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Aus der Stadt Kinderpornos bringen Haft auf Bewährung
Hannover Aus der Stadt Kinderpornos bringen Haft auf Bewährung
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00:18 12.08.2018
Das Amtsgericht Hannover verhandelte über Besitz und Verbreiten von Kinderpornographie. Quelle: Kristoffer Finn
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Hannover

Die Dateien hießen „Russian blond Girl“, „Felix“, „French Chloe 12 Years old“ oder „Sunny Girl“. Für den Besitz und das Verbreiten von Kinderpornographie ist ein 40-Jähriger aus Hannover jetzt am Amtsgericht Hannover zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss sich der Verurteilte einer Therapie in der Medizinischen Hochschule Hannover unterziehen und dem Richter darüber Bericht erstatten. Der Familienvater hatte sich 11.200 Dateien mit Aufnahmen von Kindern auf verschiedenen Datenträgern gespeichert und in sechs Fällen auch anderen Pädophilen zur Verfügung gestellt. Aufgeflogen ist das Ganze, weil der Mann außerdem per Handy-Chat Kontakt zu einer Zwölfjährigen suchte.

Zur Annäherung an das Mädchen gab sich Sebastian M. selbst als Gleichaltriger aus und verwandte offenbar sehr viel Mühe darauf, einen altersgemäßen Ton anzuschlagen, um das Kind zu täuschen. Als vorgeblich verliebter Zwölfjähriger wollte er das Mädchen dazu bewegen, Nacktfotos von sich zu schicken. „Ich wollte eigene Bilder bekommen“, räumt der Mann ein.

„Damit ist er nicht nur Sammler, sondern selbst zum Jäger geworden“, stellt Richter Michael Stüber fest. Der Chat mit dem Kind war jetzt jedoch selbst nicht Teil der Anklage. Bereits 2009 hatte M. in einem Internetforum einer Minderjährigen geschrieben. „Bevor ich wissen konnte, wie alt sie ist, hatte ich schon eine Anzeige“, berichtet er. Das ist verjährt.

Das Computerprogramm, das Sebastian M. für seine Pornosammlung nutzte, ist eine Art Tauschbörse. Sobald ein Nutzer eine Datei herunterlädt, stellt er sie anderen zur Verfügung. „Das wusste der Angeklagte. Er hat es billigend in Kauf genommen und die Dateien somit vorsätzlich in Umlauf gebracht“, betont der Staatsanwalt. Verschärfend auf die Strafe wirkt sich auch aus, dass der Speditionskaufmann eine so ausgesprochen große Menge an Aufnahmen heruntergeladen hat. „Ich habe gesammelt, geschaufelt, vieles nicht einmal gesehen“, sagt der Mann selbst. Ein unauffälliger Durchschnittstyp mit Kinnbart und Polohemd.

Richter Stüber hakt mehrmals wegen der schieren Menge der Aufnahmen nach. Fast 11.000 Fotos, außerdem 1233 Videos. Zunächst redet M. davon, er sei schon immer ein Sammlertyp gewesen. Schließlich räumt er ein, dass junge Teenagerkörper ihn anziehen.

Der Staatsanwalt betont die große Energie, mit der M. der Zwölfjährigen über längere Zeit eine Freundschaft vorgaukelte. Die Bilder, die M. sammelte, seien abscheulich. „Sie sind entstanden, indem Kinder missbraucht und in Posen fotografiert wurden, die sie nicht wollten.“

Nach der Durchsuchung des Hauses der Familie vor rund einem Jahr hat sich seine Frau von M. getrennt. Seinen kleinen Sohn darf er bisher nicht sehen und leidet sichtlich darunter. Es gibt es neue Partnerin, mit der er glücklich sei, versichert der Mann. Von seiner Vorgeschichte weiß sie nichts.

Von Bärbel Hilbig

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