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Aus der Stadt Banjo-Spieler aus John Lennons Schülerband zu Gast in Hannover
Hannover Aus der Stadt Banjo-Spieler aus John Lennons Schülerband zu Gast in Hannover
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06:00 19.02.2019
Erzählte in Hannover von seiner Zeit mit John Lennon: Rod Davis Quelle: Jürgen Obst
Hannover

Als Paul McCartney in die Band kam, verließ Rod Davis die Gruppe, aus der später die Beatles wurden. „Ich hatte so viele Hausaufgaben und außerdem wollten sie, als Paul dazu kam, lieber Rock´n Roll spielen. Mit dem Banjo ist das schwierig.“ Wenn Davis 62 Jahre später im Clubhaus des Tennisvereins SC Rot-Gold in Groß Buchholz an das Ende seiner Schülerband denkt, beißt er sich nicht in die Faust. „Wir waren einfach Kids, die Spaß hatten“, sagt der rüstige 77-Jährige ohne jeden Gram über seine Zeit in der Band, die John Lennon, er und drei weitere Schulfreunde erst ein Jahr zuvor gegründet hatten.

Stammtisch statt Ruhm

Der Beatles-Stammtisch Hannover hat das Gründungsmitglied der Quarrymen nach Hannover eingeladen. Die Frühgeschichte der berühmtesten Band der westlichen Welt – wer könnte die besser erzählen als einer, der dabei war. Mit einer Gitarre, einem Waschbrett und dem Laserpointer gelingt es Davis ohne jede Melancholie, eine Episode der Musikgeschichte lebendig werden zu lassen, die auch unter Beatles-Fans eher unbekannt ist.

Die Quarrymen

Es war der Sommer 1957, und er und sein Bandkumpel John Lennon hatten gerade die fünfte Klasse der Quarry Bank High School hinter sich gebracht. Gemeinsam mit drei anderen Schulfreunden nannten sie sich die Quarrymen. Ihre Musik, eine wilde Mischung aus New Orleans Jazz, schwarzem Blues, und Folk, genannt „Skiffle“. Davis schildert, wie diese Musik John, ihn und die anderen als Teenager begeistert hat. „Skiffle war anders als das, was es gab“, sagt er.

Bei dem berühmten Auftritt der Quarrymen hinter der St. Peter's Kirche verdecjt John Lennon (Mitte) den Banjo-Spieler Rod Davis (hinter ihm links) Quelle: AFP

Der König des Skiffle

Mit 13 oder 14 fuhr hörte er den Song, der ihn dazu brachte, ein Banjo zu besorgen. Aus einem Plattenladen schallte laut der Song „Rock Island Line“ von Lonnie Donegan, dem „König des Skiffle“. „Dieser Song hat mein Leben verändert“, sagt Davis. Noch heute besitzt er eine Single, die er Lennon damals abgekauft hat. „Sie ist so abgespielt und das Loch in der Mitte etwas zu groß, weil wir sie so viel gehört haben“, sagt er. Auf Gemeindefesten, bei Schulfeiern und beim Fest der örtlichen Rosenkönigin coverten die Quarrymen das Lied und andere Skiffle-Hits der Zeit. Im Badezimmer von Johns Mutter Julia durften sie so laut sein, wie sie wollten. “Das geflieste Zimmer hatte die beste Akustik“, sagt Davis. Rückblickend sieht er in der Skiffle-Begeisterung der englischen Jugend einen wichtigen Wegbereiter des Rock´n´Roll. „Traditionell bedeutete ein Instrument zu spielen, Notenblätter zu lesen und üben. Plötzlich brauchtest du nur drei Akkorde“, sagt Davis. Skiffle sei damit in gewisser Weise etwas gewesen wie der Punk der Fünfzigerjahre. Das er sich damals ein Banjo statt einer Gitarre kaufte, lag daran, dass sein Held Lonnie Donegan auch manchmal Banjo spielte.

Der Tag als John Paul traf

Am 6. Juli 1957 änderte sich alles. Mit einem roten Laserpointer zeigt Davis auf das wohl berühmteste Foto seiner Schülerband. Es zeigt ihn bei dem berühmten Auftritt der Quarrymen auf dem Fest der örtlichen Rosenkönigin. Der Tag an dem John das erste Mal auf Paul traf. „Ich hab Paul den Tag selber gar nicht gesehen, er war wohl mit dem Fahrrad gekommen und uns zugesehen“, sagt Davis. Als er ein paar Tage darauf zur Probe kam, hatten die anderen Paul eingeladen in der Band mitzumachen. John hatte schon damals immer mehr die aufkommenden Rock´n Roll Nummern spielen wollen. Chuck Berry, Buddie Hollie und Elvis gefielen auch Paul. „Rock´n Roll war viel sexier als Skiffle“, sagt Davis. Weil sein Banjo irgendwie überflüssig wurde, hörte er auf mitzuspielen. Er wurde Jazzer, spielte in Bluegrass Bands und war auch mal Deutschlehrer in Regensburg. In den Neunzigerjahren fanden die überlebenden Quarrymen wieder zusammen. Reue oder Wehmut spielen dabei keine Rolle. Wenn Davis im Tennisheim alte Skiffle-Hits spielt, ist er immer noch ein (alter) Junge, der Spaß hat.

Der junge John Lennon bei einem frühen Auftritt im Liverpooler Cavern Club. Quelle: imago stock&people

Interview mit Rod Davis – „John war ein lausiger Gitarrist“

Als Quarrymen wart ihr Teenager. Gab es schon Anzeichen, dass John besonders talentiert war?

Für uns war er ein guter Sänger. Aber John war lausig an der Gitarre. Das waren wir alle. Ich glaube außergewöhnlich wurden die Beatles erst in Hamburg.

Hast du damals verfolgt, was aus den anderen wurde?

Anfang der Sechzigerjahre war ich Lehrer an einer Sprachschule in Bayern, da kannte man die Beatles noch nicht. Meine Eltern haben mir aber am Telefon manchmal erzählt, was es Neues gab. Aber als ich meinen Schülern davon erzählt hab, wussten die nicht, wovon ich erzähle.

Später hat sich das sicher geändert. Jeder kennt die Beatles.

Früher war das so, heute nicht mehr. Warum sollten junge Leute heute auch Musik hören, die 60 Jahre alt ist. Wir haben ja auch damals nichts von 1905 gehört.

Die überlebenden Quarrymen spiele heute auf der ganzen Welt. An Publikum mangelt es euch nicht.

Es gibt einen Markt und dem holen wir hin und wieder ein paar alte Männer von der Straße. (lacht)

Von Mario Moers

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