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Aus der Stadt Anwohner wollen weiter im Marahrensweg wohnen
Hannover Aus der Stadt Anwohner wollen weiter im Marahrensweg wohnen
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09:36 10.11.2018
Der Bischof muss bleiben: Anwohner aus dem Marahrensweg zeigen sehr deutlich, was sie von einer möglichen Umbenennung ihrer Straße halten. Quelle: Privat
Wülfel

Im Marahrensweg in Wülfel formiert sich Widerstand gegen eine mögliche Umbenennung der Straße, die links und rechts von der Loccumer Straße abzweigt. Einige Anwohner haben eine Initiative ins Leben gerufen und sammeln Unterschriften. Sie fordern vom Bezirksrat Döhren-Wülfel, den Namen des ehemaligen Landesbischofs August Marahrens (1875 bis 1950) nicht anzutasten. Denkbar seien allerdings Erläuterungen auf Legendenschildern unter dem Straßennamen.

Den Namen von Marahrens aus dem Stadtbild zu tilgen, ist nach Ansicht der Anwohner kein geeigneter Umgang mit der jüngeren deutschen Geschichte. Auch würden manche Historiker anzweifeln, dass dem Geistlichen – der zwischen 1925 und 1947 Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover war – tatsächlich eine „aktive Mitwirkung in einem Unrechtssystem“ zuzuschreiben sei. Dieses Kriterium legt der Beirat „Wissenschaftliche Betrachtung namensgebender Persönlichkeiten in Hannover“ einer möglichen Umbenennung zugrunde.

„Unverständliches Obrigkeitsverständnis“

 Wie die Anwohner in einer Pressemitteilung erklären, sei August Marahrens kein Mitglied der NSDAP gewesen. Er habe sich zudem von den mit dem NS-Staat paktierenden Deutschen Christen abgegrenzt, sei sogar selbst bespitzelt und sanktioniert worden. Allerdings habe sich der Bischof „aus einem heute unverständlichen Obrigkeitsverständnis“ loyal gegenüber der Staatsführung verhalten, so die Wülfeler Initiative. Sein Nachfolger, Bischof Hanns Lilje, habe Marahrens immerhin bescheinigt, als „Christ und Bischof“ gehandelt zu haben.

Nach Auffassung der Anlieger agiert die Stadt nicht verhältnismäßig. Erst gebe der Beirat öffentlichkeitswirksam Straßennamen bekannt, dann würden die Bezirksräte unter politischen Entscheidungsdruck gesetzt. Die Folgen hätten die betroffenen Bürger zu tragen, die nicht in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Auch wenn es sich beim Marahrensweg nur um eine kleine Anliegerstraße handele, werde man eine Umbenennung nicht einfach hinnehmen und – bei einem entsprechenden Beschluss der Politik – einen Gang zum Verwaltungsgericht prüfen.

Von Michael Zgoll

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