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Aus der Stadt Hafen-Brache soll blühendes Gewerbegebiet werden
Hannover Aus der Stadt Hafen-Brache soll blühendes Gewerbegebiet werden
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00:18 14.09.2018
In die leer stehenden Gebäude am Lindener Hafen sollen Betriebe, Büros und Ateliers ziehen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Der Klotz am Kanal ist vier Etagen hoch, von Graffiti übersät und mit braunen Platten verkleidet. Davor dichtes Gestrüpp und zugewucherte Bahngleise. Joerma Biernath lächelt. „Ich nenne das Gebäude Godzilla – roh, hässlich und voller Stolz“, sagt er. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Auch Gerd Onnen und Thomas Wolters erkennen den Charme der verlassenen Industriebrache, zusammen haben die drei Unternehmer das knapp 9000 Quadratmeter große Grundstück am Lindener Hafen erworben. Schon in ein paar Jahren könnte der Stichkanal zum Anziehungspunkt für Hannovers Kreativszene werden.

Unter dem Namen Hannover Docks soll am Eichenbrink ein Gewerbezentrum entstehen – mit Büros, Ateliers, kleinen Betrieben und Werkstätten. „Die Zukunft der Arbeit liegt am Wasser“, lautet das Motto der Unternehmer. An Interessenten mangelt es nicht. Eine Backmanufaktur hat schon zugesagt, ebenso ein Restaurant und eine IT-Schmiede mit dem passenden Namen Wissenswerft. Auf 4500 Quadratmetern bietet das Godzilla-Haus mit seinen vier Etagen und einem Nebengebäude genügend Platz. Gleich neben der Einfahrt steht noch ein kleineres Gebäude, zugewuchert und baufällig. „Das muss abgerissen werden. Dort kann ein Bürohaus entstehen“, sagt Onnen. Erhalten bleiben soll, wenn möglich, ein alter Kran direkt am Wasser. „Allein schon wegen der Atmosphäre“, meint Biernath.

Auf der knapp 9000 Quadratmeter großen Brache am Lindener Hafen soll ein Gewerbezentrum entstehen.

Am Sonnabend, 29. September, feiert Hannover Docks ab 16 Uhr seinen „Stapellauf“, wie die drei Unternehmer sagen, mit Eröffnungsreden, kulinarischen Angeboten, Gin aus eigener Produktion und viel Musik. Ein paar Wochen später beginnen die Sanierungsarbeiten.

Was treibt drei gestandene Herren Anfang 50 dazu, eine Erbpacht für eine Hafen-Brache zu übernehmen und das Areal mit millionenschwerem Aufwand zu sanieren? „Ganz genau weiß ich das auch nicht“, sagt Wolters grinsend. Der gelernte Handwerker handelt mit ökologischen Baustoffen. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes will er auf 300 Quadratmetern einen ökologischen Baumarkt einrichten. „Ich bin seit Jahren auf der Suche nach einer geeigneten Fläche“, sagt der 53-Jährige.

Auch Gerd Onnen kommt aus der Baubranche. Der Architekt ist Experte für ökologische Dämmstoffe. „Zudem entwickele ich Immobilien. Hier kann ich zeigen, was ich in den vergangenen Jahren gelernt habe“, sagt er. Als Ostfriese habe er ohnehin eine Affinität zum Wasser. Ihm ist wichtig, das marode Gebäude so umfangreich wie möglich ökologisch zu sanieren. „Man könnte hier mit Materialien wie Lehm und Stroh arbeiten“, sagt Onnen. Große Fenster sollen eingebaut werden, damit der Blick übers Wasser bis zum Deister schweifen kann.

Biernath ist gelernter Gärtner, Handwerksmeister und hat Gartendesign in London studiert. Einen Namen hat er sich in Hannover dadurch gemacht, dass er in einer kleinen Brennerei in der Nordstadt Gin produziert. Die Kräuter für sein Destillat baut er auf dem Dach seines Betriebs am Weidendamm an. Jetzt will sich Biernath vergrößern. Auf dem Dach des Hafen-Gebäudes, um ein Vielfaches größer als der Dachgarten in der Nordstadt, soll eine Plantage entstehen. „Ich hole die Natur ins Gebäude“, sagt er.

Bis am Stichkanal blühende Landschaften entstanden sind, dürfte noch einige Zeit vergehen. Die drei Eigentümer sind voller Tatendrang und suchen nach weiteren Mietern und Investoren. „Die Nachfrage ist sehr groß“, sagt Wolters. Man könne inzwischen aus der Schar der Interessenten auswählen. Onnen rechnet damit, dass bis Mitte 2020 das Hauptgebäude voll belegt ist.

Hannover Docks soll nicht nur Arbeitsstätte sein, sondern mit seiner See-Atmosphäre auch zum Verweilen einladen. Die Außenterrasse des Restaurants wird direkt am Wasser angelegt, mit Blick auf stählerne Kräne und stillgelegte Gleise. „Den rauen Charme wollen wir auf jeden Fall erhalten“, sagt Biernath.

Von Andreas Schinkel

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