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Aus der Stadt Erwin Röver: Der Stifter aus Hannovers Südstadt
Hannover Aus der Stadt Erwin Röver: Der Stifter aus Hannovers Südstadt
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00:15 07.03.2019
Verwaltet den Nachlass: Der Kuratoriumsvorsitzende Ulrich Stobbe im Büro des hannoverschen Aufbauarchitekten Erich Röver. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Sein Büro in der Südstadt ist noch original erhalten: Von der Adelheidstraße aus hat der Nachkriegsarchitekt Erwin Röver den Wiederaufbau Hannovers an zahlreichen Standorten geprägt. Eine Stiftung bewahrt in den Räumen nicht nur sein Andenken, sondern betreibt auch die von ihm gegründete Klinik Niedersachsen in Bad Nenndorf mit 270 Betten weiter - ganz so, wie Röver es in seinem Testament gewünscht hat.

Erwin Röver war „respektiert, aber nicht geliebt“

Als Person war Röver zwar ein durchsetzungsstarker, aber offenbar auch schwieriger Mensch. „Respektiert, aber nicht geliebt“ worden sei er, schreibt Kuratoriumschef Ulrich Stobbe ehrlich in der gut 60-seitigen Broschüre, die zum Jubiläum erschienen ist. Von Ehefrau Else Marie Bock, die er 1948 heiratete und in deren Familie sein Engagement in Bad Nenndorf gründete, trennte er sich 1986, auch mit den Kindern gab es langjährige Auseinandersetzungen über das millionenschwere Erbe, von dem sie nur den Pflichtteil sahen. Der Rest ging in die Stiftung mit dem Zweck, die „Förderung von Innovation und Effizienz im Gesundheitswesen“ voranzubringen: fünf von Röver erbaute Mehrfamilienhäuser etwa in der Oster-, Arnswaldt- und Vahrenwalder Straße und eben die Rehaklinik selbst. Sie durchlebte in den Neunzigerjahren wegen der Gesundheitsreformen schwierige Zeiten, Röver brachte sie aber vor seinem Tod 2001 wieder auf Erfolgskurs. Etwa 250 Mitarbeiter sind heute dort beschäftigt.

Aus Kriegsgefangenschaft zurück nach Hannover

Rövers Biografie spiegelt die Probleme, aber auch die Chancen des vergangenen Jahrhunderts. Der gelernte Maurer und studierte Architekt wurde 1939 zum Kriegsdienst eingezogen und musste in Verdun, Stalingrad und im italienischen Monte Cassino kämpfen, wo er 1944 in Kriegsgefangenschaft kam und später zu Fuß quer durch Europa floh. Das Elternhaus in Hannover war zerstört, sein Versuch, ein Baugeschäft zu gründen, scheiterte, doch bereits Ende 1945 durfte er wieder als Architekt arbeiten.

Architekturbüro beschäftigte 40 Mitarbeiter

Zeitweilig beschäftigte Röver Planungsbüro mehr als 40 Mitarbeiter, dort wurden unter anderem ein Hochhaus in Bemerode geplant, eine Batteriefabrik in Köln und Hallen für die Pelikan-Werke in Hannover sowie mindestens ein Einfamilienhaus in der List. Weil Röver sich mit Dokumentationen nicht lange aufhielt, sind viele seiner Bauten unbekannt. Was ihn aber zeitlebens begleitete, war der Aufbau der Bad Nenndorfer Klinik, die er über Jahrzehnte erweiterte.

„Rastlos“ sei er gewesen, sagt sein langjähriger Wegbegleiter Stobbe. Er selbst schrieb kurz vor seinem Tod, er habe sein Glück „genutzt, indem ich nicht eine, sondern stets zwei Schichten gearbeitet habe.“ Das Privatleben kam darüber offenbar zu kurz.

Klinik Niedersachsen lädt zum Festakt für Erwin Röver

In der Klinik wird der runde Geburtstag des Stifters am Mittwoch, 6. März, mit einer Feierstunde gewürdigt. Die Broschüre ist über die Erwin-Röver-Stiftung zu beziehen und soll in Kürze auch auf deren Internetseite veröffentlicht werden.

Von Conrad von Meding

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