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Aus der Stadt Stichflamme beim Föhnen warf Mieterin aus der Bahn
Hannover Aus der Stadt Stichflamme beim Föhnen warf Mieterin aus der Bahn
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15:25 11.09.2018
Mieterin Kerstin Braun wird von Anwalt Jörg Salzwedel vertreten. Quelle: Christian Behrens
Hannover

 Diesen Dienstag im Februar 2016 wird Kerstin Braun nicht vergessen. Sie steckte ihren Föhn in die Steckdose, schaltete ihn ein – und wurde von einem blauen Blitz getroffen, der – so meint sie sich zu erinnern – aus der Steckdose kam. Die Stichflamme brannte ein Loch von der Größe eines Euros durch ihre Strickjacke, durch T-Shirt, Unterhemd und BH. Auch die Haare der Arzthelferin wurden versengt. Seither streitet sich die 54-Jährige mit dem Vermieter-Ehepaar eines Mietshauses in der Südstadt um die Elektroinstallation ihrer Wohnung. Am Dienstag gab es einen Prozesstermin am Amtsgericht: Die Mieterin macht rückwirkend 2887 Euro Mietrückzahlung und eine zusätzliche Mietminderung geltend, möchte vom Vermieter 1000 Euro Schmerzensgeld sowie 159 Euro für zerstörten Fön und beschädigte Kleidung gezahlt bekommen. Zivilrichterin Catharina Erps signalisierte, dass sie zumindest einen Teil der Forderungen für berechtigt hält – riet den beiden Parteien aber dringend zu einer Mediation.

Die von Kerstin Braun bewohnte Drei-Zimmer-Wohnung im dritten Stock eines Hauses älteren Baujahrs ist 72 Quadratmeter groß und kostet eine monatliche Warmmiete von 442 Euro – was durchaus günstig ist. Als es zu dem gefährlichen Zwischenfall kam, wohnte die Arzthelferin schon seit 26 Jahren in der Drei-Zimmer-Wohnung. Wie sie vor Gericht sagte, habe sie der Vorfall nachhaltig beeindruckt, bis heute leide sie unter Angstzuständen und Schlafstörungen. In psychologischer Behandlung, so erklärte sie auf Nachfrage von Richterin Erps, befand und befindet sie sich aber nicht wegen der Auswirkungen von Kurzschluss und Stichflamme. Allerdings begann die 54-Jährige zu weinen, als sie den Unfall schilderte und die Erinnerungen lebendig wurden: „Ich war nur froh, dass nichts noch Schlimmeres passiert ist.“

Waschmaschine stand still

Ein Jahr nach dem Vorfall strengte die Mieterin ein Beweissicherungsverfahren an, weil der Vermieter meinte, der Föhn und nicht etwa eine mangelhafte Elektroinstallation sei für den Unfall verantwortlich. Ein Sachverständiger stellte in der Wohnung erhebliche Mängel fest: So wurde Strom über Massekabel geführt, die Waschmaschine war mit einer zu schwachen Zuleitung versehen, es mangelte an FI-Schutzschaltern, kurz: Die Elektrik entsprach weder den gültigen Vorschriften noch dem Stand der Technik. Im Juni 2017 wurde der Vermieter aktiv und ließ die Elektrik modernisieren. Sie habe ihre Waschmaschine anderthalb Jahre lang nicht benutzen können, klagte die Mieterin, ihre Badewanne sei bis heute nicht geerdet und im Bad gebe es noch andere eletkMängel.

Richterin Erps stellte in Aussicht, ein Gutachten in Auftrag zu geben, ob eine Badewanne heutzutage überhaupt noch geerdet werden muss und wie sich die Situation der Elektroinstallation im Badezimmer tatsächlich darstellt. Langfristig sinnvoller sei es allerdings, wenn sich die streitenden Parteien an einen Güterichter-Tisch setzen würden, um ihre Differenzen auszuräumen. Vermieter-Anwältin Michaela Henjes erklärte, ihr Mandant habe Kerstin Braun einen Auszug vorgeschlagen, allerdings habe man sich über eine mögliche Entschädigung und den Zeitpunkt eines Umzugs nicht einigen können. Rechtsanwalt Jörg Salzwedel, der die Mieterin vertritt, hieß den Mediations-Vorschlag des Gerichts gut. Nun hat das Vermieter-Ehepaar drei Wochen Bedenkzeit, dieses Gesprächsangebot anzunehmen – oder auf das Ergebnis des nächsten Sachverständigengutachtens und ein späteres Urteil zu warten.

Von Michael Zgoll

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