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Aus der Stadt Insidertipps für geflüchtete Musiker
Hannover Aus der Stadt Insidertipps für geflüchtete Musiker
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18:00 30.09.2018
Der erste Schritt in ein neues Musikerleben: Erfahrene Kulturschaffende geben Tipps, wie man in Deutschland Fuß fassen kann. Quelle: Foto: Franson
Calenberger Neustadt/Linden

„Namaste“, „Bonjour“, „Hallo Leute“ – die Begrüßungen der rund 30 Gäste im Jugendzentrum Glocksee sind so vielfältig wie ihr Migrationshintergrund. Trotzdem führt sie am Freitagabend ein gemeinsames Anliegen in die Glockseestraße: Als Musiker sind die meisten von ihnen neu nach Hannover gekommen. Bei der Musicians Welcome Talkrunde im Rahmen des Refugees Welcome Festivals können sie fünf erfahrene Künstler aus Hannovers Musikszene nach Tipps für den Einstieg fragen.

„Zuerst muss man die Leute erreichen“, rät Adepeaud Boni, genannt Koro Boni, den Neulingen als ersten Schritt. Der junge Reggae-Musiker von der Elfenbeinküste will die Zugezogenen und Geflüchteten ermuntern, alle wichtigen Events in der Musikszene zu besuchen. „Geht raus, lernt die Stadt kennen!“, ist sein Appell. Er selbst kam 2013 nach Deutschland und hat schon bei vielen Musikprojekten in Hannover mitgewirkt. Dass er viel unter Menschen geht, hört man auch an seinem sicheren Deutsch. Ob er hier von der Musik leben könne, fragt Mohjay aus Nairobi den 27-Jährigen. „Naja, ich brauche auch etwas im Kühlschrank“, scherzt Koro. Daher mache er gerade eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann beim Kulturzentrum Faust und verdiene so etwas Geld.

Da kann Carsten Beetmann einlenken: Der studierte Kulturpädagoge kann seinen Lebensunterhalt sehr wohl mit Musik bestreiten. „Ohne meine Arbeit an der Musikschule wäre das aber auch nicht möglich.“ Neben Konzerten gibt er an drei Tagen in der Woche Gitarrenunterricht am Music College Hannover. Das lässt die Neugierde der Gäste aufflammen. „War es hier früher einfacher, nur durch Musik sein Geld zu verdienen?“, will Gitarrist Viktor Sirjanow wissen. „Es ist definitiv schwieriger geworden“, beantwortet Carsten seine Frage. Grund sei vor allem die Schnelllebigkeit der Musik. „Generell ist Hannover aber ein guter Ort, um mit Musik etwas zu verdienen. Die Leute hier sind sehr offen gegenüber verschiedenen Musikrichtungen.“

Ermutigende Worte richtet auch Maher Farkouh an die Hannover-Neulinge. Sie sollen ihrer Stilrichtung treu bleiben. So schaffte der studierte Fagottist aus Syrien seinen Weg bis ins syrische Nationalorchester. Erst seit 2017 ist er in Hannover und bereits Projektleiter im Wel­come Board, das Musiker mit dem Musikmarkt in Niedersachsen vernetzt. Den Netzwerkgedanken greifen Alice Moser, Koordinatorin von UNESCO City of Music, und Felix Wallrabenstein, Künstlervermittler bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung, auf – einen Namen in Hannovers Musikszene könne sich eben nur machen, wer die richtigen Kontakte knüpft.

Die passende Atmosphäre dafür liefert schließlich der ausgelassene Part des Abends: Das Refugees Welcome Festival lädt zum Konzert ins Café Glocksee. Internationale Künstler aus der Stadt geben hier ihre Songs zum Besten. Dabei sind zum Beispiel die Newcomer Atlas Lion, Jasmin und Lovelock aus dem Künstlerkollektiv Linden Legends. Fast alle Gäste der Talkrunde feiern, plaudern und tanzen zur Livemusik – sie alle hoffen, dass Hannover bald auch ihnen eine Bühne bietet.

Von Jacqueline Hadasch

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