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Aus der Stadt Denkmalstiftung: Zentrale schmeißt Hannover raus
Hannover Aus der Stadt Denkmalstiftung: Zentrale schmeißt Hannover raus
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18:30 16.08.2018
„Der rigide Ton aus der Zentrale in Bonn ist unerträglich“: Sid Auffarth ist nicht mehr Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschiutz. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Es ist ein Vorgang mit bislang unklarer Tragweite: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz aus Bonn hat das hannoversche Ortskuratorium abgesetzt. Anlass ist ein läppischer Konflikt um ein Formular zur Datenschutzgrundverordnung. Doch dahinter steckt mehr. Der geschasste Ortskurator Sid Auffarth sagt: „Der Umgangston in der Zentrale ist seit etwa zwei Jahren unerträglich.“ Statt Kunsthistorikern gäben dort inzwischen Manager den Ton an.

Eigentlich kümmert sich die Denkmalstiftung um das Gute und Schöne. Bundesweit hilft sie beim Erhalt von bedrohten Kirchen, Bauernhäusern und Schlössern. Mit ihren 200 000 Förderern begreift sie sich als Bürgerbewegung für den Erhalt von Baukultur und betreibt Lobbyarbeit gegen die Vergänglichkeit. Doch seit der 2011 verstorbene Gründer Gottfried Kiesow von Bord ist, gibt es zunehmend Konflikte. Immer wieder beklagen Ortskuratorien bundesweit, dass die Zentrale ihre Gestaltungsfreiräume beschneide. Alles solle einem einheitlichen Erscheinungsbild und einer straffen Organisation untergeordnet werden, „doch mit der Zentralisierung gehen die Eigenständigkeit und regionalen Profile der Ortsgruppen verloren“, sagt der hannoversche Bauhistoriker Auffarth.

Zudem hätten in der Bonner Zentrale zunehmend Manager statt Denkmalfachleuten das Sagen. „Der Ton ist rigide und brüsk geworden, so kann man mit Ehrenamtlichen nicht umgehen“, sagt Auffarth. Andere Mitglieder aus dem Kuratorium bestätigen das.

Auslöser für das endgültige Zerwürfnis war jetzt offenbar eine Aufforderung der Zentrale, die Mitglieder des Ortskuratoriums müssten ein Formular zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) unterschreiben, was von den Hannoveraner Ortskuratoren abgelehnt wurde. „Wir sind keine Beamten oder Angestellte eines Konzerns“, sagt Auffarth. Der hannoversche Ableger, die Baudenkmalstiftung Raum Hannover, habe die Daten von Mitgliedern und Interessierten stets verantwortungsvoll verwaltet. „Ich unterschreibe dieses Formular nicht“, sagt Auffarth. Daraufhin habe ihm die Zentrale mitgeteilt, dass das Ortskuratorium zum 1. August abgesetzt sei.

Für Auffarth ist damit klar: Zum Tag des offenen Denkmals am 9. September wird er die geplanten Führungen durch das Leineschloss nicht mehr anbieten. Wahrscheinlich gebe es andere Kuratoriumsmitglieder, die die Arbeit weiterführten, sagt Auffarth, etwa seine Stellvertreterin Martina Wolff oder Kurator Steve Chudzinski. Unklar ist auch, wie es mit der hannoverschen Stiftung weitergeht: die Baudenkmalstiftung Hannover wird aktuell treuhänderisch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Sitz in Bonn fortgeführt.

Die Bonner Zentrale bestätigte am Mittwoch in dürren Worten den Vorgang, den man aber nicht kommentiere. Richtig sei, dass es mit etwa fünf Prozent der 81 Ortskuratorien ähnliche Konflikte gebe. Auffarth hat mit allen Kontakt aufgenommen. „Von vielen Seiten hört man, dass sie mit dem neuen Umgangston aus Bonn unzufrieden sind“, sagt er.

Korrektur

In einer Vorversion dieses Beitrags hatte es fälschlicherweise geheißen, die Baudenkmalstiftung Hannover sei wegen der Abberufung des Ortskuratoriums führungslos. Ebenso hatten wir irrtümlich geschrieben, die Mitglieder des Ortskuratoriums Hannover seien von der Deutsche Stiftung Denkmalschutz aufgefordert worden, im Kontext mit der Datenschutzgrundverordnung ein Formular zu unterschreiben, das die Stiftung vor Schadenersatzforderungen freistellt, falls es Abmahnungen wegen Verstößen gegen die neue Datenschutzgrundverordnung gibt. Tatsächlich enthält besagtes Formular keine derartige Freistellungsverpflichtung.

Wir bedauern das Versehen.

Von Conrad von Meding

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