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Aus der Stadt Ehepaar soll Haus in Kleingartenkolonie räumen
Hannover Aus der Stadt Ehepaar soll Haus in Kleingartenkolonie räumen
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00:15 02.03.2019
Peter und Inge Hutschenreiter sollen für Gewerbegebiet und Radweg ihr Zuhause aufgeben. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Letzten Freitag, erzählt Peter Hutschenreiter, lag ein Brief im Postkasten. Die Stadt schlug vor, er könne mit seiner Frau Inge ein paar Hundert Meter weiter in eine Dachgeschosswohnung ziehen, 52 Quadratmeter mit Balkon, er hat vergessen, wie genau die Straße heißt.

Hutschenreiter sitzt in seinem Garten auf einem Plastikstuhl mit blümchengemusterten Kissen, die Sonne scheint. Wenn er sich umsieht, blickt er auf einen wirklich sehr großen Garten mit hochgewachsenem Baumbestand und ein Haus, sein Haus, mit roten Klinkern. Zwei massive Etagen, 140 Quadratmeter zum Wohnen, mit Kamin. „Hier im Grünen, im Ruhigen wollten wir unseren Lebensabend in hoher Lebensqualität verbringen“, sagt Hutschenreiter. Und wer bei Verstand würde das alles freiwillig hergeben für 52 Quadratmeter unter Schrägen?

Stadt: Wohnen in Kleingärten ist verboten

Doch Peter und Inge Hutschenreiter, beide 71 Jahre alt, müssen hier weg, sagt die Stadt, spätestens zum November 2020. Und von freiwillig kann nicht die Rede sein. Das Ehepaar lebt seit 20 Jahren hier auf dem Gelände der Hainholzer Kleingartenkolonie „Friedenau“ am Rande der Schulenburger Landstraße. Sie kauften das Haus, damals schon 100 Quadratmeter umfassend, für 30.000 Mark und steckten weitere 50.000 Euro in die Sanierung. Das Problem ist: In Kleingärten darf niemand wohnen.

Und nun plant die Stadt auf dem Grundstück der Kolonie Gewerbe und Grünflächen inklusive Radweg zum Mittellandkanal. Dafür beansprucht die Verwaltung sämtliche 12.000 Quadratmeter, der Kolonie droht die Auflösung. Zum Fall Hutschenreiter heißt es neutral formuliert in der Drucksache: „Möglicherweise illegal bestehende Wohnverhältnisse werden beendet.“ Das Grundstück gehört der Stadt, ist verpachtet an den Bezirksverband der Kleingärtner, der wiederum 18 Parzellen an Laubenpieper untervermietet. 50 Euro Pacht im Monat zahlt das Ehepaar.

Ehepaar zahlte Steuern für Grundstück

Peter und Inge Hutschenreiter bangen jetzt um ihre Zukunft. Wussten sie nicht, dass man in der Kolonie nicht auf Dauer leben darf? Oder haben sie spekuliert, dass es schon gut gehen würde? Der 71-Jährige kennt den Passus im Vertrag mit dem Bezirksverband, wonach dauerhaftes Wohnen in den Lauben verboten ist, aber damals habe es geheißen, man verpachte ja nur das Grundstück, nicht, was draufstehe. Die Stadt kennt diese Pachtverträge sehr genau. Ein Sprecher sagte, alle Kontrakte „schließen eine Nutzung zu Wohnzwecken aus“.

Hutschenreiters wähnten sich auf der sicheren Seite. Sie zahlten Grunderwerbssteuer und Grundsteuern, Gebühren für Müllabfuhr und Straßenreinigung, Strom und Wasser und Telefon. Ihre Postadresse ist die Adresse der Kolonie, wohin auch die Stadt ihr Wohnungsangebot sandte. „Die Steuer gilt ja ausdrücklich für ein Wohngebäude“, sagt der 71-Jährige, „damit war für mich geklärt, dass wir hier auch wohnen dürfen.“ Aus Sicht der Stadt dokumentiert die Zahlung etwa einer Grunderwerbssteuer jedoch nur, dass ein Grundstück gekauft worden ist und nicht, ob es legal genutzt wird. „Die Stadt ist zudem verpflichtet, Grundsteuerbescheide zu erteilen, unabhängig davon, ob Gebäude dem Baurecht entsprechen“, sagte ein Mitarbeiter der Pressestelle.

„Dann stehen wir auf der Straße“

Der Glaube der Eheleute, rechtens in der Kolonie zu wohnen, könnte sich als Irrtum erweisen. Und die geplante Entschädigung dürfte den Verlust ihres Eigenheims nicht aufwiegen. 8500 Euro für jede Parzelle stellt die Stadt in Aussicht. Kommunen müssen nur Lauben bis zu einer Größe von 24 Quadratmetern finanziell ausgleichen, so steht es im Bundeskleingartengesetz. Peter Hutschenreiter fürchtet das Schlimmste, sollte die Stadt keinen Rückzieher machen und der Rat zustimmen, die Verträge zu kündigen: „Dann stehen wir auf der Straße.“

In den nächsten Jahren will das Rathaus im Rahmen ihres Kleingartenkonzeptes weitere 813 Kleingärten in Wohn- und Gewerbeflächen umwandeln.

Von Gunnar Menkens

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