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Aus der Stadt Am Sonnabend werden die Kioske zur Bühne
Hannover Aus der Stadt Am Sonnabend werden die Kioske zur Bühne
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09:16 26.07.2018
Das Kulturhaupstadtbüro feierte gestern mit zahlreichen Helfern der Initiative „Unter einem Dach“ im Hafven Richtfest für den ersten mobilen „Kulturkiosk“. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Sie bohren, schrauben und hämmern bei sommerlichen Temperaturen. Etliche Helfer und Mitglieder des Kulturhauptstadtbüros zimmerten am Dienstag im Hafven in der Nordstadt den ersten mobilen Kulturhauptstadtkiosk zusammen und feierten gemeinsam Richtfest. Der Kiosk soll eine Beteiligungsmöglichkeit für die Bürger sein, um Ideen für Hannovers Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt einzubringen. Den ersten öffentlichen Auftritt hat der Kiosk am ersten Kiosktag, den die HAZ-Redaktion und die Stadt (siehe Programm) am Sonnabend gemeinsam veranstalten. Der Kiosk der Kulturhauptstadt kann auf dem Klagesmarkt dann von 13 bis 18 Uhr besucht werden.

Der Kulturhauptstadtkiosk ist eine von vielen Anlaufpunkten beim ersten Kiosktag. Viele Kioske und Kulturzentren laden von 12 Uhr bis in den Abend hinein zu Lesungen, Konzerte, Erzählcafés und Bierverkostungen ein. Meist ist der Eintritt frei. Das gilt auch für zwei zentrale Ausstellungen auf dem Küchengartenplatz und dem Platz an der Lutherkirche. Dort geht es thematisch um die hannoversche Kioskdichte und den Kiosk als sozialer Treffpunkt. Die Idee zum Kiosktag entstand bei einem HAZ-Forum zum Thema „Kiosksterben“. Die hannoversche Kioskkultur soll mit dem Kiosktag gefeiert und unterstützt werden. Viele Kioske sind entsprechend geschmückt und freuen sich auf einen Besuch.

Der Kiosk der Kulturhauptstadt greift das Thema der Bewerbung „Nachbarschaft“ auf. „Kioske haben einen Kultstatus in Hannover“, betonte Melanie Botzki, Leiterin des Kulturhauptstadtbüro. Sinnbildlich für das Thema soll der Kiosk als Treffpunkt für den Austausch dienen. Bürger können ihre kulturellen Ideen und Visionen auf Zetteln vermerken und sie anschließend an den Kiosk hängen. Als Inspiration werden Fragen gestellt, an denen sich orientiert werden kann: Was verstehen die Leute unter Kultur? Was kann Europa von Hannover lernen?

Der mobile, hölzerne Pop-Up-Kiosk ist insgesamt sehr offen und transparent gehalten und bietet Raum für Diskussionen und Austausch. „Nachbarschaft hat viele Dimensionen. Es war uns wichtig, den Treffpunkt so offen wie möglich zu gestalten“, sagte Botzki. Auch Iyabo Kaczmarek und Alexandra Faruga, die das Projekt als Leiterinnen ihrer Initiative für Menschen mit Zuwanderungs- und Fluchtgeschichte – „Unter einem Dach“ – unterstützen, freuen sich auf den Kiosktag. „Wir wollen die Leute einladen, neu über die Stadt nachzudenken.“, sagt Kaczmarek. Projektleiterin des Kiosks ist die Künstlerin Anke Pauli. Sie lädt am Sonnabend zu zahlreichen Diskussionen vor Ort ein. Nach dem ersten Auftritt beim Kiosktag soll der Kulturhauptstadtkiosk ab Ende August durch weitere 13 Stadtbezirke touren – dort, wo sich das soziale Miteinander abspielt. Die Anwohner sollen die Möglichkeit haben, sich über die Bewerbung zu informieren, oder sich einfach mit ihren Nachbarn treffen.

Das Programm des Kiosktages

Ausstellung Kioskkult(ur), Küchengartenplatz Die Künstlerinnen Anna Morawek von der Muthesius Kunsthochschule Kiel und Laura Kettler von Leibniz Universität Hannover präsentierten eine großflächige Fotoinstallation. Alle Kioske werden symbolisch an einen zentralen Ort zusammengebracht und verdeutlichen die hannoversche Kioskdichte und Kioskvielfalt. Eröffnet wird die Ausstellung um 12 Uhr.

Lesung und Konzert in der Pro Bier Bude, Limmerstraße 105 Die Künstler Jan Fischer und Martin Spieß laden zur Lesung und Konzert ein. Die Künstler präsentieren um 20 Uhr witzige und mitunter andächtige Geschichten. Fischer liest aus der halbautobiographischen Erzählung „Audrey und Ariane. Eine Disneyland-Vampirgeschichte“, Spieß trägt aus seinemKurzgeschichtenband „Ich dreh mich lieber noch mal um und bin weit, weit weg“ und aus seinem Wendland-Roman „Und bis es soweit ist, gibt es Eiscreme“ vor. Dazu präsentiert Spieß das Indierock-Soloprojekt Vorband. Künstler Fischer schreibt zum ungewöhnlichen Kioskkulturabend: „Kioske sind magische Orte, in denen es alles gibt und die uns mehr als einmal durch die Nacht geholfen haben.“

Kultur-Kiosk-Bühne beim „Slam City“-Festival, Zur Bettfedernfabrik 3 Die Reihe „Kulturkiosk“ verband im Kulturzentrum Faust mehr als zehn Jahre lange eine Mischung aus Live-Musik, Lesung und Ausstellung. Zum Kiosktag wird die Reihe wieder aufgenommen und feiert beim neuen Festival „Slam City“ Premiere. Auf der Bühne laufen am Sonnabend die Vorrunden der ersten Hannoverschen Stadtmeisterschaft (16.30 und 17.45 Uhr). Anschließend spielen der Indie-Folk-Künstler Tom Klose aus Hamburg (19 Uhr) und die Elektro-Punk-Band Prada Meinhoff aus Berlin (20 Uhr). Slam-Autor Sven Kamin aus Wedel (21 Uhr) übernimmt das Finale. Tageskarten kosten 23 Euro im Vorverkauf.

Konzert der Band Liedfett, Kiosk, Pfarrlandplatz 1 Die Privatbrauerei Herrenhausen feiert in diesem Jahr 150-jähriges Bestehen und präsentiert dazu eine Reihe von Kiosk-Konzerten. Den Auftakt übernimmt am Sonnabend um 20 Uhr die Band Liedfett. Die Akustik-Punkband aus Hamburg stieg mit ihrem vierten Album „Phoenix aus der Flasche“ auf Anhieb auf Platz 24 der Charts ein. Sie sorgt für eine Mischung aus Punk, Akustik-Pop und Sprechgesang.

Apollo-Kino, Limmer Straße 50 Das Apollo-Kino zeigt zum Kiosktag den Film „An den Gleisen“ von Dieter Schumann von 2017. Um 18 Uhr geht es um Boizenburg, eine kleine Elbestadt in Mecklenburg-Vorpommern. Mitten auf dem Bahnhofsvorplatz steht ein in die Jahre gekommener Kiosk, der von 5 Uhr bis 22 Uhr geöffnet hat. Er dient aber auch als Stammkneipe für Schichtarbeiter aus den Schlachthöfen, Arbeitslose, Taxifahrer und Rentner. Ende 2015 kommen am Bahnhof Tausende Flüchtlinge an, die ins nahe gelegene Erstaufnahmelager wollen. Die Stammgäste, die normalerweise hier Bier trinken und Fußball schauen, fangen an, über Politik zu diskutieren und ihre eigene Situation zu reflektieren. Es geht um Frustrationen und Hoffnungen.

Bierverkostung bei Onkel Ollis Kiosk, An der Lutherkirche 10 Der Kiosk von Onkel Olli feierte am vergangenen Wochenende Geburtstag mit einem zweitägigen Straßenfest. Zum Kiosktag lädt das Team zu einer Bierverkostung aus 99 Sorten. Um 13 Uhr geht’s bei Selbstbedienung los.

Ausstellung Kioskkult(ur), An der Lutherkirche In der Nordstadt laden die Künstlerinnen Anna Morawek und Laura Kettler zu einer Raum-Ausstellung. Der Kiosk wird dabei als zweites Wohnzimmer beschrieben und inszeniert. Hier erzählen Kioskbetreiber aus Hannover in Video-Installationen Geschichten aus ihrem Alltag. Die Ausstellung beginnt um 12 Uhr und kann auch am Sonntag bis 12 Uhr besucht werden.

Erzählcafé mit Liane Korbach bei köschk am Herrenhäuser Markt 9 Liane Korbach hat mehr als 40 Jahre im Kiosk direkt am Herrenhäuser Markt gearbeitet und viele Geschichten über Kunden und Kioskkultur gesammelt. Sie hat sogar ihren Mann Christian am Kiosk selbst kennengelernt. Zum Kiosktag lädt sie um 12.30 Uhr zu einem Erzählcafé ein und wird ein wenig mit den Zuhörern in Erinnerung schwelgen.

Kinderfest am Kiosk Waldsonne in der Eilenriede, Hohenzollernstr. 18a Der Kiosk Waldsonne wird zum Kiosktag das Ausflugsziel für Kinder. Denn ab 15 Uhr bieten Sven Ochotta und sein Team Kinderschminkaktionen an. Dazu kommen Seifenblasenartisten und Ballkonkünstler. Das Kinderfest samt Grillstation läuft bis 18.30 Uhr und ist kostenlos.

Konzerte am Kiosk Flacon, Oeltzenstraße 17 Das Musikzentrum unterstützt den Kiosktag und lädt mit dem Kiosk Flacon-Team zu gleich zwei Konzerten. Dabei sind The Noisy Blacks. Das Quartett verbindet Blues-Elemente mit Acid-Rock der frühen Siebzigerjahre. Am Kiosktag tritt auch die Band Colibri auf. Sänger Claudio kann auf eine lange Straßenmusiker-Karriere in Mexico-City zurückblicken und erzählt in seinen Songs vom mexikanischen Lebensgefühl, seiner eigenen Vergangenheit und seinen Träumen. Das Trio bietet eine Mischung aus Reggae, Ska, Folk und Cumbia. Die Konzerte beginnen gegen 20 Uhr.

Sommergedichte am Piraten-Garten, Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 81 Der Piraten-Garten ist eine Mischung aus Kiosk und Mini-Biergarten am Südufer des Maschsees. Betreiber Matthias Wessolowski bietet an seinem „See-Kiosk“ am Sonnabend von 12 Uhr bis in den Abend hinein Poesie. „Beim Betätigen der Portier-Glocke wird ein kurzes Sommer-Gedicht zu Gehör gebracht. Wer selbst ein Gedicht aufsagen kann, wird mit einem Gratis-Crêpes belohnt“, schreibt Wessolowski, der mit seinen Gedichten und Songs regelmäßig bei Stadtfesten auftritt.

Kiosk der Vielfalt, Große Barlinge 62 Die Künstler Barbara und Bernd nutzen seit Jahren einen ehemaligen Kiosk für die Planung künstlerischer Interventionen. Nun möchten sie zum ersten „Kiosk der Vielfalt“ einladen und berichten jeweils um 15 Uhr, 16 Uhr und 17 Uhr von der weltweite Kioskkultur von Persien über Paris bis zu den hannoverschen Kiosken. Es geht um die Entstehungsgeschichte und soziale Bedeutung von Kiosken. Die Vorträge sind natürlich kostenlos. Aus dem Projekt soll eine ganze Reihe von Begegnungen entstehen.

Kiosk der Kulturhauptstadt, Klagesmarkt Von 13 bis 18 Uhr feiert der Kiosk der Kulturhauptstadt Premiere. Direkt auf dem Klagesmarkt können Interessierte über Ideen und Wünsche zur Kulturhauptstadt und über den Kulturbegriff selbst diskutieren. Der mobile Kiosk wird nach dem Kiosktag als Treffpunkt in 13 Stadtbezirken ausgestellt und lädt die Bürger zur Beteiligung am Bewerbungsprozess ein.

Kurzfilme und Live-Filmmusik im Lodderbast, Berliner Allee 56 Das Lodderbast versteht sich als Kulturkiosk und lädt zum Kiosktag von 13.30 bis 17 Uhr zum Open House ein. Dazu gibt es um 14 Uhr, 15 Uhr, und 16 Uhr Kurzfilme bei freiem Eintritt. Um 20 Uhr läuft dann Godards „Alphaville“ von 1967. Der Musiker Malte Hollmann begleitet den Science-Fiction Film von Jean-Luc Godard mit elektronischen Klängen.

Kunst und Kuchen im Kiosk, Sonnenweg 1 Der Kulturtreff Plantage eröffnet für einen Tag eine Galerie mit Café im Atelier auf Zeit im 5-Sterne-Kiosk in Ahlem. Der Verein hat Künstler aus dem Stadtbezirk eingeladen, ihre Werke von 14 bis 18 Uhr zur Schau zu stellen und zum Verkauf anzubieten. Zu sehen sind zum Beispiel Buchobjekte von Elke Kraul, Skulpturen von Jens Nagler, Objekte von Regine Schulz und Bilder von Werner Serafin. Zudem gibt es erste künstlerische Ergebnisse aus diversen Stadtbezirksprojekten. Und es gibt reichlich Kuchen für Besucher.

Der Kiosktag wird von vielen kleinen Initiativen und Künstlern unterstützt. So verteilt das Team der „ProAm“-Radtage und der Initiative „Lust auf Fahrrad“ bunte Tüten an kostenlose Kioskkulturkunden und möchte so die Menschen bewegen, die Kioske mit Rädern zu besuchen. Einer davon ist der Hörspielmessen-Veranstalter und Künstler Achim, der den Kiosktag mit einer Lastenradbühne begleiten möchte, auf der lokale Künstler Texte vortragen. Begleitet wird der Kiosktag auch durch den Satiriker und Buchautor Joe Faß und den Radiomoderator Dirk Heinrich. Faß hat gerade sein Buch „Zartbitter: Satire-Splitter 2“ veröffentlicht und wird den Sonnabend immer wieder mit Live-Interviews auf Radio Leinehertz und eigenen Satiren live begleiten. Und es wird auch künstlerische Interventionen im Umland geben. Beim „snntg“-Festival in Sehnde wird auch Programm an einer Kiosk-Installation geboten.

Von Lisa Schucht und Jan Sedelies

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