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Aus der Stadt Niedersachsen zählt seine Burgen
Hannover Aus der Stadt Niedersachsen zählt seine Burgen
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19:07 21.08.2018
Burgenland Niedersachsen: Die Burg Steuerwald in Hildesheim wurde um 1310 von den Hildesheimer Bischöfen erbaut. Quelle: NLD
Hannover

Es ist ein Mammutprojekt. Drei Jahre lang haben die Forscher daran gearbeitet. An einem Thema, das die Herzen kleiner Jungen ebenso höher schlagen lässt wie die nüchterner Wissenschaftler. „Wir haben in Niedersachsen eine große Vielfalt an Burgen“, schwärmt Markus Blaich vom Niedersächsichen Landesamt für Denkmalpflege (NLD). Da sind Schanzen und Schlösser, Motten, Pfalzen und Festungen, erbaut jeweils in unterschiedlichen Zeiten und zu unterschiedlichen Zwecken.

Wie viele Burgen es in Deutschland gab und gibt, weiß bis heute niemand. Das soll sich aber ändern: Das Europäische Burgeninstitut hat mit dem Projekt ebidat eine Art zentrales Melderegister für Burgen ins Leben gerufen. In Deutschland haben Rheinland-Pfalz, das Saarland und Nordrhein-Westfalen bereits Listen ihrer Bauten für das riesige Online-Verzeichnis geliefert. Jetzt ist Niedersachsen nachgezogen. In akribischer Kleinarbeit haben Forscher des NLD für die Datenbank praktisch das gesamte Wissen über Niedersachsens Burgen zusammengetragen.

Niedersachsen hat rund 1400 Burgen

Genau 1397 Bauten aus dem Beritt zwischen Ems und Elbe sind jetzt in der Internetdatei erfasst, vom Oldenburger Heidenwall bis zur Ruine Altenwalde bei Cuxhaven, mit Fotos, Plänen und Literaturhinweisen. Dazu kommen 38 „königliche Plätze“ wie die Pfalz in Goslar.

„Als Adelssitze und Verwaltungszentren sind Burgen ein europäisches Phänomen“, sagt Reinhard Friedrich vom Europäischen Burgeninstitut. Deutschland war zudem über Jahrhunderte das Land der Kleinstaaterei. Jeder Lokalfürst schuf sich sein eigenes Trutzrefugium. Einige sind heute für Touristen interessant, andere eher für Archäologen. Nur 66 der in ebidat erfassten Burgen Niedersachsens gelten als „weitgehend erhalten“, von 504 Bauten gibt es praktisch keine oberirdischen Reste mehr.

Von der Heisterburg im Deister etwa zeugen heute nur noch Wälle und Steine im Waldboden. Sie bestand aus einem „rechteckigen Kernwerk“, heißt es in der Datenbank ebidat, „das von einer 1,70 m starken, zweischaligen Ringmauer mit 5-6 m breiter Wallhinterschüttung umgeben ist“. Das ist eher Wissenschaftsprosa als Ritterromantik.

Angst vor Raubgräbern

Gleichwohl liefert die Datenbank praktische Tipps zu Parkplätzen und Cafés. Insgesamt 130 000 Euro hat die Erfassung von Niedersachsens Burgen gekostet, den Löwenanteil haben Kulturministerium, VGH-Stiftung und die Landschaften finanziert. „Der Datenschatz ist eine gute Grundlage für die weitere Forschung und für den Denkmalschutz“, sagt Burgenexperte Blaich.

Immer wieder hat die Deutsche Burgenvereinigung in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte versucht, ein Gesamtregister aller deutschen Burgen zu erstellen. „Alle analogen Versuche waren jedoch sinnlos“, sagt Barbara Schock-Werner, die Präsidentin der Vereinigung. Zu groß war das Forschungsfeld. Druckwerke veralteten, noch während sie entstanden. „In einer digitalen Datei lassen sich neue Erkenntnisse ständig nachtragen“, sagt Schock-Werner. Allerdings veröffentlicht ebidat nicht die Lage aller niedersächsischen Burgen. Einige Angaben behalten die Forscher für sich – um versunkene Bauten vor Raubgräbern zu schützen.

Von Simon Benne

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