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Aus der Stadt Hannovers jüngster Friedhof wird 50
Hannover Aus der Stadt Hannovers jüngster Friedhof wird 50
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00:15 03.08.2018
Planer Ruprecht Dröge (links) und Stadtfriedhofs-Chefin Cordula Wächtler beim Besuch auf dem Laher Friedhof. Quelle: Philipp Von Ditfurth
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Hannover

Es war die Zeit des unbeschränkten Fortschrittsglaubens, als das stark wachsende Hannover sich aufmachte, einen neuen Friedhof in Lahe anzulegen. 880.000 Quadratmeter groß sollte er werden – es wurden dann zwar „nur“ 360.000 Quadratmeter, trotzdem verlaufen sich immer wieder Besucher. Weil der Boden zu nass für Tiefenbestattungen war, musste das Gelände um zwei Meter angehoben werden. Gut, dass zeitgleich die U-Bahn gebaut wurde, so dass viele Tausend Kubikmeter Erdreich zur Verfügung standen. Im September 1968 wurde die erste Bestattung vorgenommen, weshalb Hannovers Friedhofsverwaltung für den September 2018 ein Fest zum 50. Geburtstag plant. Die Besonderheit: Der damalige Planer Ruprecht Dröge lebt noch in Hannover – und hatte Lust auf einen Spaziergang über das Gelände.

Man muss ehrlicherweise sagen: Viele Hannoveraner haben den Friedhof Lahe nicht wirklich in ihr Herz geschlossen. Während die Großfriedhöfe Seelhorst, Stöcken und Ricklingen (historisch: Friedhof Linden) und erst recht Engesohde mit ihrer anmutigen Wegeführung, ihren beschaulichen Nischen und vielfältigen Grabanlagen nicht nur Orte der Trauer sind, sondern regelrecht historische Parks, atmet Lahe den rationalen Geist der Wirtschaftswunderjahre. Alles ist gerade abgesteckt, auf Effizienz getrimmt, klar sortiert. „Ich bin nicht stolz auf das, was ich geschaffen habe“, sagt Dröge auf die Frage nach seinen Empfindungen für Lahe. Aber wenn er dann redet über „seinen“ Friedhof, dann sprudelt es doch aus ihm heraus. Denn dieser Friedhof, das war das größte Planungsprojekt seines Lebens.

Gradlinig – und trotzdem bunt: Eine Bildergalerie vom Rundgang auf dem Friedhof Lahe.

Weil ab 1950 klar war, dass die Friedhöfe bald überbelegt und keine Erweiterungen mehr möglich sein würden, begann Hannover mit der Planung der neuen Großanlage. Schon damals dauerten solche Prozesse lange: Erst 1973 waren die Arbeiten wirklich abgeschlossen. 1962 lobte die Stadt einen Planerwettbewerb aus, den Dröge gewann. Cordula Wächtler, die Chefin der hannoverschen Friedhofsverwaltung, hat alle Entwürfe und Beschreibungen der damaligen Wettbewerbsteilnehmer noch parat, und Dröges Augen leuchten, als er seine Bewerbungsunterlagen nach gut 55 Jahren wieder in den Händen hält.

Im Rückblick weiß Dröge, was er heute anders machen würde. „Der Friedhof Lahe hat keinen Teich“, sagt der 87-Jährige. Tatsächlich ist die Wasserfläche etwa in Stöcken ein großer Pluspunkt bei der Gestaltung. Und noch etwas war damals niemandem klar: Wer große Flächen meterweise hochlegt, erschwert den Baumwurzeln den Zugang zum Wasser – deshalb wachsen die Bäume in Lahe nicht wirklich hoch.

Das Gradlinige hingegen war den Vorgaben der Stadt geschuldet. Wächtlers Vorvorgänger, Gartenoberbaurat Hans Jacobi, wollte den neuen Friedhof so angelegt sehen, dass Maschinen problemlos die Arbeit der Totengräber übernehmen konnten. Insbesondere ein kleiner Friedhofsbagger, der damals von Jacobi mitentwickelt wurde und bundesweit im Einsatz ist, sollte alle Grabstätten erreichen können. Wer aber mit wachem Blick über den Friedhof geht, der entdeckt liebevolle Details, zum Beispiel die besonderen Wasserzapfstellen in Form geschwungener, bronzener Schwanenhälse.

Zentrum der Anlage ist die große Freifläche gleich neben dem Eingang, „der Verteiler“, wie Dröge sagt. Auf dem parkähnlichen Areal darf der Besucher auf dem Weg zum Grab den Alltag von sich abgleiten lassen – und auf dem Rückweg die Trauer ein wenig vergessen. „Der Verteiler hat sich bewährt, den sollte man unbedingt erhalten“, sagt Dröge. Das muss man betonen – denn die Anlage steht nicht unter Denkmalschutz. „Wir verstehen nicht, warum“, sagt Wächtler, „aber wir pflegen den Friedhof Lahe so, als ob auch er ein Denkmal wäre.“

In Lahe wurden Innovationen ausprobiert. So hat Dröge etwa gemeinsam mit den Hochbau-Architekten Ingrid und Peter Böhme das Problem gelöst, dass bei kurz aufeinanderfolgenden Trauerzeremonien in den Friedhofskapellen sich stets Trauergruppen beim Ein- und Auslass begegnen: Sie legten den Eingang der Kapellen auf die eine Seite der Gebäude, den Ausgang auf die andere. Die Flachdachgebäude selbst können naturgemäß nicht den Charme historischer Friedhofskapellen entfalten, „aber sie sind wichtige Zeugnisse ihrer Zeit“, sagt Wächtler. Und das ist wichtig, denn Hannovers jüngster Friedhof ist wegen seiner nur 13-jährigen Bauzeit „aus einem Guss“: Während alle anderen Friedhöfe mehrfach erweitert wurden und daher mehrere Stilepochen zeigen, ist Lahe gewissermaßen ein echter Achtundsechziger.

Auch Jesiden und Juden haben eigene Grabanlagen

30 000 Grabstätten umfasst der Friedhof Lahe, mit Urnengräbern sind es sogar 50 000. Die Bestattungskultur wandelt sich in den vergangenen Jahren, vor allem durch Zuwanderung. So ist vor allem durch den Zuzug aus osteuropäischen Gebieten in Mode gekommen, Fotos in Form von Medaillons auf Grabsteinen anzubringen. „In unserer protestantischen Region hat das keine Tradition“, sagt Friedhofschefin Cordula Wächtler, „aber wir versuchen, die Friedhofssatzung immer wieder an die aktuellen Entwicklungen anzupassen.“ Allerdings mit Grenzen. Der Wunsch einiger Zugezogener, an den Gräbern verstorbener Verwandter zu lagern und zu picknicken, wird unterbunden. „Friedhöfe sollen ein Ort der Ruhe für alle sein“, sagt Wächtler.

Zu den Besonderheiten des Friedhofs Lahe zählen etwa die 1989 angelegten Gräberfelder für Verstorbene Jesiden (Abteilungen 506 und 507) und seit 2001 auch das Gräberfeld der Liberalen Jüdischen Gemeinde (Abteilung 509). Auch Hannovers erste Gräberfeld für anonyme Bestattungen (Abteilung 136) existiert auf dem Friedhof seit 1979.

Am Rande des Laher Friedhofs arbeitet zudem das Krematorium. Eigentlich war Hannovers Krematorium seit 1924 am Seelhorster Friedhof angesiedelt. In den Neunzigerjahren entsprach es aber nicht mehr den technischen Anforderungen. Hannover übertrug die Feuerbestattung daher einem Feuerbestattungsverein (heute: GmbH), der das 1997 in Lahe eröffnete neue Ein-Ofen-Krematorium 2007 um zwei weitere Öfen erweiterte.

Von Conrad von Meding

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