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Aus der Stadt Salzwiesen sollen Küste sichern
Hannover Aus der Stadt Salzwiesen sollen Küste sichern
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18:39 17.08.2018
Forscherin Iris Möller (Mitte) testet im Forschungszentrum Küste in Marienwerder, wie gut Salzwiesen Sturmfluten trotzen. Quelle: Villegas
Hannover

Die Sturmflut rollt jeden Morgen pünktlich um 10 Uhr an. Im Großen Wellenkanal in Marienwerder testen drei Forscherinnen aktuell, unter welchen Bedingungen Salzwiesen heftigen Wellen trotzen. „Diese Gebiete sind für den Küstenschutz als erster Puffer gegen die Fluten sehr wichtig und entlasten die Deiche“, erläutert Küstenforscherin Iris Möller von der University of Cambridge. Mit dem Klimawandel könnten jedoch Sturmfluten häufiger auftreten und stärker werden, befürchten die Wissenschaftlerinnen. Sie wollen nun herausbekommen, bis zu welcher Belastung Pflanzen wie Schlickgras und Strandsimse den Wellen trotzen.

Die Pflanzen hat das internationale Forscherteam im Frühjahr in den Niederlanden gesammelt, in Holzkästen gepflanzt und Anfang August im 307 Meter langen und sieben Meter tiefen Wellenkanal verankert. Sie haben dabei fünf verschiedene Wattzonen nachgebildet. Seit Montag rauschen jetzt jeden Morgen bis zu zwei Meter hohe Wellen über die Salzwiesen-Stücke. Rund drei Stunden dauert es danach, bis das Wasser abfließt und die Forscher mit ihren Messungen starten können.

„Wir vergleichen, wie schnell Setzlinge, einzelne erwachsene Pflanzen und ganze Gruppen ihre Standfestigkeit verlieren“, erklärt Pflanzenökologin Stefanie Nolte von der Uni Hamburg. Sie will mit Geoökologin Maike Paul von der Technischen Universität Braunschweig die Frage klären, welche Pflanzenarten eine Bodenerosion besonders effektiv verhindern.

Beteiligt an dem von der Europäischen Union finanzierten Hydralab+ Projekt RESIST sind auch die Universität Antwerpen und das Royal Netherlands Institute for Sea Research. Die Niederländer haben bereits ein Schutzgitter aus Kartoffelstärke entwickelt, dass die Pflanzen wie eine Art überdimensionales Pflaster nach einer Sturmflut stabilisiert, bis sie sich wieder erholt haben. Das biologisch abbaubare Gitter könnte auch dabei helfen, junge Pflanzen anzusiedeln und das Bodensediment gegen die Wellen zu schützen. Auch diese Gitter sind jetzt drei Wochen lang im Stresstest im Wellenkanal des Forschungszentrums Küste, das Leibniz-Universität Hannover und TU Braunschweig gemeinsam betreiben.

In einem ersten Experiment im Großen Wellenkanal fand das Team 2013 heraus, dass schon ein nur 40 Meter breiter Salzwiesen-Streifen Sturmflutwellen um 20 Prozent reduziert. Zu einem großen Teil hängt der Effekt von der Höhe der Pflanzen ab. „Im norddeutschen Raum sind die Salzwiesen bisher noch sehr gesund“, berichtet Iris Möller. Der dichte Bewuchs bildet mit dem sich im Wurzelwerk ablagernden Schlick eine stabile Schicht. Doch heftige Sturmfluten könnten Abbruchkanten im Watt hervorrufen. Im Mississippi-Delta und am Jangtse in China ist die Bildung von Marschland gestört. Großbritannien, berichtet Möller, rüstet sich bereits gegen kommende Sturmfluten. Die Regierung kauft Küstenstreifen und versetzt Deiche weiter ins Inland. So entsteht eine breitere Schutzzone aus Salzwiesen.

Von Bärbel Hilbig

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