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Aus der Stadt Fasziniert von Robotern: Schüler wollen zu RoboCup German Open
Hannover Aus der Stadt Fasziniert von Robotern: Schüler wollen zu RoboCup German Open
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00:20 08.03.2019
Technik, die begeistert: Die Schüler Carlo Brokerin, Setphan Swiatek und Björn Ellwert (v.l.) haben den Miniroboter Kamel konstruiert. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Ein Knopfdruck, und „Kamel“ kurvt los. Der kleine Roboter auf Rollen erinnert entfernt an ein Lego-Raumschiff, als er seine Runden dreht. Auf dem Parcours folgt er souverän einer schwarzen Linie, er umkurvt selbständig Hindernisse und erklimmt steile Rampen. „Wir haben ihn mit Mikroprozessoren, einer Kamera sowie Entfernungs- und Lichtsensoren ausgestattet“, sagt Carlo Brokering, einer der Konstrukteure von Kamel.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wäre ein Konstrukt wie Kamel ein weltweit bestauntes Wunderwerk der Technik gewesen. Im März 2019 jedoch ist der Miniroboter eine ambitionierte Bastelarbeit von drei findigen Schülern aus Seelze.

„Wenn Kamel fertig ist, soll er kleine Kugeln einsammel und sortieren“, sagt der 16-jährige Carlo vom Georg-Büchner-Gymnasium, der den Roboter in mehr als 600 Arbeitsstunden gemeinsam mit seinen Schulfreunden Stephan Swiatek und Björn Ellwert gebaut und programmiert hat. Das Kugelspiel ist die Simulation eines Rettungseinsatzes.

350 Schüler im Wettbewerb

Die drei Schüler stehen mit Kamel im Lichthof der Leibniz Universität, und um sie herum herrscht großes Gewusel. Bereits zum achten Mal geht in Hannover ein Qualifikationsturnier für die RoboCup German Open über die Bühne. Rund 350 Schüler sind dabei; sie treten bei dem dreitägigen Spektakel in 135 Teams gegeneinander an, um ein Ticket für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im Roboterbasteln zu lösen, die im Mai in Magdeburg stattfinden.

Das RoboCup-Turnier im Lichthof der Leibniz-Uni

Auf Parcours-Landschaften führen selbst konstruierte Roboter das Retten und Bergen verschütteter Opfer vor, andere führen kunstvolle Choreografien aus, sie suchen Wege durch Labyrinthe oder orten Wärmequellen. An Tischen nehmen Jugendliche letzte Programmierungen vor, sie checken die Sensoren ihrer Konstrukte, während nebenan schon Roboter ihre Runden drehen. Der Lichthof gleicht einer Mischung aus Sportplatz und Pausenhof, aus Lan-Party-Keller und der Werkstatt von Daniel Düsentrieb.

„Die Schüler sind hoch motiviert und total begeistert von diesem Wettbewerb“, sagt Joachim Selke. Der Informatiklehrer unterrichtet am Gymnasium Goetheschule, das rund 60 Schüler in zwei Dutzend Teams zur RoboCup-Qualifikation geschickt hat. Bereits von der 5. Klasse an können Jungen und Mädchen dort in der Robotik-AG die Grundlagen der Robotertechnik erlernen. An Schulen erfreut sich das Thema wachsender Beliebtheit; auch das Kurt-Schwitters-Gymnasium und das Gymnasium Langenhagen beteiligen sich am RoboCup.

Pädagoge Joachim Selke schwärmt davon, wie es ist, wenn Mechanik, Sensorik und Programmierkunst ineinander greifen und wie es ist, wenn aus Nichts ein Gesamtkunstwerk entsteht, das sich autonom bewegt. „Die Schüler sind davon fasziniert“, sagt der 51-Jährige, „und ich selbst bin es auch.“

„Lust aufs Konstruieren machen“

Ein paar Meter weiter sitzt im Lichthof der 18-jährige Jan. Inmitten des Getümmels ist der Schüler fast meditativ in seine Arbeit versunken. Auf den Knien balanciert er einen waagerechten Flachbildschirm und eine Tastatur. In der Programmiersprache Python verfasst er ein Programm für den Roboter seines Teams. „Bei jedem Fehler, den man entdeckt und behebt, stellt sich ein Glücksgefühl ein“, sagt der Schüler.

Solche Sätze hört Olaf Brandes mit Freude. Brandes ist Geschäftsführer der Stiftung Niedersachsenmetall, die junge Menschen für naturwissenschaftliche und technische Berufe begeistern will – angesichts des teils eklatanten Fachkräftemangels in der Branche steckt dahinter auch ein bildungs- und wirtschaftspolitisches Ansinnen. Seine Stiftung unterstützt das RoboCup-Turnier. „Wir wollen Kinder und Jugendliche neugierig aufs Programmieren und Konstruieren machen“, sagt Brandes.

Im Juni wird Hannover zum Zentrum der Szene werden. Im Rahmen der Ideen-Expo werden dann auf dem Messegelände die Junior-Europameisterschaften der Robotik über die Bühne gehen, der „RoboCup Junior Euro 2019“. Rund 700 Teilnehmer sollen dabei in etwa 150 Teams gegeneinander antreten. „Man kann sich keinen besseren Ort dafür vorstellen als die Ideen-Expo“, sagt Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent der Region Hannover.

Olaf Brandes hofft, dass von der Ideen-Expo ein Schub ausgeht und weitere Schulen Robotik in den Unterricht integrieren. Bei den jugendlichen Tüftlern, die sich in der Leibniz Universität versammelt haben, muss er keine Überzeugungsarbeit mehr leisten. „Die Arbeit an Kamel hat uns Spaß gemacht“, sagt der 16-jährige Carlo. Dann setzt er seinen Roboter auf den Parcours. Als hätte seine Hand ein Meerschweinchen freigegeben, zieht der kleine Wagen seiner Wege und tastet sich an einem schwarzen Leitfaden entlang. Carlo und seine Freunde sind zufrieden: „Ich könnte mir gut vorstellen, später mal einen technischen Beruf zu haben“, sagt er.

Ideen-Expo präsentiert Robotik-EM

Zum ersten Mal wird die Junior-Europameisterschaft der Robotik, die RoboCup Junior Euro 2019, in Hannover über die Bühne gehen. Der Wettkampf findet im Rahmen der diesjährigen Ideenexpo statt.

Die siebte Ideenexpo präsentiert sich als Europas größtes Jugend-Event für Naturwissenschaften und Technik vom 15. bis zum 23. Juni auf dem Messegelände. Rund 270 Aussteller aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen wollen Jugendliche dabei für technische Berufe begeistern. Vor zwei Jahren kamen rund 360 000 Besucher. „Wir gehen davon aus, das die Resonanz in diesem Jahr ähnlich groß sein wird“, sagt Ideenexpo-Geschäftsführer Olaf Brandes. Unter anderem wegen der Robotik-EM wird die Ausstellungsfläche in diesem Jahr erweitert – von etwa 100 000 auf rund 110 000 Quadratmeter.

Von Simon Benne

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