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Aus der Stadt Musiklehrer tagen in Hannover
Hannover Aus der Stadt Musiklehrer tagen in Hannover
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00:15 02.10.2018
Sophia Rodeland (links) lässt sich von Ausstellerin Claudia Rahtge eine Kontrabass-Querflöte zeigen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Sowas erlebt Grant Hendrik Tonne auch nicht alle Tage: Gerade hat der niedersächsische Kultusminister angesetzt, über die Bedeutung von Musikunterricht in seinem Bundesland und im Allgemeinen zu sprechen, da wird er, mehr sanft als jäh, unterbrochen. Durch die Tür des Leibnizsaals im Congress Centrum kommen kleine Menschen mit großen Tönen. Kinder mit Percussion- und Blasinstrumenten, Harfen oder Kalimbas drehen musizierend eine Runde durch den Raum und sind dann auch wieder weg.

Es ist ein prima Startsignal zur Eröffnung des Bundeskongresses für Musikunterricht, der noch bis Sonntag in Hannover gastiert. Die kleine Überraschungsdemo verdeutlicht ohne große Worte, worum es eigentlich geht: Um Kinder und Musik, um „den Musikunterricht von morgen, wie wir ihn gestalten können und gestalten müssen“, wie Tonne sagt.

Leichter gesagt als getan. Es fehlen Lehrkräfte, darin sind sich nicht nur Politiker, sondern auch die rund 1500 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet weitgehend einig, ein Problem, das „wir nicht heute und auch nicht morgen lösen“, sagt Tonne.

Immerhin wird daran gearbeitet, nicht nur in einigen der rund 400 Workshops, Vorträge, Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen, an denen sich die Musiklehrer beim Kongress beteiligen können. Auch der Bundesverband Musikunterricht hat das größte Problem ins Visier genommen: Es ist der Musikunterricht ausgerechnet an Grundschulen. „Am Gymnasium ist es vielfach noch akzeptabel“, sagt Verbandspräsident Michael Pabst-Krueger, „an Gesamtschulen wird es schon schwieriger. An Grundschulen gibt es sehr große Probleme.“ Zu wenig Musiklehrer für diese Schulform grundsätzlich seien ein Grund, ein anderer sei das Klassenlehrerprinzip, das auch ausgebildete Musiklehrer im Schulalltag an andere Fächer binde. „Die Fachlehrer unterrichten dann nur sechs Stunden Musik und haben ansonsten ihre eigene Klasse.“ Man arbeite gerade an Qualifizierungsprogrammen für Lehrer anderer Fächer, die musikaffin seien, aber keine musikpädagogische Ausbildung hätten.

Grundsätzlich befindet sich der Musikunterricht im Umbruch. Schulkinder können in der Schule in Popformationen, Big-Bands und Jazzchören mitmachen. Angehende Lehrkräfte können Popgesang oder E-Gitarre studieren, ohne die Ausbildung in der Breite zu vernachlässigen. Eine Grenze scheint dabei überwunden, wie Pabst-Krueger, der selbst Musiklehrer ausbildet, beobachtet hat: „Grenzen zwischen E- und U-Musik spielen bei den Studenten nur noch eine geringe Rolle“.

Auch treten Themen wie Inklusion oder die Arbeit mit geflüchteten Menschen seit 2015 mehr und mehr in den Vordergrund der Musikpädagogik. Oder technische Entwicklungen, die man nicht verschlafen will und darf wie die Einbeziehung mobiler Endgeräte in den Unterricht. Damit am Ende nicht die Schüler den Lehrern etwas beibringen müssen.

Beim Kongress, dem vierten seiner Art, der noch bis Sonntag dauert und sich auf das Congress Centrum, die Musikhochschule, aber auch hannoversche Schulen verteilt, haben die Organisatoren eine Neuerung eingeführt: Die Pausen zwischen den Veranstaltungen sind auf mindestens eine Stunde verlängert worden. Um die Zeit für Gespräche und Fachsimpeleien zwischen Musiklehrern zu gewährleisten. Offensichtlich ist das dringend notwendig. „Der Musiklehrer“, sagt Pabst-Krueger, „ist an seiner Schule häufig allein und hat nicht den großen Austausch, wie es in anderen Fächern möglich ist.“

Von Uwe Janssen

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