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Aus der Stadt Auf kulinarischer Erkundungstour durch Döhren
Hannover Aus der Stadt Auf kulinarischer Erkundungstour durch Döhren
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08:06 11.10.2018
Tourguide Jutta Illhardt (l. vorn) und Kuchenbäckerin So-Hee Kwon tragen einen Teller mit Schoko-Baileys-Stückchen zu Markte - doch wo, wird nicht verraten. Quelle: Michael Zgoll
Döhren

 Auf diesem Spaziergang kann man sich allerlei einverleiben. Crocchette di Patate und köstlichen Käsekuchen. Oder Informationen über die Döhrener Wolle und den Fiedelerplatz. Elf Teilnehmer haben sich dort an einem Sonnabend eingefunden, um mit Jutta Illhardt auf eine kleine Eat-the-World-Rundreise durch Döhren zu gehen. Drei Stunden lang, mit sieben Imbiss-Stopps. Eines der Erfolgsrezepte der kulinarisch-kulturellen Führungen, die das Berliner Unternehmen seit 2008 und in mittlerweile 40 deutschen Städten anbietet: Vorab möglichst wenig verraten. Die Teilnehmer des Rundgangs in süßer Ungewissheit lassen, was ihnen kredenzt wird. Und darum wird an den Stadt-Anzeiger vorab der Wunsch herangetragen, bei der Berichterstattung doch bitte nicht mehr als drei Stationen zu verraten. Und weil Journalisten Geheimnisse gelegentlich auch für sich behalten können – soll es so sein.

Kulinarische Stadtführung durch Döhren bietet auch kulturelle Kost.

Am Startpunkt Fiedelerplatz beginnt Tour-Leiterin Illhardt mit einem kurzen Abriss über ihr Geschäft. Dass Eat-the-World in Hannover auch Rundgänge durch Südstadt, Nordstadt, List und Linden anbietet. Dass der Fokus auf inhabergeführten Lokalen liegt, nicht auf Gastro-Ketten. Und dass im Preis von 33 oder 39 Euro zwar das Essen, aber keine Getränke enthalten sind. „Aber mehr als zehn Minuten Zeit haben wir eh nicht in jeder Lokalität, also bleibt gar nicht viel Zeit, es sich gemütlich zu machen“, stimmt die 64-Jährige die Gruppe mit freundlichem Lachen auf ein strammes Programm ein.

Clubs und Szenelokale, erzählt die gelernte Verlagskauffrau, habe Döhren kaum zu bieten. Dafür seien die Döhrener traditionsbewusst, bezeichneten ihren Stadtteil gerne als großes Dorf. Viel Grün und viel Wasser drumherum böten einen hohen Freizeitwert, das von den Bombardements des Zweiten Weltkriegs relativ wenig betroffene „Neue Viertel“ rund um den Fiedelerplatz sei mit seinen Läden und Märkten das dominierende Quartier. Wer auf dem Platz steht und den Blick schweifen lässt, versteht, was Jutta Illhardt meint.

Viel für Vegetarier

Die italienische Taverne „Il mio sogno“ am Eck von Fiedeler- und Querstraße hat sich in den knapp fünf Jahren ihres Bestehens – vorher gab es hier einen Spanier – zu einer kleinen kulinarischen Institution gemausert. „Giovanni Scala und sein Bruder Tito haben sich in die Herzen der Döhrener gekocht“, formuliert es Jutta Illhardt ganz prosaisch. Bei der kulinarischen Stippvisite von Eat-the-World gibt’s ein Stück vegetarische Pizza, schön saftig und belegt mit Spinat, Artischocken und Pilzen. Immerhin fünf der elf Teilnehmer haben bei der Anmeldung kundgetan, dass sie Vegetarier sind – bei ihnen dürfen sich die Fleischesser nun für diesen lohnenden Abstecher ins eher Pflanzliche bedanken. Als Vorspeise serviert der Sizilianer Giovanni Scala der kleinen Reisegruppe ein paar Gratis-Tipps: „Probiert ganz viel aus beim Kochen, auch wenn’s mal nicht schmeckt.“ Jüngst erst habe er Riesenravioli mit Büffelmozzarella, Tomatensoße, Ananasscheiben und Himbeereis gepaart – und das Ergebnis sei eine wahre „Geschmacksexplosion“ gewesen.

Nach drei weiteren kulinarischen Stopps – psssst! – beginnt ein einstündiger Rundgang zu Döhrener Sehenswürdigkeiten. In dieser Passage gibt es nichts zu essen, aber viel zu hören. Zu den Stationen zählt etwa die St.-Petri-Kirche im historischen Kern des Stadtteils, wo Jutta Illhardt so einiges über in Fassaden eingelassene Grabstätten erzählen kann. Am Turbinenhaus auf der Leineinsel ist ein Haltepunkt, am Leinewehr der nächste, und weiter geht’s zum Döhrener Widder und zum Uhrturm mit der Pförtnerloge.

„Verkloppt an Cloppenburg“

Natürlich ranken sich ganz viele Geschichten dieser Tour um die Döhrener Wolle, diesen großflächigen Firmenkomplex, der für den industriellen Aufstieg und Niedergang eines ganzen Stadtteils steht. Die „Wollebahn“, „Verkloppt an Cloppenburg“, „Neue Heimat“ oder der Kampf der Döhrener für den Erhalt der Arbeiterhäuschen des „Döhrener Jammers“ – das sind einige der Stichworte, die die quirlige Frau an der Spitze der wissbegierigen Truppe mit Leben erfüllt. Auch am Bunker Wiehbergstraße, den Karnevalisten mit Beschlag belegt haben, oder im Dreikaiserhaus in der Landwehrstraße gibt’s frische Info-Häppchen.

Mundgerecht sind die krossen Krebsfleisch-Spießchen, die Jens Klinkert den Eat-the-World-Gästen in der Landwehrstraße 75 anbietet. Anfang des Jahres hat er den Kulturtreff „Ginkgoo“ aufgemacht und hofft, dass seine Kneipe im Döhrener Kulturleben eine feste Größe wird. Dabei helfen sollen Blues-Konzerte, die meist an Freitagabenden über die Bühne gehen. So wird es etwa am 21. September, verrät Klinkert, in dem ehemaligen Schuhmacherladen eine Akustik-Session mit dem Veranstalter Blues Joint Hannover geben. Auch Katzenkrimi- oder Loriot-Lesungen stehen auf dem Programm des „Ginkgoo“. Auf der Speisekarte findet man viel Handfestes wie Currywurst, Bratkartoffeln oder griechischen Bauernsalat, zu „Studentenpreisen“, wie Kneipenchef Klinkert betont.

Ein neuer „Inder“ im Quartier

Noch jüngeren Datums ist der neue „Inder“ im Viertel, das Raj an der Ecke von Helenen- und Ziegelstraße. Erst im April dieses Jahres hat Naresh Dass das Restaurant im historischen Eulenhaus eröffnet, doch Erfahrungen als Koch hat er schon reichlich gesammelt. Zusammen mit seinem Bruder betreibt er das Guru in der List, hat früher auch schon in etlichen italienischen Restaurants in Hannover gekocht. Liebevoll garniert serviert Dass, der selbst in Döhren wohnt, seinen Kurzzeit-Besuchern einen Mango-Rucolasalat mit Cashew- und Granatapfelkernen, dazu passend empfiehlt er Mango-Lassi. Auf der Speisekarte des Raj finden sich klassische indische Gerichte aus dem Lehmofen, mit Lamm, Hähnchen oder vegetarisch – und wer es nicht so gerne scharf mag, kommt hier ebenfalls auf seine Kosten.

Weil die Gastronomen pünktlich aufgetischt haben und Jutta Illhardt die Teilnehmer des kulinarisch-kulturellen Rundgangs immer wieder rechtzeitig auf Trab gebracht hat, endet die Tour pünktlich nach drei Stunden. In der letzten Lokalität bietet Kuchenbäckerin So-Hee Kwon kleine Stückchen von ihrem fluffigen Schoko-Baileys-Kuchen an. Erzählt auch noch von dem Abenteuer, an diesem Tag binnen drei Stunden eine aufwendige Hochzeitstorte gezaubert zu haben, von deren Bestellung sie morgens um halb zehn zum ersten Mal gehört hatte. Ihr Café mit der großen Auswahl selbst gebackener Torten heißt übrigens – ach nein, das dürfen wir nicht mehr verraten, haben doch schon drei Stationen erwähnt. Aber zum Glück kann Eat-the-World die kommenden Monate in Döhren noch mit vielen freien Terminen aufwarten, jeweils Freitagnachmittags (für 33 Euro) oder Sonnabendvormittags (für 39 Euro) – und spätestens nach der Tour weiß jeder Teilnehmer, wo’s langgeht.

Von Michael Zgoll

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