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Aus der Stadt Wie kommt ein Rollator ins Fundbüro Hannover?
Hannover Aus der Stadt Wie kommt ein Rollator ins Fundbüro Hannover?
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07:36 06.12.2018
Frank Schaffert, Leiter des Fundbüros, im Lager Quelle: Lisa Neugebauer
Hannover

Wie verliert man einen Weihnachtsbaum? Diese Frage stellte sich Frank Schaffter, Leiter des Fundbüros in Hannover, immer wieder, als vor ein paar Jahren eine zwei Meter hoher Tanne bei ihm abgegeben wurde. Dabei sollte ihn eigentlich nichts mehr wundern, so viel wie er schon angenommen hat. Kanus, Segelboote, Goldbarren und Bärenfallen – „bei uns gibt es jeden Krempel zu jeder Zeit“, sagt Schaffert und ermahnt sich: „Ich soll nicht immer Krempel sagen.“ Auch jetzt, in den Wintermonaten, sammelt sich wieder einiges im Fundbüro an. Vor allem Handschuhe, Mützen und Regenschirme haben in den Räumen in der Herrenstraße Straße Saison.

Kurioses, Schräges, Nützliches: In der Sammelstelle für Fundsachen lagern verlorene Dinge, die selten wieder abgeholt werden.

Im Empfangsraum des Fundbüros stehen die ersten Boxen: Insgesamt über 300 Schlüssel sind verteilt auf mehrere Kisten. Schaffert schiebt sich daran vorbei durch die Schwingtür am Tresen in den dahinterliegenden Bürobereich. Noch kurz rechts durch den Türbogen, dann steht er im Sammelsurium. In eng nebeneinander stehenden Kisten auf vier Regalreihen lagern Fundsachen des letzten halben Jahres. Insgesamt sind es um die 18.000 Gegenstände. Von weitem sieht es gar nicht so viel aus, erst beim Näherkommen offenbart sich die Masse an verlorenen und hier abgegebenen Dingen. Berge von Handys in der einen Kiste, Schmuck und Uhren in der anderen.

Nur wenige wollen verlorene Dinge zurück

Wer in Hannover etwas im Wert von über zehn Euro findet, ist verpflichtet, es im Fundbüro abzugeben. Die Fundsachen werden sieben Monate gelagert. Im siebenten Monat hat der Finder das Recht, die Fundsache zu bekommen. Was danach immer noch nicht weg ist, muss versteigert werden. Die Quote der abgeholten Sachen liegt bei nur 15 bis 20 Prozent. Auf die Frage, warum so wenig Menschen ihre verlorenen Dinge wiederhaben wollen, zuckt Schaffert nur die Schultern. „Wem ein Fahrrad geklaut wurde, der kann sich von dem Geld der Versicherung vielleicht ein besseres kaufen“, sagt er. Nur Kuscheltiere gelangen selten in die Versteigerung. „Da kommen viele Eltern danach suchen.“ Er wünschte, es würden viel mehr Leute kommen, die ihre verlorenen Sachen abholen.

Im Fundbüro sammeln sich auch viele kuriose Sachen an. In einer Kiste, die mit „Lustige und schräge Fundsachen“ betitelt ist, lagern Sexspielzeuge. Eine andere beherbergt Pornohefte und Sexvideokassetten. Bei anderen Dingen fragt man sich, warum der Besitzer sich nicht die Mühe macht, sie im Fundbüro zu suchen: teuer aussehende Kameras, Markenhandtaschen oder Tagebücher zum Beispiel. Und bei anderen Sachen wiederum wundert man sich, warum sie überhaupt im Fundbüro landen. Mehrere Rollatoren und Rollstühle stapeln sich im Keller des Fundbüros. „Spontane Wunderheilung“, stellt Schaffert nüchtern fest.

„Wir sind wie ein Kaufhaus. Wir haben alles!“

Die größte Sammlung befindet sich im Keller des Fundbüros. 1500 Fahrräder, dicht an dicht. Auf diese Menge blickt Schaffert mit Sorge. Im Sommer zieht das Fundbüro in einen Neubau am Schützenplatz um. „Die Büroräume werden modern und weitläufig“, sagt der Leiter. „Aber die Lagerfläche wird weniger sein.“ Das ist ein Problem. Schaffert weiß nicht wohin mit den Fahrrädern, die immer mehr werden. Hannover entwickle sich stetig zur Fahrradstadt. Das spüre er als einer der ersten.

Warum die vielen Dinge bei ihm landen, fragt sich Schaffert nicht mehr. Seit 20 Jahren ist er schon im Fundbüro und weiß: es gibt so gut wie nichts, was er nicht schon einmal im Lager gehabt hat. „Wir sind wie ein Kaufhaus“, sagt der 60-Jährige. „Wir haben alles, nur nicht immer mit einer großen Auswahl.“ Ein Teil davon wird am achten Dezember im Historischen Museum versteigert. Um 12 Uhr geht es los. Dieses Mal sind es hauptsächlich Kameras und unzählige Tüten mit Schmuck. So wird der Lagerraum bei Schaffert wieder etwas leerer – wenn auch nur für kurze Zeit.

Von Lisa Neugebauer

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