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Aus der Stadt ASB-Geschäftsführer in Hannover soll drei Millionen veruntreut haben
Hannover Aus der Stadt ASB-Geschäftsführer in Hannover soll drei Millionen veruntreut haben
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18:19 28.02.2019
Die Geschäftsstelle des ASB Hannover ist am Mittwoch durchsucht worden. Der Geschäftsführer soll mit einem Komplizen mehr als drei Millionen Euro veruntreut haben. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Hannover eingeleitet. Die Strafverfolger werfen dem 46-Jährigen Untreue in einem besonders schweren Fall vor. Außerdem bestehe der Verdacht der Bestechlichkeit und Bestechung. Laut Thomas Klinge, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, besteht „der dringende Tatverdacht“, dass der Mann fiktive Rechungen gestellt hat. „In Absprache mit dem Betreiber eines Sicherheitsdiensts für Bewachungsleistungen in Flüchtlingsunterkünften wurden insgesamt mehr als drei Millionen Euro abgerechnet“, sagt Klinge. „Nach unseren Erkenntnissen wurden die abgerechneten Leistungen nie erbracht.“ Gegen den Geschäftsführer der Securityfirma wird ebenfalls ermittelt.

ASB-Mitarbeiter in U-Haft

Der 46-jährige ASB-Chef bestreitet die Vorwürfe allerdings, seit Mittwochnachmittag befindet er sich in Untersuchungshaft. „Bei ihm besteht Fluchtgefahr“, sagt Klinge. Der Betreiber des Sicherheitsdienstes musste hingegen nicht in U-Haft, weil bei ihm keine Haftgründe gegeben seien. Ebenfalls am Mittwoch durchsuchte die Kriminalpolizei die Räume des ASB an der Petersstraße in Hainholz, dabei stellten die Ermittler größere Mengen an Datenträgern und Unterlagen sicher. Gleichzeitig sind nach Angaben des Oberstaatsanwalts Sicherungsmaßnahmen eingeleitet worden, um das mutmaßlich veruntreute Geld wiederzuerlangen. Die zwei Verdächtigen sollen sich die Millionen geteilt haben.

Laut Klinge sollen die beiden das Geld zwischen Januar 2016 und März 2017 veruntreut haben – mitten in der Flüchtlingskrise. Zu Spitzenzeiten kamen täglich rund 2000 Schutzsuchende nach Niedersachsen. Mehr als 100 Millionen Euro flossen allein zwischen September 2015 und Oktober 2016 relativ unkontrolliert an die Hilfsorganisationen, damit die Menschen schnellstmöglich untergebracht werden konnten. „Ein geordnetes Verwaltungshandeln“ sei damals „nur bedingt möglich“ gewesen, urteilte der Landesrechnungshof in seinem Bericht. Die Johanniter erwirtschafteten damals einen Gewinn von 8,5 Millionen Euro, dahinter folgten die Malteser (3,5 Millionen) und das Deutsche Rote Kreuz (2,3 Millionen). Das Geld soll in den nächsten Jahren in den Katastrophenschutz fließen.

Wirren der Flüchtlingskrise ausgenutzt?

Der ASB hingegen verbuchte im selben Zeitraum nur einen Überschuss von 700.000 Euro – obwohl seine Kapazitäten mit denen der Johanniter vergleichbar waren. Haben sich die Männer stattdessen selbst bereichert und die Wirren der Flüchtlingskrise ausgenutzt? Laut Staatsanwaltschaft sei das denkbar. „Damals ging alles drunter und drüber“, sagt Klinge. Der Geschäftsführer der Sicherheitsfirma soll falsche Rechnungen geschrieben haben, die dann vom ASB-Mitarbeiter zur Zahlung freigegeben worden seien. Es betraf sechs Flüchtlingsunterkünfte des ASB Hannover, darunter in Celle und Hildesheim. In Rettungsdienstkreisen lösten Festnahme und Durchsuchung beim ASB Fassungslosigkeit aus. Der Geschäftsführer wird demnach als „nett und eloquent“ beschrieben. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, sei man „sehr enttäuscht“ von ihm.

ASB will Kontrollmechanismen prüfen

Auch der ASB selbst erfuhr erst am Mittwoch mit Start der Durchsuchung von den Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft. Nach Auskunft des Bundesverbands wurde der Geschäftsführer von seiner Funktion „abberufen und eine Kündigung ausgesprochen“. Solange die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft andauern, werde der Verband jedoch keine Stellung beziehen. „Der ASB wird selbstverständlich vollumfänglich kooperieren und unterstützt die behördlichen Ermittlungen“, sagt der ASB-Bundesgeschäftsführer Ulrich Bauch. Darüber hinaus sollen die ASB-internen Kontrollmechanismen auf den Prüfstand gestellt und gegebenenfalls angepasst werden. Interimsweise übernehme nun Udo Zachries, Landesgeschäftsführer Finanzen des ASB Niedersachsen, die Aufgaben des entlassenen Geschäftsführers.

Von Peer Hellerling

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