen 24 Stunden - Schönfischs traten erschöpft und  frustriert die Heimreise an. 

Doch aufgeben wollten sie nicht. Die 13-tägige Rundreise durch Marokko hatte 1700 Euro gekostet, die Vorfreude war groß gewesen. So organisierten sich Schönfischs selbst einen Flug ab Frankfurt, legten für Flüge und Transfer nach Casablanca schließlich gut 800 Euro drauf.

Doch wer würde die Mehrkosten ersetzen? Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst verweist darauf, dass die Bahn für Verspätungen lediglich den Fahrpreis anteilig ersetzt - für mehr als eine Stunde Verspätung kann der Kunde 25 Prozent des Fahrkartenpreises zurückfordern, für mehr als zwei Stunden dann 50 Prozent. Aber: "Ersatz für entgangene Flugreisen ist in der gesetzlichen Regelung nicht vorgesehen", sagt die Sprecherin.

So versuchte die enttäuschte Reisende es beim Veranstalter mit einem Beschwerdebrief. Ein Mitarbeiter wies zunächst darauf hin, dass für Zugausfälle und Verspätungen der Deutschen Bahn keine Haftung übernommen werde. Schließlich habe man in der Ausschreibung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das mit der Reise verkaufte Rail&Fly-Ticket keine eigene Leistung sei - es wird im Prospekt als Gratis-Zugabe geführt, für die Auswahl des Zuges ist der Kunde selbst verantwortlich.

Aus Kulanz gewähre man aber eine Gutschrift von 200 Euro auf die nächste Reise mit Humboldt, hieß es weiter. Damit war Cordula Schönfisch nicht zufrieden, sie wendete sich an die HAZ/NP-Redaktion. Auf Nachfrage bei Humboldt Reisen sagte deren Mitarbeiterin Pia Koch, immer wieder komme es vor, dass sich enttäuschte Kunden an die Reiseveranstalter hielten, wenn sie bei Bahn oder auch Fluggesellschaften mit Ersatzforderungen auf Granit bissen. "Wir zeigen uns oft kulant, was nützt uns ein enttäuschter Kunde?", sagt die Sprecherin.

Nach einem Telefongespräch mit Cordula Schönfisch meldete sie schließlich, sie habe die freiwillige Zahlung auf 350 Euro hochgesetzt. Überdies werde ein Anwalt des Unternehmens den Geschädigten helfen, weitere Forderungen an die Bahn zu stellen. "Aus meinem Rechtsempfinden müsste das zwar Sache des Veranstalters sein, aber wir versuchen es mal", sagt die Wunstorferin.

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