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Aus der Stadt Notaufnahme: Das halten Ärzte und Patienten von Gebühren
Hannover Aus der Stadt Notaufnahme: Das halten Ärzte und Patienten von Gebühren
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00:20 14.07.2018
Hannover - Notaufnahme Krankenhaus Siloah - Foto Tim Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

50 Euro Gebühr für die Notaufnahme? In den Wartesälen der hannoverschen Ambulanzen stößt die Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) eine Art Eintrittsgeld in Notaufnahmen einzuführen auf deutliche Ablehnung. Allerdings zeigen Patienten und Mitarbeiter auch Verständnis für das Ansinnen, die hohe Zahl der Notaufnahme-Besucher zu senken, die eigentlich gar keine Notfälle sind. Denn auch die 15 Notfallambulanzen in der Region ächzen unter dem anhaltenden Trend.

Vier Stunden Wartezeit

„Es ist richtig, dass immer mehr Patienten auch mit leichteren Beschwerden direkt unsere Notaufnahmen aufsuchen“, sagt Matthias Bracht, Geschäftsführer des Klinikum Region Hannover (KRH). Am Mittwochnachmittag ist auch der Wartesaal im KRH-Klinikum Siloah zur Hälfte gefüllt. Bis zu vier Stunden sitzen einige Patienten hier bereits. Martina Rissel-Lürsen musste nicht lange warten. „Meine Mutter hatte einen Herzinfarkt“, sagt die Langenhagenerin. Ob sie sich vorstellen kann, in so einer Situation 50 Euro zu zahlen? „Die hätte ich vielleicht gar nicht dabei gehabt“, sagt sie. Den KVN-Vorstoß lehnt sie prinzipiell ab. „Die medizinische Notversorgung muss ohne Kosten gewährleistet sein“, findet Rissel-Lürsen.

Auch ihre Sitznachbarn teilen diese Meinung. „Die 50 Euro sind nicht die Lösung. Es fehlt eine zentrale Anlaufstelle für den Bereitschaftsdienst“, sagt Michael Rasser. Der 76-Jährige wurde von seinem Hausarzt in Barsinghausen in die Notaufnahme geschickt. Eine hartnäckige Fußwunde soll untersucht werden. Fälle wie dieser, in denen Haus- und Fachärzte Notfälle explizit als solche deklarieren, sollen von dem KVN-Vorschlag ausgeklammert sein. Rasser müsste also ohnehin nichts zahlen.

Nur wenige Patienten in Notaufnahme richtig

Dabei sind es nicht allein die Fehleinschätzungen der Patienten selbst, die zu überlasteten Notaufnahmen führen. Der zuständige Arzt für die Erstbewertung der Notaufnahme-Patienten im Siloah sieht auch die Haus- und Fachärzte in der Pflicht, sparsamer mit ihren Überweisungen umzugehen. „Wir bekommen häufig Bewohner aus Pflegeheimen, bei denen sich lediglich der Gesundheitszustand etwas verschlechtert hat“, nennt der Mediziner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ein Beispiel. „Nur 10 Prozent unserer Notaufnahme-Patienten waren hier heute richtig“, resümiert er am Nachmittag.

Notfallpraxen als Alternative

KRH-Geschäftsführer Bracht glaubt derweil, dass die Aufgabenverteilung der ambulanten und niedergelassenen Versorgung vielen Menschen nicht klar genug ist. „Unsere Empfehlung wäre es, noch einmal genauer hinzugucken und sich zu fragen, was die Menschen eigentlich bewegt, in dem Maße direkt die Krankenhäuser aufzusuchen und nicht, wie es das System eigentlich vorsieht, sich bei einem niedergelassenen Mediziner vorzustellen“, sagt er. Um den Patienten die sogenannten KV-Notfallpraxen auch räumlich näher zu bringen, gibt es diese inzwischen in sechs von sieben Notaufnahme-Kliniken der KRH.

Erst vor wenigen Tagen wurde eine solche Praxis im KRH-Klinikum-Großburgwedel eröffnet. Hier sind Patientinnen und Patienten außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten richtig, wenn sie medizinische Hilfe suchen, aber keine Notaufnahme benötigen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert die Kassenärzte auf, vor der eigenen Haustür zu kehren. So werde seit Jahren die Zahl der Hausbesuche reduziert. „Wir sind gegen eine Eintrittsgebühr für Notaufnahmen“, sagt Stiftungssprecher Tim Valentin.

Von Mario Moers

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