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Aus der Stadt Vermieterin kann Mieter Katzenhaltung nicht verbieten
Hannover Aus der Stadt Vermieterin kann Mieter Katzenhaltung nicht verbieten
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00:17 18.04.2019
Für die Vermieterin des Hauses in Döhren war das Amtsgericht kein gutes Pflaster. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Mit Pauken und Trompeten hat eine Vermieterin einen Prozess gegen einen Mieter verloren, dem sie die Haltung einer Katze in seiner Drei-Zimmer-Wohnung in Döhren untersagen wollte. Beide Seiten hatten argumentativ einige Verrenkungen vollzogen, um Amtsrichter Albrecht von Bitter von ihrem Standpunkt zu überzeugen. Doch nichts davon verfing bei Gericht – die schwarz-weiß-braune Langhaarkatze namens Sweety darf aus übergeordneten Gründen in Döhren wohnen bleiben.

Der 50-jährige Tierfreund lebt seit Februar 2014 in seiner Wohnung im ersten Stock eines Mietshauses, zu der auch ein Balkon gehört. Doch erst im August 2018 ereilte ihn die Aufforderung der Hauseigentümerin, er möge Sweety doch bitte in andere Hände geben. Laut Mietvertrag sei ihm zwar die Haltung von Kleintieren wie Wellensittichen, Zierfischen, Hamstern oder Schildkröten pauschal erlaubt, für das dauerhafte Einquartieren von Hunden oder Katzen benötige er jedoch die Zustimmung der Vermieterin – die ihm diese nicht erteilen wollte. Die Frau zog vor Gericht, der Mieter erhob Widerklage und wollte festgestellt sehen, dass seine Langhaarkatze in der Wohnung bleiben darf.

Keine Beschwerden

Zu den – so sah es das Gericht – an den Haaren herbeigezogenen Argumenten der Vermieterin, Sweety aus der Wohnung zu verbannen, zählte eine mögliche Katzenhaarallergie anderer Hausbewohner oder der Kunden eines Friseursalons im Erdgeschoss des Mietshauses. Doch für Richter von Bitter waren diese Befürchtungen „denkbar abstrakt“, die Klägerin habe ihre Bedenken in keiner Weise konkretisiert. Auch habe die Vermieterin nicht belegen können, dass sich andere Hausbewohner oder das Personal des Friseurladens jemals über die Katze beschwert hätten.

Da sich das Tier ausschließlich in der Wohnung und auf dem Balkon des Mieters aufhalte, so das Gericht, sei auch nicht zu befürchten, dass „andere Bewohner durch Exkremente dieser Katze im Treppenhaus, in der Nähe des Hauseingangs oder in den hinter dem Haus gelegenen Gärten gestört werden“. Im Allgemeinen, führte von Bitter aus, sei eine Haltung dieser Tiere zulässig, da „Wohnungskatzen keinen störenden Lärm verursachen, bei artgerechter Haltung sehr reinlich sind“ und erfahrungsgemäß keine Sachbeschädigungen verursachen würden.

Vom Arzt empfohlen

Der Mieter hatte seinerseits argumentiert, das Ansinnen der Vermieterin sei generell unzulässig, hatte aber auch medizinische Gründe für das Halten von Sweety ins Feld geführt. Wegen seines aufreibenden Berufslebens sei er oft gestresst und leide unter Schlafstörungen, so der 50-Jährige; jüngst habe ihm sein Hausarzt bescheinigt, dass eine Katze zu seiner Beruhigung beitrage und einen Teil seiner sozialen Bedürfnisse abdecke. Doch sah der Amtsrichter aufgrund des Fehlens einer schlüssigen Argumentation von Vermieterseite keine Notwendigkeit mehr, die Stichhaltigkeit dieser Begründung zu überprüfen.

Von Bitter berief sich auch auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus 2013. Demnach kann ein Vermieter einem Mieter das Halten von Hund oder Katze nicht generell verbieten; sollte es zu Unstimmigkeiten kommen, muss ein Gericht immer den konkreten Einzelfall prüfen. Dabei können die zu berücksichtigenden Umstände laut dem Amtsrichter so individuell und vielgestaltig sein, dass sich „jede schematische Lösung verbietet“. Sollte also jemand ein Dutzend nicht stubenreiner Katzen in einer Ein-Zimmer-Wohnung halten oder der Kampfhund eines Mieters im Treppenhaus schon mehrfach nach kleinen Kindern geschnappt haben, stehen die Chancen für einen Rauswurf des Haustiers gut – anders als jetzt in Döhren.

Von Michael Zgoll

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