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Aus der Stadt Fitnessstudio verteidigt Verbot von Kopftuch
Hannover Aus der Stadt Fitnessstudio verteidigt Verbot von Kopftuch
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00:15 09.02.2019
Die Geschäftsführung von Fitnessloft verteidigt ihre Entscheidung, dass die junge Frau ihr Kopftuch ablegen sollte. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Nach den Diskriminierungsvorwürfen einer Muslima äußert sich nun die betroffene Fitnessstudiokette. Angestellte hatten Zomaijah Ahmadi aus Hannover aufgefordert, ihr Kopftuch abzulegen oder die Einrichtung zu verlassen. Die Fitnessloft-Geschäftsführung in Braunschweig teilt der HAZ nun mit, dass sie an ihrer Entscheidung festhält. Das Unternehmen versuche, „alle vermeidbaren Verletzungsrisiken zu minimieren“. Daher habe man sich dafür entschieden, „dass eine Kopfbedeckung, die für das eigene Training nicht essentiell ist, grundsätzlich auch nicht erlaubt wird“.

Das Verbot gilt sowohl in der Fitnessloft-Niederlassung im Laatzener Leine-Center als auch in Hannovers Innenstadt. Die Mitarbeiter verwiesen auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wonach das Verbot jeglichen Schmucks und Kopfbedeckungen „zur Vorbeugung von Unfällen und Erhalt der körperlichen Unversehrtheit“ gedacht ist. Die 35-Jährige fühlte sich daraufhin wegen ihres Kopftuchs diskriminiert. „Als Betreiber einer expandierenden Fitnessstudiokette nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern sehr ernst“, teilt die Geschäftsführung dagegen mit. Andere Fitnessstudios in Hannover haben solch ein Verbot allerdings nicht.

Urteil bestätigt Verbot

Fitnessloft stützt sich auf ein Urteil des Landgerichts Bremen von 2013 (Aktenzeichen 4 S 89/12). Die Richter hatten im Berufungsverfahren entschieden, dass ein Fitnessstudio das Ablegen eines Kopftuchs verlangen darf. Eine Frau hatte 2010 wegen Diskriminierung dagegen geklagt und scheiterte zunächst vor dem Amtsgericht Bremen-Blumenthal. Auch in nächster Instanz unterlag die Klägerin. Das Landgericht teilte die Einschätzung, dass die Religionsfreiheit nicht einschränkt werde, sondern das Ablegen vielmehr vor möglichen Verletzungen schütze. Aus den selben Gründen müssten auch Haare hochgesteckt werden.

Der Islamverband Schura in Niedersachsen unterstützt Ahmadi dagegen. „Es ist eine Diskriminierung der Dame“, sagt der Vorsitzende Recep Bilgen. „Solch ein Verbot passt nicht ins 21. Jahrhundert“, so Bilgen. Zwischenrufe, die 35-Jährige müsse sich besser integrieren, lässt er nicht gelten: „Wenn sie ins Fitnessstudio geht, ist sie schon sehr weit mit der Integration.“ Auch Doris Schröder-Köpf (SPD), Migrationsbeauftragte der Landesregierung, rät erneut zur „maximalen Entspanntheit“ in der Debatte. Das Fitnessstudio sollte flexibler mit seinem strikten Verbot umgehen.

Kopftuch an Schulen und im Gericht

Innerhalb der Landesregierung wurden bereits verschiedene Wege gefunden, mit der Causa Kopftuch umzugehen. Laut Kultusministerium ist es grundsätzlich zulässig, „dass Lehrkräfte in Niedersachsen ein Kopftuch oder andere religiös konnotierte Kopfbedeckungen im Dienst an öffentlichen Schulen tragen“, sagt Sprecher Sebastian Schumacher. Dies gelte unter anderem auch für die jüdische Kippa. Allerdings müssen die Lehrer darauf achten, dass ihr äußeres Erscheinungsbild „keine Zweifel an der Eignung der Lehrkraft begründen, den Bildungsauftrag der Schule überzeugend erfüllen zu können“, sagt Schumacher.

Das Justizministerium hat in einem Referentenentwurf festgehalten, dass Richter und Staatsanwälte bei öffentlichen Verhandlungen keine religiösen und weltanschaulichen Symbole tragen dürfen. „Dies gilt sowohl für ein Kreuz, ein Kopftuch oder den Anstecker einer Partei“, sagt Ministeriumssprecher Christian Lauenstein. Die Vorgaben sollen die Neutralität der Justiz betonen und müssen noch dem Kabinett vorgelegt werden. Kreuze in Gerichtssälen sind davon ausgenommen. Lauenstein: „Diese werden aber schon jetzt abgehängt, wenn jemand den Wunsch äußert.“

Die rechtliche Seite

Dündar Kelloglu ist Rechtsanwalt in Hannover mit den Schwerpunkten Ausländer-, Flüchtlings- und Strafrecht.

Herr Kelloglu, wieso darf ein Fitnessstudio seine Kunden wegen einer falschen Kopfbedeckung zum Gehen auffordern?

In erster Linie besteht Hausrecht, die Kleiderordnung steht jedem frei. Genauso kann auch festgehalten werden, dass zum Beispiel aus hygienischen Gründen keine ärmellosen Hemden getragen werden dürfen und auf manchen Geräten Handtücher hingelegt werden sollen.

Wieso gilt das auch für das Kopftuch? Das Grundgesetz sichert Religionsfreiheit zu.

Mit dem Kopftuch ist es so eine Sache. Das entsprechende Verbot darf nicht willkürlich geschehen, niemand ist auszuschließen. Ein generelles Kopftuchverbot wäre daher verfassungswidrig. Das Ganze ist ein sehr sensibles Thema, das auf dem Rücken der Frauen ausgetragen wird. Männer müssen schließlich kein Kopftuch tragen.

Also handelt das Fitnessstudio rechtens?

Wenn es generell Kopfbedeckungen verbietet, ist es wohl noch verfassungskonform. Anders könnte es aber aussehen, wenn das Fitnessstudio das einzige im gesamten Umkreis wäre. Dann hätte die Frau keine Möglichkeit, auf ein anderes auszuweichen. Dann wäre das Verbot vielleicht auch nicht zu halten.

Von Peer Hellerling

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