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Aus der Stadt „Für Hannover ist das ein Armutszeugnis“
Hannover Aus der Stadt „Für Hannover ist das ein Armutszeugnis“
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16:02 25.07.2018
Das Foto zeigt die stark beschädigte Start- und Landebahn. Quelle: Flughafen Hannover
Hannover

„Wir sind sauer – für Hannover ist das ein Armutszeugnis“, sagt Jens Jagdmann. Der 40-Jährige kam vor Mitternacht am Flughafen Hannover an und wollte mit seiner Familie nach Gaziantep in Südostanatolien fliegen. Wegen Hitzeschäden musste der Flughafen dann dicht machen. „Erst hieß es, um 3 Uhr könne ein Flieger gehen, dann wurden wir immer weiter hingehalten. Bis jetzt weiß keiner, wann es weiter geht“, sagt Jagdmann. Der Betrieb laufe zwar wieder, aber dass die Fluggäste Verzehrgutscheine von 15 Euro bekämen sei lächerlich. „Wie soll man sich über ein bis zwei Tage damit verpflegen – das geben die Flughafenpreise nicht her“, sagt der 40-Jährige. Hunderte kleine Kinder würden mit ihren Eltern am Flughafen warten und hätten hier die Nacht verbracht.

Jens Jagdmann hat mit seiner Familie stundenlang am Airport gewartet. Quelle: Jagdmann

Die verspäteten Flüge hätten zum Teil Wartezeiten von über einem Tag. „Wir wollten weiter warten, uns wurden Feldbetten versprochen, bekommen haben wir aber keine. Offenbar gibt es nicht genügend“, sagt Jagdmann. Weil die Familie ein kleines Kind habe, sei man schließlich zurück nach Peine gefahren. „Es ist unglaublich, es gibt keine Unterstützung, keine Informationen“, so Jagdmann. Er hofft, dass es Sponsoren oder Menschen gibt, die den Wartenden am Flughafen schnell und unkompliziert helfen können. „Die Hotlines der Gesellschaften sind nicht alle erreichbar – wir wurden auf den Online-Chat verwiesen. Als Antwort kam, dass wir mit einer Antwort in vier bis sechs Wochen rechnen können – wegen der vielen Anfragen“, sagt Jagdmann. Aus den Anzeigetafeln sei nicht ersichtlich, welche Maschine als nächste starten würde – „außerdem hat man das Gefühl, dass die Anzeigen einen nur hinhalten sollen. Das kann rechtlich nicht in Ordnung sein“, sagt Jagdmann.

Die Nerven am Flughafen liegen blank – viele Gäste bemängeln fehlende Informationen.

„Lust am Urlaub vergangen“

„Die Lust am Urlaub ist mir fast schon vergangen“, sagt Evelin Wasgar, die seit nachts um 1 am Flughafen sitzt. Die 22-Jährige ist mit dem Auto zum Flughafen gefahren, „auf dem Weg habe ich dann aus dem Radio gehört, dass der Flughafen dicht macht“, sagt sie. Freundin Lisa Trofimtschuk (17) wartet gemeinsam mit ihr stundenlang am Flughafen: „Feldbetten haben wir nicht mehr bekommen – irgendwie ist das Ganze nicht so toll geplant“, sagt sie.

Der Flughafen Hannover-Langenhagen macht dicht: Bis 6 Uhr am Mittwochmorgen kann kein Flugzeug landen oder starten. Grund sind Hitzeschäden auf der Nordbahn.

„Es werden wurden fünf Flüge parallel aufgerufen und über tausend Menschen quetschen sich zu einer Schleuse, die zwei Meter breit ist“, erzählt Augenzeugin Antje Wiegmann. Nur ein Check-In sei nachts geöffnet gewesen. „Super mit kleinen Kindern, das war wirklich grenzwertig“, sagt sie. Ansagen seien vom Personal nur gerufen worden, erst nach vier Stunden habe es Ansagen durch ein Megafon gegeben. „Das führte dazu, dass alle sich berufen gefühlt haben zu drängeln, weil keiner die Durchsagen verstehen konnten“, sagt Wiegmann.

„Wir haben von unserer Fluggesellschaft Gutscheine bekommen, so konnten wir beim Warten etwas essen und trinken“, erzählt Stephanie Geske. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen möchte sie in den Urlaub fahren, statt am Strand haben die Geskes ihren ersten Urlaubstag aber auf Feldbetten in Hannover verbracht. „Alle haben sich aber nett um die Gäste gekümmert und versucht, es den Wartenden so gut wie möglich zu machen“, sagt Stephanie Geske.

„Fluggäste weitestgehend entspannt“

Nach Angaben von Flughafensprecherin Anika Studders hat die Nacht am Airport nicht für Chaos gesorgt. Die Fluggäste seien weitestgehend entspannt gewesen. Die Johanniter hätten 200 Feldbetten für die Gestrandeten aufgestellt, zudem wurden Getränke und Snacks verteilt.

Wie viele Menschen am Flughafen übernachteten, kann Studders nicht sagen. „Wir gehen davon aus, dass ab Mittag wieder alles planmäßig geht“, sagte Studders. Insgesamt waren von der Sperrung 41 Abflüge und 44 Landungen betroffen, das sind knapp 15 000 Passagiere. Viele wurden von ihren Fluggesellschaften nach Hause oder zu anderen Abflugorten gebracht.

Von Tomma Petersen

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