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Aus der Stadt Das ist die verrückteste Trattoria Hannovers
Hannover Aus der Stadt Das ist die verrückteste Trattoria Hannovers
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00:19 25.07.2018
Marina in ihrer Trattoria in der Südstadt. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Dem aufmerksamen Gast fällt es vielleicht auf: Die Nummern drei, acht und fünf fehlen auf der Speisekarte. Die gefüllte Capelacci mit Artischocken, Thunfisch oder Oliven hat Marina gestrichen. Dafür hat sie sich gerade mal wieder ein neues Gericht einfallen lassen, dass es ab September auf der Karte gibt. Große Ravioli mit Kaninchenfüllung, in einer Frischkäse-Tomaten-Soße mit Oliven. Marina macht was ihr gefällt. Zum Kochen bindet sie ihre langen Dreadlocks unter einem Tuch zusammen. Self-made Wirtin Tiziana Marina Piva stammt aus der nord-italienischen Region Emilia Romagna. Sie liebt die Bewegung, gute Küche und mittlerweile auch Hannover, wo sie erneut eine erfolgreiche Trattoria führt.

Der Zufall brachte Marina nach Hannover

In die Landeshauptstadt sei sie durch einen Zufall gekommen. „Es hätte auch Frankfurt oder Berlin sein kommen. Ich hatte aber einen Kontakt in Hannover.“ Sie schreibt die Daten auf ein Stück Papier und zeichnet dabei die Chronik der Trattoria, die das damals noch Tratttoria Emilia hieß. Vom 22.September 2012 bis 28.Februar 2017 führte sie in der Bandelstraße 2 bereits die „Trattoria Emilia“. Und beschloss dann nach Süddeutschland an den Bodensee zu gehen. Ihre Fangemeinde, Marina hatte sich zu diesem Zeitpunkt eine große Stammkundschaft aufgebaut, war traurig. Und umso glücklicher als Marina nach nur acht Monaten wieder in Barsinghausen aufkreuzte. Die quirlige 47-Jährige hatte in Isling einfach keine Wohnung gefunden und wenn eine Bleibe frei war, dann war sie zu teuer. „Ich wollte näher an meiner Heimat Parma leben“, erklärt sie ihren Weggang aus Hannover. Den Rückfahrschein hatte sie insgeheim behalten, den Mietvertrag für ihr Haus in Barsinghausen nie gekündigt. Wieder zurück, versuchte sie sich mit einem Partner an einer Pasta Manufaktur in der Altstadt. Dieses Experiment hielt nicht lange – vielleicht zwei Monate. Durch eine günstige Gelegenheit wurde ihr alter Laden in der Südstadt wieder frei. Marina griff zu und eröffnete am 13. Februar 2018 unter dem Namen Trattoria Parma neu.

Marina führt seit Anfang 2018 erneut das Geschäft in der Bandelstraße 2 unter dem Namen „Trattoria Parma“.

Traditionelle Zutaten aus der Region Emilia Romagna

Jetzt betreibt sie das Geschäft allein. Eine Küchenhilfe und eine Servicekraft helfen ihr. „Ich arbeite lieber mit weniger Leuten, dafür in Ruhe“, erklärt sie. Ihre Arbeitskleidung erinnert an eine andere Zeit in ihrem Leben, als sie noch Tierärztin war und auf die Behandlung von großen Tieren wie Kühe spezialisiert war. Auch die Physiotherapie von Pferden gehörte früher zu ihrem Spezialgebiet. „Es war zu traurig, die Probleme zu sehen, das tut weh“. Auf die Frage, ob sie denn Fleisch essen könne sagt sie: „Ich liebe Fleisch.“ Und das importiert sie wie alle Waren in ihrer Trattoria aus Parma, ihrer Heimatregion. Wurstspezialitäten, den Parmesan und die Weine, sogar das Mehl lässt sie sich von ihrer Nonna im heimischen Supermarkt kaufen, weil nur mit diesem Produkt die selbst gemachten Capellaci, Pappardelle und Maccaroncini gelingen.

Marina nimmt sich die Freiheit auch kleine „Spinnereien“, wie sie ihre Eigenheiten nennt, in ihrer Trattoria auszuleben. Die Kleidung, ein praktischer Spaß. Die Nudelgerichte (13 Euro) kommen seit neuestem nur noch in großen Pfannen auf den Tisch. Die Kunden löffeln das eingekochte Nudelgericht direkt aus dem eisernen Gefäß heraus, das rustikal auf einem Holzbrett serviert wird. Die Idee hat Marina aus den Bergen mitgebracht, wo sie einst ein Bistro führte, dort wurde das Essen auf den Tellern schnell kalt – in den Pfannen blieben die Speisen länger warm. Wer unbedingt will, bekommt aber die mit Kaninchen, Reh oder Wildschwein gefüllten Teigspezialitäten auch auf dem Teller serviert. Der persönliche Umgang mit ihren Gästen ist Marina sowieso am liebsten. Und die Hannoveraner hat sie längst in ihr Herz geschlossen. Nicht umsonst hängt vor der Tür bereits das Datums ihres Abgangs: 28.2.2100. Marina ist zurückgekommen, um zu bleiben.

Von Marleen Gaida

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