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Aus der Stadt Historisches Museum zeigt Playmobil-Welten
Hannover Aus der Stadt Historisches Museum zeigt Playmobil-Welten
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00:17 03.09.2018
Faszinierende Welten: Das Historische Museum zeigt Playmobil-Dioramen, darunter eine mittelalterliche Stadt. Quelle: Villegas
Hannover

So eine mittelalterliche Stadt ist schon ein Ort prallen Lebens. Bischöfe ziehen in einer Prozession um die Kathedrale, der Henker wartet unterm Galgen, und ein paar Schritte weiter inspiziert ein pittoresker Pestdoktor einen Pestkarren voller Pesttoter. Nur im Rathaus geht es vergleichsweise friedlich zu. „Auf dem Marktplatz gibt es auch Korbflechter und eine Weberei“, sagt Robert Packeiser. Er muss es wissen, denn er ist der Schöpfer dieser kleinen Welt.

Im Alter von vier Jahren bekam Packeiser seine erste Playmobil-Figur geschenkt – und war infiziert. Heute besitzt der Sammler aus der Südstadt mehr als 10 000 Figuren, so genau hat er sie nicht gezählt. „Ich habe fast alles, was der Hersteller je auf den Markt gebracht hat“, sagt er selbst. Ein Teil davon ist jetzt im Historischen Museum zu sehen: Am Sonntag eröffnet dort mit einem großen Familienfest die Ausstellung „Playmobil – ein Sammler stellt aus“.

Ein Stück Mittelalter

Herzstück der Schau sind sechs gewaltige Dioramen – wie eben das der mittelalterlichen Stadt. Packeiser hat plastische Wimmelbilder in Szene gesetzt, in denen sich die Blicke der Besucher verlieren können, da es eine erschlagende Füller immer neuer Details zu entdecken gibt. „Wir haben die historischen Szenerien in einen Kontext gesetzt“, sagt Kurator Jan Willem Huntebrinker. Passend zum mittelalterlichen Marktplatz liegt in einer Vitrine ein echtes Schwert aus dem 13. Jahrhundert, hübsch platziert neben Daumenschrauben und Halseisen.

Der Playmobil-Enthusiast Packeiser, selbst Lehrer an der Wilhelm-Raabe-Schule, sieht sich vor allem als Vermittler von Geschichte: „Man kann ein Buch schreiben oder einen Film drehen“, sagt der 46-Jährige, „aber für mich sind die Figuren das Medium, mit dem ich Geschichte nachbaue.“

So sieht es in der Playmo-Ausstellung aus

Damit dies möglichst plastisch gelingt, bastelt er Kulissen und Figuren, die Playmobil nicht im regulären Sortiment hat, auch eigenhändig nach. Wie den reitenden König Ernst August. Oder den guten, alten Leibniz, der in seinem Barock-Diorama zwischen Schloss, Irrgarten und Springbrunnen unter seiner Allongeperücke über Gott und die beste aller möglichen Welten doziert.

Eintauchen in die Vergangenheit

Die Dioramen ermöglichen Besuchern ein spielerisches Eintauchen in die Vergangenheit. Zum Beispiel in die Stadt der Siebzigerjahre. Die Wimmelschaukästen zeigen zwar nicht explizit Hannover. Aber da ist dann doch Niki de Saint Phalle neben den frisch installierten Nanas zu sehen. Unweit davon hat Packeiser eine Puppenstube platziert, die er zum besetzten Haus umgestaltet hat – inklusive antiautoritärem Kinderladen, einer Demo vor der Tür und den Aktivisten der legendären Kommune 1, die sich nackig an eine Wand lehnen.

Die Stadt um 1900 zeigt neben schmucken Bürgerhäusern und einem gediegenem Museum (in dem übrigens gerade eine Playmobil-Ausstellung zu sehen ist) auch düstere Arbeiterwohnungen und eine Fabrik, vor der das Proletariat sich zum Streik versammelt hat – mit Transparenten wie „Klickys aller Länder, vereinigt euch!“ In der Vitrine daneben liegen Fabrikprodukte aus jener Zeit, made in Hannover: Verpackungen von Bahlsen, Sprengel und Pelikan.

Besucher dürfen auch selbst mit Figuren spielen. Dazu gibt es aber auch Suchspiele für Kinder und Erwachsene: Wer findet Friedrich den Großen? Oder Napoleon? Im Beiprogramm der Ausstellung, die gezielt Kitas, Schulen und Familien ansprechen will, gibt es außerdem Playmo-Tauschbörsen, Flohmärkte und Sammlerstammtische. „Als Kind schon war ich gerne im Historischen Museum, weil es mir lebendiger und bunter vorkam als andere“, sagte die amtierende Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf bei der Präsentation der Ausstellung. Diese Erfahrung dürften in den kommenden Monaten viele Kinder teilen.

Eröffnung mit großem Familienfest

Die Playmobil-Ausstellung wird im Historischen Museum, Pferdestraße 6, am Sonntag mit einem großen Familienfest eröffnet: Von 12 bis 17 Uhr gibt es Musik, Kinderaktionen und Führungen. Die Ausstellung ist bis zum 24. Februar zu sehen.

Im Beiprogramm der Ausstellung gibt es am 21. Oktober von 11 bis 15 Uhr eine Playmobil-Tauschbörse mit Flohmarkt von Kindern für Kinder. Am 27. Oktober können Kinder von 11 bis 16 Uhr im Museumsfoyer eigene Dioramen ausstellen. Um Anmeldung unter buchungen.hmh@hannover-stadt.de wird jeweils gebeten.

Literarische Führungen durch die Ausstellung mit Marie Dettmer gibt es am 11. September sowie am 13. November und 29. Januar jeweils um 18 Uhr.

Für Vorschulgruppen und Schulklassen gibt es spezielle Führungen und Workshops zur Ausstellung. Informationen unter (0511) 16843945. be

Von Simon Benne

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