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Aus der Stadt Gefährlicher Staub? Aus Hannovers Grundschulen verschwinden die Kreidetafeln
Hannover Aus der Stadt Gefährlicher Staub? Aus Hannovers Grundschulen verschwinden die Kreidetafeln
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00:20 20.03.2019
Besser schreiben mit Kreide? Die Kreidetafeln sind für einige Grundschullehrer unverzichtbar, anderen meinen, die alte Technik müsse weg. Quelle: Jens Kalaene/dpa
Hannover

Aus Hannovers Grundschulen verschwinden nach und nach die Kreidetafeln. In den Klassenzimmern, in denen die neuen interaktiven Digitaltafeln hängen, werden die alten grünen Kreidevorgänger demontiert. Der Staub soll für die Smartboards schädlich sein, heißt es. Außerdem sollen die Schulen so nach und nach ganz auf die neue Technik umgestellt werden. Unter Pädagogen und Eltern allerdings gibt es konträre Meinungen darüber, welche Auswirkungen die Neuerung auf das Lernen hat.

„Mit Kreide schreibt man besser“

Einige Lehrer und Schulleiter betrachten den Wandel mit Sorge. Gerade Lernanfänger könnten mithilfe der grünen Kreidetafeln viel besser schreiben lernen als mit Faserstiften auf den Smartboards, argumentieren sie. Viele sprechen aus eigener, jahrzehntelanger didaktischer Erfahrung.

„Lehrer haben nur Angst vor der digitalen Technik“

Dem widerspricht Michael Balke, Elternvertreter im Schulausschuss der Stadt, entschieden. „Das ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar und ein vermeintlich vorgeschobenes Argument“, sagt er: „Jeder, der beides ausprobiert hat, erfährt sofort die Vorteile des Boardmarkers: Er liegt besser in der Hand, bricht nicht und bröckelt an der Spitze auch nicht ab. Die Bewegungen sind flüssiger, eher angelehnt an das Schreiben mit einem Füllfederhalter oder Kugelschreiber.“

Allerdings gibt es bei den Eltern durchaus auch andere Meinungen. Ralf Popp, ebenfalls Elternvertreter im Schulausschuss, hält den radikalen Abbau der Kreidetafeln für eine „Überreaktion“. Sie nehme „Lehrkräften und Kindern die Möglichkeit, mit beiden Medien zu arbeiten und von vielfältigen Möglichkeiten und verteilten Vorteilen zu profitieren“.

Um Smartboards hatte es jüngst schon anderen Ärger gegeben. Die Stadt hatte angekündigt, an weiterführenden Schulen in Klassenzimmern mit Smartboards die Waschbecken abzuschrauben, weil niemand mehr einen Schwamm auswaschen müsse. Das hatte den Protest vieler Eltern ausgelöst, schließlich dienen die Wasseranschlüsse auch zum Hände- oder Obstwaschen. Das Thema ist nun zunächst vertagt. In dem jetzt aufflammenden Protest von Grundschullehrern gegen den Wegfall der Kreidetafeln aber glaubt Elternvertreter Balke, eher Angst vor der neuen Technik zu erkennen. Die Kreidetafel fungiere als Rückzugsoption. Wer die habe, müsse sich nicht voll auf das Neue einlassen. Balke sagt: „Rückzug ist einfach, wenn man eine Option hat. Wir klammern uns alle an etwas, das als Fluchtluke oder als Ausstiegsstrategie fungiert.“

Taschenrechner auch in Tablet-Klassen nötig?

An Kreidetafeln festzuhalten sei ähnlich wie das Bestehen auf grafikfähigen Taschenrechnern, obwohl man in einer Tabletklasse unterrichtet. Denn eigentlich sollten die Tablets andere elektronische Geräte wie das digitale Wörterbuch oder den Taschenrechner ersetzen. In einigen Schulen fordern aber Mathelehrer, zusätzlich zum Tablet doch noch einen Taschenrechner anzuschaffen. Elternvertreter Balke sagt: „Es geht um eine unerkannte oder mangelnde Veränderungsbereitschaft. Es geht um Angst, das neue Medium nicht gleich zu beherrschen. Angst davor, einen Wissensvorsprung zu verlieren, weil die Schüler vielleicht schneller und besser mit dem Smartboard umgehen können.“

„Lehrer sollten sich ganz auf digitale Medien einlassen“

Ein Lehrer, der im Klassenraum nur noch eine interaktive Tafel habe, werde sich voll darauf einlassen und auch die Möglichkeiten des neuen Mediums entdecken – dafür müsse es aber auch Schulungen geben. Balke sagt: „Für mich als Elternteil ist es ein gutes Gefühl, wenn ich wahrnehmen kann, dass die Lehrenden unserer Kinder eine hohe Veränderungsbereitschaft besitzen und sich zeitgemäßen Medien entschlossen widmen, um unseren Kindern auf dem Weg in eine digitale Welt als professioneller Lernbegleiter zur Seite zu stehen. Auf diesem Weg sind Kreidetafeln eher ein Relikt der Kreidezeit als ein taugliches Medium für die digitale Zukunft.“

So funktioniert das Smartboard

Die digitale Tafel – auch Smartboard oder Whiteboard genannt – sieht aus wie ein großer Flachbildfernseher. Dort können Bilder vom Computer aus projiziert werden, aber es lässt sich auch mit einem farblosen Stift darauf schreiben. Lehrer können das Gesamtbild speichern und in der nächsten Woche zum Weiterarbeiten aufrufen. Auch zum interaktiven Arbeiten mit mehreren Laptops oder Handys sowie zum Abspielen von Videos sind die Boards gut geeignet.

Von Saskia Döhner

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