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Aus der Stadt Stolpersteine für NS-Opfer verlegt
Hannover Aus der Stadt Stolpersteine für NS-Opfer verlegt
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00:20 29.09.2018
In der Bandelstraße verlegte Gunter Demnig Stolpersteine für Hugo und Clara Dahlheim. Quelle: Benne
Südstadt

Es gibt nicht viel, was sie über ihre Großeltern berichten kann. „Mein Großvater Hugo hat mit mir gespielt, wenn wir dort zu Besuch waren“, sagt Franziska Loening. „Er hat mir gezeigt, wie man aus einem Blatt Papier ein Boot faltet, und ich habe ihm die Haare gekämmt.“ Obwohl ihre Erinnerungen eher bruchstückhaft sind, ist die 85-Jährige extra aus Schottland angereist, um dabei zu sein, wenn in der Bandelstraße Stolpersteine für ihre ermordeten Großeltern ins Pflaster eingelassen werden.

Die neuen Stolpersteine in der Südstadt

Zum 13. Mal ist der Künstler Gunter Demnig in der vergangenen Woche nach Hannover gekommen, um jene Stolpersteine zu verlegen, die in Gehwegen an NS-Opfer erinnern. Insgesamt gibt es in Hannover jetzt 401 jener Denkmale im Miniaturformat – und zwei davon erinnern an Hugo und Clara Dahlheim. Der jüdische Kaufmann aus Springe, ein großer Fan von Hannover 96, war ein erfolgreicher Handelsvertreter; er lebte mit seiner Frau in einer gut eingerichteten Fünf-Zimmer-Wohnung in der Bandelstraße.

Zeichen gegen Vergessen

Ihre Tochter Anneliese emigrierte 1935 nach England. „Meine Großeltern waren auch einmal in London, aber sie wollten zurück nach Deutschland“, sagt Franziska Loening. Am 15. Dezember 1941 wurde das Ehepaar dann nach Riga deportiert. Beide starben im Holocaust, ebenso wie Hugos Schwestern Gertrud und Paula und Dahlheim sowie Meta Zacharias aus der Rehbergstraße. Auch für sie verlegte Gunter Demnig Stolpersteine.

In der Wissmannstraße setzte der Künstler mit dem breitkrempigen Hut schon zum wiederholten Male ein Zeichen gegen das Vergessen. In den Gebäuden der Simon’schen Stiftung lebten damals zahlreiche Juden. Dutzende von Stolpersteinen bezeugen dort ihr Schicksal.

„Meine Eltern waren hier Hausmeister“, sagt Ruth Gröne. Die 85-Jährige, die heute in Ahlem lebt, weiß noch, wie in der „Kristallnacht“ Nazis auch ihre Wohnung stürmten. Sie saß auf dem Schoß ihrer Mutter, als die Uniformierten mitnahmen, was ihnen gefiel: „Auch das neue Blaupunkt-Radio, mit dem ich immer Kinderfunk gehört hatte.“

Ein Stein für Maria Kleeberg

Später musste ihre Familie zwangsweise in ein „Judenhaus“ umziehen. Ihre Großeltern wurden deportiert, auch ihr Vater Erich Kleeberg starb im KZ. An sie erinnern in der Wissmannstraße schon seit 2010 Stolpersteine. Jetzt ist ein weiterer für Ruth Grönes Mutter hinzugekommen.

Maria Kleeberg galt nach NS-Maßstäben als „Arierin“. „Die Gestapo hat sie bedrängt, sich von ihrem jüdischen Mann scheiden zu lassen, doch sie hat sich nicht einschüchtern lassen“, sagt Ruth Gröne. Die Ehe bot Mann und Tochter einen gewissen Schutz: „Sonst wäre womöglich auch ich deportiert worden“, sagt Ruth Gröne.

Ihre Mutter überlebte den Krieg, sie starb 1978 in Ahlem. Erst nach der Stolpersteinverlegung von 2010 hat der Kulturausschuss entschieden, dass auch Überlebende wie sie einen Stolperstein erhalten können. „Es bedeutet mir sehr viel, dass es diesen jetzt gibt“, sagt Ruth Gröne. Nachdem Gunter Demnig den neuen Stein mit einem Tuch blankpoliert hatte, legte sie dort vier orangerote Rosen nieder. „Ich hoffe, dass die Passanten hier kurz innehalten“, sagte Gröne, „und dass sie an die jüdischen Menschen denken, die einst hier lebten.“

Von Simon Benne

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