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Aus der Stadt Müllwagen und Üstra-Busse bekommen Abbiege-Assistenten
Hannover Aus der Stadt Müllwagen und Üstra-Busse bekommen Abbiege-Assistenten
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00:19 24.01.2019
Die Müllfahrzeuge des Unternehmens Aha sollen mit Abbiegeassistenten nachgerüstet werden, um schwere Unfälle vermeiden zu helfen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

 Nach mehreren schweren Abbiegeunfällen, bei denen insgesamt drei Kinder ums Leben kamen, sollen Linienbusse und Müllfahrzeuge in Hannover mit Abbiegeassistenten nachgerüstet werden. Das kündigen die kommunalen Unternehmen Üstra und Aha auf Nachfrage der HAZ an. Die Kosten für Anschaffung und Einbau der neuen Technik gehen in den Millionenbereich. Regiobus will zumindest beim Kauf von 24 neuen Bussen den Einbau von Assistenzsystemen berücksichtigen. „Abbiegeassistenten können schreckliche Unfälle wie jetzt in Lehrte verhindern“, sagt Aha-Sprecherin Helene Herich.

Vor einigen Tagen wurde in Lehrte ein elfjähriges Mädchen von einem abbiegenden Müllfahrzeug erfasst, das Kind starb kurz darauf im Krankenhaus. Vor einigen Monaten starb eine 16-Jährige in Burgdorf bei einem Abbiegeunfall. In Garbsen wurde im November in der Burgstraße die Warnblinkanlage Bike Flash installiert, die aufblitzt, sobald sich Radler und Fußgänger der Kreuzung nähern. Die Anlage ist rechtlich umstritten.

1500 bis 2500 Euro pro Fahrzeug

Abbiegeassistenten in Fahrzeugen arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip wie Bike Flash. Kameras und Warnleuchten helfen Lkw-Fahrern, auf Fußgänger und Radler im toten Winkel aufmerksam zu werden. Die Kosten für die Systeme bewegen sich je nach Fahrzeugtyp zwischen 1500 und 2500 Euro. Ein Abbiegeassistent für Gelenkbusse ist deutlich teurer, nach Angaben der Üstra liegt der Preis bei 4500 Euro pro Fahrzeug. „Wir prüfen jetzt die Angebote von verschiedenen Herstellern“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. 139 Busse müssten nachgerüstet werden. Bei der Ausschreibung 50 neuer Elektrobusse sei die Ausstattung mit einem Abbiegeassistenten schon berücksichtigt. Auch die drei bereits verkehrenden E-Busse sind mit einer Kamera bestückt, die den toten Winkel aufnimmt.

Regiobus rüstet nicht nach

Die 250 Busse der Regiobus sollen nicht nachgerüstet werden. „Wir erneuern aber jedes Jahr zehn Prozent unserer Flotte“, sagt Regiobus-Sprecher Tolga Otkun. Für die nächste Charge habe man beim Hersteller nach integrierten Abbiegeassistenten gefragt. „Wir lassen uns jetzt Angebote unterbreiten. Es soll aber nicht am Preis scheitern“, betont Otkun.

Aha will die Mehrzahl seiner insgesamt 228 Müllfahrzeuge mit Abbiegeassistenten ausstatten. Bei neuen Fahrzeugen achte Aha ohnehin darauf, dass sie mit dem System bestückt sind, sagt Sprecherin Herich. Zudem lege man wert auf Prävention. „Bei regelmäßigen Schulungen von Fahrern wird großer Wert auf Sensibilisierung für den toten Winkel gelegt“, sagt Herich.

ADAC fordert europarechtliche Vorgabe

Warnsysteme sind nicht alles, meint der ADAC. „Entscheidend ist die Reaktionszeit zwischen Wahrnehmen und Bremsen“, sagt ADAC-Sprecherin Christine Rettig. Sie plädiert dafür, dass der Abbiegeassistent mit einem automatischen Bremssystem gekoppelt wird. „Im Grunde muss eine europarechtliche Vorgabe her“, sagt sie.

Das ist auch der Wunsch der Landesregierung. Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) setze sich dafür ein, sagt ein Ministeriumssprecher, dass die EU „schnellstmöglich automatische Abbiege-Assistenzsystem für neue Lkw vorschreibt“. Im Übrigen gehe das niedersächsische Verkehrsministerium mit gutem Beispiel voran und plane, noch in diesem Jahr alle Lkw ab 3,5 Tonnen der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit Abbiegeassistenten auszustatten.

Streuwagen bekommen auch Assistenzsysteme

Dem will die Regionsverwaltung nicht nachstehen. „Wir haben die Fahrzeuge der Straßenmeisterei mit Abbiegeassistenten nachgerüstet“, sagt Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz (SPD). Zudem verweist er auf das Sicherheitskonzept der Region, das unter anderem vorsieht, Kreuzungen übersichtlicher zu gestalten. Bei der hannoverschen Berufsfeuerwehr gibt es zwei Fahrzeuge mit Assistenzsystemen. „Inwieweit das künftig für weitere Feuerwehr und Nutzfahrzeuge infrage kommt, ist noch zu klären“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix.

Unter den Umlandkommunen prescht Langenhagen voran und will seinen Fuhrpark jetzt nachrüsten. Auch Laatzen prüft, ob sich die stadteigenen Lastwagen nachrüsten lassen. Die Initiative wird von der Gewerkschaft Verdi, die die Interessen der Fahrer vertritt, begrüßt. „Das würde helfen, Unfälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen zu verhindern und würde auch die Fernfahrer schützen, für die so ein Unfall psychisch schwer zu verkraften ist", sagt Christoph Feldmann vom Fachbereich Postdienste, Speditionen und Logistik der Gewerkschaft.

Von Andreas Schinkel

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