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Aus der Stadt Mieter legt Feuer: Acht Verletzte bei Wohnungsbrand in Ahlem
Hannover Aus der Stadt Mieter legt Feuer: Acht Verletzte bei Wohnungsbrand in Ahlem
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16:22 15.12.2018
Feuerwehrleute stehen vor einem brennenden Mehrfamilienhaus in Ahlem. Quelle: Christian Elsner
Hannover

In einem Wohnkomplex in Hannover-Ahlem ist am Sonnabend gegen 7.40 Uhr in einer Wohnung ein Feuer ausgebrochen. Sieben Mieter wurden dabei verletzt, fünf davon schwer. Sie alle hatten Rauchgas eingeatmet und kamen in ein Krankenhaus. Auch ein Retter der Ortsfeuerwehr Ahlem musste behandelt werden, er erlitt einen Kreislaufkollaps.

Gegenüber der Polizei gab der 30 Jahre alte Mieter der Wohnung an, das Feuer selbst gelegt zu haben. Die Polizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung eingeleitet. Der 30-Jährige soll noch heute einem Psychologen vorgestellt werden, der über den Verbleib des Mannes entscheidet.

Dutzende Wohnungen unbewohnbar

Wegen des Brandes musste der Gebäudekomplex evakuiert werden, Dutzende Menschen waren davon betroffen. Laut Polizei sind in dem großen Mehrfamilienhaus an der Wunstorfer Landstraße etwa 120 Personen gemeldet. Nach Angaben der Polizei sind 37 der rund 110 Wohnungen derzeit nicht bewohnbar. Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Schaden auf 750.000 Euro.

Wohnungsbrand in Gebäude an der Wunstorfer Landstraße in Hannover-Ahlem.

Ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäudeteile konnte verhindert werden. Zahlreiche Bewohner wurden von Rettungskräften im Netto-Supermarkt in der Nähe betreut. Der Filialleiter versorgte die Anwohner darüber hinaus mit kostenlosen Heißgetränken. Erst gegen 10.50 Uhr war der Brand komplett gelöscht.

Nach bisherigen Erkenntnissen war das Feuer in einem zweistöckigen Appartment in der dritten Etage ausgebrochen und hatte sich im weiteren Verlauf bis in den Dachstuhl ausgebreitet. Die angrenzenden Flure wurden vor allem durch den Rauch in Mitleidenschaft gezogen, Anwohner und Feuerwehrleute berichten von pechschwarzen Decken und Wohnungstüren. Vorsorglich evakuierten Polizei und Feuerwehr den kompletten U-förmigen Komplex.

Aufgrund der hohen Anzahl an Mieter entsandten auch die Ermittler mehrere Streifenwagenbesatzungen zur Unterstützung an die Wunstorfer Straße. „Außerdem gab es ein paar Bewohner, die zunächst nicht überzeugt waren, ihre Wohnungen verlassen zu müssen“, sagt ein Beamter aus der Polizei-Leitstelle gegenüber der HAZ. Die Feuerwehr berichtet, die Bewohner waren „verständlicherweise erregt und verunsichert“. Entgegen erster Meldungen habe es aber keine Übergriffe auf Einsatzkräfte gegeben.

Unter anderem Dieter von der Brüggen musste seine Wohnung verlassen, bei etwa Null Grad Celsius stand der 58-Jährige bloß in T-Shirt und Jogginghose auf der Straße. „Ich mache mir Sorgen um meine Wellen- und Kanariensittiche“, sagt er. Er habe sein Ein-Zimmer-Appartment so hastig verlassen müssen, dass er die Tiere nicht retten konnte. Aber immerhin sei das Fenster offen, sodass die Vögel hoffentlich ausreichend frische Luft bekommen. Mieter Igor Sisych (55) konnte gerade noch „alles Teure und Dokumente“ greifen.

„Ich musste sofort raus“

Marcel Schau wiederum berichtet, er habe zuerst gedacht, irgendjemand wolle umziehen. „Auf dem Flur war plötzlich so ein Gepolter“, sagt der 36-Jährige. Als er nachsah, bemerkte er die Feuerwehrleute mit ihren Atemschutzgeräten. „Ich musste sofort raus.“ Schau hofft, dass seine Wohnung nach dem Brand noch bewohnbar ist. „Und das kurz vor Weihnachten“, sagt er. Ist das Gebäude unbewohnbar, könne er immerhin bei seiner Freundin unterkommen. Nach Feuerwehrangaben muss das städtische Wohnungsamt 15 Mietern Ausweichquartiere zur Verfügung stellen, weil zahlreiche Wohnungen durch den Brand unbewohnbar sind.

Die Feuerwehr rückte mit drei Löschzügen und mehreren Freiwilligen Wehren in Ahlem an, dazu mit mehreren Notärzten und Rettungsdienstmitgliedern. Insgesamt waren etwa 110 Einsatzkräfte mit 43 Fahrzeugen vor Ort. „Es war zunächst schwer, an den Brand heranzukommen“, sagt Feuerwehrsprecher Clemens Hoppe. Das Feuer war im rückseitigen Teil des Wohnkomplexes ausgebrochen, die Retter näherten sich daher von zwei Seiten. Am Ende entfernten die Feuerwehrleute zudem die Dachziegel über der Brandwohnung, um die Flammen im Gebälk besser bekämpfen zu können. Die Ursache für das Feuer und die Schadenshöhe sind zurzeit noch nicht bekannt, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Zweiter großer Einsatz seit Freitag

Der Brand in Ahlem ist bereits der zweite große Einsatz wegen eines Feuers in einem Mehrfamilienhaus binnen eines Tages. Erst in der Nacht zu Freitag stand in der Oststadt nach einem lauten Knall eine Wohnung im dritten Stock in Flammen, die Löscharbeiten an der Kronenstraße dauerten fast acht Stunden. Alle 24 Mieter des Hauses mussten das Gebäude verlassen, verletzt wurde aber niemand. Außerdem waren die Retter nur Stunden vor dem Feuer in Ahlem gefordert: In der Nacht zu Sonnabend brannten in einer Gartenkolonie in Mühlenberg eine Gartenlaube und ein Geräteschuppen.

Von Peer Hellerling und Marcel Sacha

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