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Aus der Stadt Zahl der Straftaten ist durch Flüchtlinge gestiegen
Hannover Aus der Stadt Zahl der Straftaten ist durch Flüchtlinge gestiegen
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22:51 30.08.2018
Der Großteil der Straftaten, die von Flüchtlingen begangen worden sind, lagen nach den Erhebungen der Polizeidirektion Hannover beim einfachen Ladendiebstahl und beim Schwarzfahren. Quelle: Uwe Dillenberg (Archiv)
Hannover

Immer wieder haben Flüchtlinge und Asylbewerber in den vergangenen drei Jahren in der Bundesrepublik schwere Straftaten verübt  – auch in Hannover. Vor dem Landgericht müssen sich derzeit zwei junge Syrer verantworten, die im März in Großburgwedel nach einem Streit eine 24-Jährige mit einem Messer lebensgefährlich verletzten. 

Wegen der aufgeheizten öffentlichen Debatte werden inzwischen aber auch Taten Flüchtlingen zugerechnet, die gar nicht von ihnen begangen wurden. Im April 2017 erstach ein junger Syrer in der Südstadt eine 27-jährige Frau und wenig später in Kleefeld einen 23-jährigen Landsmann – der Täter, dem Gutachter später eine schwere psychische Störung attestierten, war aber Student und hat mit dem Flüchtlingsthema nichts zu tun. 

Um mehr Klarheit zu schaffen, hat die Polizeidirektion Hannover 2016 ihre Kriminalstatistik ergänzt und veröffentlicht gesondert die Straftaten, die von Flüchtlingen begangen wurden. Als Flüchtling eingestuft wird, wer keine deutsche Staatsbürgerschaft hat und sich geduldet, ohne Erlaubnis, als Asylbewerber oder Kontingents- oder Bürgerkriegsflüchtling in der Region aufhält.

Demnach ist die Zahl der Straftaten ​von 2014 auf 2015 stark gestiegen. Verzeichnete die Behörde 2014 noch 4181 Delikte, stieg die Zahl 2015 auf 8744, im Jahr darauf auf 11 489. Im Jahr 2017 verzeichnete die Behörde einen Rückgang auf insgesamt 9326 Delikte.

Zahlreiche Verstöße gegen Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz

In dieser Gesamtzahl der Straftaten sind auch alle Verstöße gegen das Aufenthalts- und das Asylverfahrensgesetz erfasst – und diese Delikte machen einen großen Teil der Straftaten aus. Ohne diese Taten, die nur von Flüchtlingen begangen werden können, lag die Zahl der Verbrechen durch Flüchtlinge im Jahr 2014 bei 2515, ein Jahr später bei 5329, im Jahr darauf bei 7848 und im vergangenen Jahr bei 6235. Der Großteil der anderen Flüchtlingsstraftaten lag laut Polizei beim einfachen Ladendiebstahl und Schwarzfahren. Flüchtlinge treten aber auch durch Körperverletzungen, Drogendelikte und sexuelle Übergriffe in Erscheinung. 

Nach einer Studie des Kriminalistischen Forschungsinstituts Niedersachsen werden Nordafrikaner, die kaum eine Bleibeperspektive haben, häufiger zu Tätern als etwa Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak. Asylbewerber aus nordafrikanischen Ländern machen nur 0,9 Prozent der Flüchtlinge in Niedersachsen aus, waren aber für 17 Prozent der von Flüchtlingen verübten Straftaten verantwortlich. 

Die Zahl der Abschiebungen ​ist in der Stadt zwischen 2015 und Mitte 2018 kontinuierlich gestiegen. 2015 waren es noch 94 Menschen hauptsächlich aus Albanien, Serbien und dem Kosovo. Bis 2017 kletterte die Zahl über 129 auf 157 Abschiebungen, Hauptherkunftsländer waren der Balkan, die Türkei und Georgien. Bis Ende Juni  2018 gab es in der Stadt bereits 108 Abschiebungen, die Spitzenreiter bei den Nationalitäten waren Albanien, Georgien und das Kosovo. Im Umland ergibt sich ein anderes Bild: Dort ist die Zahl der Abschiebungen 2016 (198) mit Abstand am höchsten. 2015 wurden 90 Menschen abgeschoben, 2017 waren es 105. Bis zum 30. Juni 2018 mussten 37 Flüchtlinge das Land verlassen. Mit Duldung oder Aufenthaltsgestattung leben in Stadt und Umland derzeit insgesamt 7461 Menschen.

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Mehr zum großen HAZ-Special Flüchtlinge in Hannover lesen Sie auf unserer Themenseite.

Von Tobias Morchner und Jutta Rinas

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