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Aus der Stadt Das ist das neue Tauchfahrzeug der DLRG Hannover
Hannover Aus der Stadt Das ist das neue Tauchfahrzeug der DLRG Hannover
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00:21 26.07.2018
290 PS mit Kran und Abrollcontainer, gespickt mit technischen Raffinessen: Das neue Tauchfahrzeug der DLRG Hannover-Stadt. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Mit 290 PS, zuschaltbarem Allradantrieb und Geländeuntersetzung fahren Hannovers ehrenamtliche Unterwasserretter künftig zu Einsatzstellen, wenn es heißt: „Person im Wasser vermisst.“ Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) hat ein neues Tauchfahrzeug – gespickt mut zahlreichen Raffinessen. „Sobald wir damit am Einsatzort sind, können die Taucher in fünf Minuten unter Wasser sein“, sagt Jan Heise, als er das Fahrzeug demonstriert.

Hannovers Taucher: Jeder Handgriff muss sitzen

Wochenlang haben die Tauchretter der DLRG geübt, denn im Notfall muss jeder Handgriff sitzen. Ein Zug am Metallbügel: Der Drehstromgenerator rollt auf Schienen aus dem Mobilcontainer und ist einsatzbereit. Ein Zug am Nachbargriff: Die Presslufteinheit ist startklar. Im Inneren des Mobilcontainers können die DLRG-Taucher sich in Windeseile umziehen: Die Neopren-Anzüge hängen, dank eines Raumentfeuchters stets trocken, an der Stange, und die Tauchausrüstung inklusive Atemmasken und Flaschen ist hinter einem Stuhl positioniert: hinsetzen, reinschlüpfen, ab ins Wasser.

Mit vorbereiteten Tauchjacketts und Pressluftanlage, Starkstromgenerator und Schleifkorbtrage: Das neue Tauchrettungsfahrzeug des DLRG-Bezirks Hannover-Stadt verfügt üb er viele technische Raffinessen. Ein Überblick.

 

496 706 Euro hat das neue Fahrzeug gekostet: Ein MAN-Lkw mit Kran und Abrollvorrichtung für die Tauchstation. Der Kran kann gut eine Tonne Gewicht heben und bringt das Motorboot der DLRG ins Wasser. Daneben lässt sich eine Teleskopstange ausfahren mit einem starken Strahler, um bei Nacht die Unglücksstelle auszuleuchten. Die Motorkettensäge gegen umgestürzte Bäume auf dem Fahrweg ist genauso an Bord wie eine 6,8-Tonnen-Winde unter dem Führerhaus, mit der Lasten bewegt und im Zweifel auch ein festgefahrenes Fahrzeug befreit werden können.

Das Geld stammt aus dem Katastrophenschutzetat des Landes. „Für uns ist es das erste Fahrzeug, das wir finanziert bekommen“, sagt DLRG-Bezirkschef Torsten Heuer. Das Vorgängerfahrzeug der Tauchgruppe, ein Mercedes 711er, war ein ausrangiertes Modell der Bundespolizei von 1991, das sich die DLRG-Ehrenamtlichen selbst umgebaut hatten: „Es bestand zum Schluss nur noch aus Rost und Beulen“, sagt Heuer.

2018 schon sieben Einsätze

In normalen Jahren fährt Hannovers DLRG fünf bis zehn Taucheinsätze, 2018 waren es bis zur Jahresmitte schon sieben. Zwölf Personen stark ist die ehrenamtliche Tauchgruppe des Vereins, neun von ihnen haben die volle Zulassung als Einsatztaucher, dürfen also bei Strömung, bei Nacht und auch unter Eis tauchen. Am 4. Juni war ein Mann am Landtag in die Leine gesprungen, am 31. Mai musste ein Mann aus dem Stichkanal Limmer geborgen werden – für ihn kam allerdings jede Hilfe zu spät, trotz Reanimationsversuchen starb er. Immer wieder müssen verunglückte Kanufahrer aus der Leine gerettet werden. Bis zu 20 Meter tief können die Taucher der DLRG hinabsinken – „diese Tiefe aber brauchen wir in der Praxis aber eigentlich selten“, sagt Heise.

65 aktive bei Hannovers DLRG im Einsatz

Unter Rettern gibt es einen Spruch: „Wir wissen nicht, was der Tag bringt, aber wir sind darauf vorbereitet.“ DLRG-Bezirkschef Heuer drückt es so aus: „Du weißt nie, was wann wo passiert – aber der Tacho muss sofort von Null auf 100 sein.“ Genauso wie ehrenamtliche Feuerwehrleute müssen die DLRG-Freiwilligen im Alltag sofort einsatzbereit sein, egal ob sie gerade im Job sind, bei Freunden zum Grillen oder in der Tiefschlafphase. Etwa 65 aktive Mitglieder gibt es im Bezirk Hannover-Stadt, alle haben die Sanitätsausbildung, sind Teil des Katastrophenschutzzugs Hochwasser für Niedersachsen-Süd und haben feste Aufgaben bei einer Großgefahrenlage – abgesehen von den Badeaufsichten, die sie am Maschsee-Strandbad und am Altwarmbüchener See leisten.

„Leben retten ist ein gutes Gefühl“

Wenn die Taucher zu Notfalleinsätzen gerufen werden, sind meist schon die Einsatztaucher der Berufsfeuerwehr da und manchmal auch die Taucher der Freiwilligen Feuerwehr Ricklingen. „Es herrscht aber nie Konkurrenz“, sagt Heuer: „Es geht immer um die Sache und das Ergebnis.“ Denn: „Wenn man ein Leben gerettet hat, das ist ein solch gutes Gefühl – das lässt einen nie wieder los.“

So wird man DLRG-Mitglied

1200 Mitglieder hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Hannover-Stadt in drei lokalen Ortsvereinen. Die Mitgliedschaft kostet zwischen 30 Euro (Kinder) und 80 Euro (Familien) im Jahr. Wer will, kann sich in Kursen etwa zum Rettungsschwimmer oder Schnorcheltaucher ausbilden lassen oder andere Schwimmabzeichen absolvieren, die Kurse kosten zwischen 35 und 70 Euro, passive Mitglieder zahlen die Hälfte, aktive Mitglieder gar nichts. Weiterführende Tauchausbildungen bietet die DLRG ausschließlich für aktive Mitglieder an, die sich anschließend bei der Wasserrettung engagieren – wer sich dagegen fürs Sporttauchen interessiert, wird an die Tauchschulen und -vereine verwiesen.

Der Wasserrettungszug ist Schwerpunkt der Arbeit der DLRG in Hannover. Zu ihm gehören acht Fahrzeuge, ein Zugtrupp, ein Bootstrupp und zwei Wasserrettungsgruppen, darunter die Einsatztaucher.

Einsatzführer der DLRG für die Tauchtrupps ist in Hannover Martin Wantosch. Er stellt mit seinen Teams sicher, dass die Ausrüstung stets einsatzbereit ist und immer genügend Personal zur Verfügung steht, um bei Rettungseinsätzen, Hochwasser oder Gefahrenlagen schnell am Wasser zu sein.

Von Conrad von Meding

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