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Aus der Stadt Bruchmeisterverpflichtung im Rathaus
Hannover Aus der Stadt Bruchmeisterverpflichtung im Rathaus
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00:19 02.07.2018
Bruchmeister: David Rosenbaum, Julian Rödiger, Sasha Heering und Tim Küker. Am Rednerpult: OB Stefan Schostok Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Sie sind die eigentlichen Maskottchen des Schützenfests. Vier neue Bruchmeister wurden im Rathaus von Oberbürgermeister Stefan Schostok auf ihr Amt verpflichtet. Adrett befrackt, mit einer roten Rose im Knopfloch und dem Kleeblatt am Zylinder, übernahmen die Jungschützen anschließend die Standarten der Landeshauptstadt. „Ich verpflichte sie auf die gewissenhafte und ordnungsgemäße Erfüllung ihrer Aufgaben, so wie es der Tradition und der Würde des Amtes entspricht“, sagte Schostok.

Träger der weißen Standarte (Erster Zug) ist der 25-jährige David Rosenbaum aus Hemmingen. Der Vermögensberater repräsentiert die Schützengesellschaft Ricklingen. Der Verein stellt mit Sascha Heering (21 Jahre, dritter Zug, gelbe Standarte) gleich zwei Bruchmeister. Den Osten der Stadt vertritt Tim Küker (vierter Zug, grüne Standarte). Der 31-jährige Autoverkäufer ist der älteste im Bunde und marschiert für die Schützengesellschaft Anderten. Komplettiert wird das Quartett durch den Panzergrenadier Julian Rödiger (21 Jahre, zweiter Zug, rote Standarte) von dem Fanfarenkorps Hannover. Für die 50-jährige Mitgliedschaft im Collegium ehemaliger Bruchmeister wurde Klaus-Bernd Schlimme ein Ehrenbecher verliehen.

„Ich verpflichte sie auf die gewissenhafte und ordnungsgemäße Erfüllung ihrer Aufgaben, so wie es der Tradition und der Würde des Amtes entspricht.“ Bevor auf dem Schützenfest das Fass angestochen wird, verpflichtet Oberbürgermeister Stefan Schostok die vier neuen Bruchmeister David Rosenbaum, Julian Rödiger, Sascha Heering und Tim Küker.

Historisch oblag den Bruchmeistern die niedere Gerichtsbarkeit auf dem Festplatz. Heute müssen sie vor allem Kondition beweisen, in mehrerlei Hinsicht. Unter den Augen von Schützenchef Paul-Eric Stolle und vielen Vertretern der Stadt- und Schützengesellschaft gelobte das Quartett , auf dem Festplatz nach altem Brauch das Schützenwesen zu repräsentieren. „Bitte denken sie daran, dass all ihre Handlungen von dem ehrlichen Willen getragen werden, unserem hannoverschen Schützenfest nach besten Kräften zu dienen und damit dem Ansehen Hannovers einen guten Dienst zu erweisen“, so Schostok.

Auf dem Schützenplatz werden die vier nun viele Hände schütteln, Rundgänge absolvieren und natürlich die eine oder andere Lüttje Lage verteilen. Außerdem sammeln die Bruchmeister Spenden. Dieses Jahr für das Aegidius-Haus, eine Kurzzeitpflegeeinrichtung für beeinträchtigte Kinder- und junge Menschen auf der Bult.

Randfiguren der Geschichte

Seit 1710 tauchen die Bruchmeister in der offiziellen Schützenordnung auf. Darin sind auch die Voraussetzungen genannt, die Aspiranten bis heute erfüllen müssen. Ledig, von gutem Charakter und Leumund und unbescholten müssen sie sein. Heute werden die Jungschützen von ihren Vereinsvorsitzenden dem Verband Hannoverscher Schützenvereine vorgeschlagen. Bei einem Test müssen sie ihr Wissen um die Stadtgeschichte, hannöversche Traditionen und das Schützenwesen unter Beweis stellen. Wer sich hier als würdig erwiesen hat, wird dem Rat vorgeschlagen. Es folgen die Vereidigung und zehn Tage anstrengender Spaß auf dem größten Schützenfest der Welt.

In der Stadtgeschichte ist die Bruchmeisterei übrigens weit weniger etabliert als auf dem Schützenfest. Eine wissenschaftlich fundierte Geschichte des Ehrenamts gibt es bis heute nicht. An ihr arbeitet derzeit die Historikerin Karolin Quambusch. Sie soll im Auftrag des Collegium ehemaliger Bruchmeister rechtzeitig zum nächsten Schützenfest eine valide Historie fertigstellen. Aus Forscherperspektive sind die befrackten Herren Randgestalten der Stadtgeschichte. Bekannt ist, dass der „Brokeherr“ im 16. und 17. Jahrhundert zu den angesehensten städtischen Ämtern gehörte. Zu den Aufgaben zählte es schon damals, bei großen Festlichkeiten für Ordnung zu sorgen. So achteten die Bruchmeister etwa darauf, das die sittliche und standesgemäße Kleiderordnung eingehalten wurde.

Von Mario Moers

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