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Aus der Stadt Linden Legendz – Auf den Spuren von Bob Marley
Hannover Aus der Stadt Linden Legendz – Auf den Spuren von Bob Marley
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00:15 14.09.2018
Der Verein Linden Legendz ist ein Musikerkollektiv aus Linden-Mitte. Ihr Treffpunkt ist die Nieschlagstraße 1 A. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Bob Marley hängt an der Wand und lächelt beseelt in den Raum hinein. Der Reggae-Musiker ist 37 Jahre nach seinem Tod eine Legende. Und deswegen Vorbild für das Künstlerkollektiv aus Linden-Mitte, dass noch an seiner Unsterblichkeit arbeitet – Linden Legendz. Ein Verein, der Künstlern jeglicher Art ein Netzwerk und eine Plattform bieten will und auch öffentliche Kulturveranstaltung organisiert, so steht es in den Statuten. „Künstler sind verdammt wichtig für die Welt. Was wäre eine Welt ohne Musik?“ fragt Samsidin Aidara, der den Verein im August 2014 ins Leben rief. Sein Antrieb: Einen Ort für Kunst und Musik schaffen, sowie Kultur-Events und Bildung für Menschen jeglicher Herkunft ermöglichen. „Wir würden gerne noch viel mehr Integrationsprojekte für Flüchtlinge machen“, erklärt der Autodidakt die Ziele. Momentan würde es dafür aber vor allem an Geld fehlen.

Linden Legendz – ein Künstlerkollektiv aus Linden-Mitte

Der 35-Jährige ist der Begründer des Künstlerkollektivs, aber auch Mentor für Nachwuchsmusiker und ein bisschen wie ein Vater für seine Familie, die ihre Wurzeln in der ganzen Welt hat. In dem LL Kreativhaus, wie das Kollektiv sein Vereinsheim nennt, hört man jeden Mittwochabend viele Sprachen: Englisch, Wolof, Französisch, Arabisch, Portugiesisch und Polnisch sind einige von ihnen. „Bitte achtet darauf, dass nicht alle zum Rauchen rausgehen in den Hof. Denkt an die Nachbarn“, ermahnt der Mühlenberger seine Truppe. Am Freitag findet wieder die Beatz an Draw Session statt. Zu improvisierter Live-Musik können 40 Teilnehmer in dem angemieteten Haus in der Nieschlagstraße 1 A ihre Fantasien mit Stift auf das Papier bringen. „Philipp, bist du auch dabei?“, fragt Sam, wie den Deutsch-Senegalesen hier alle nennen, in die Runde. Der Verein lebt von dem Engagement jedes Einzelnen. Helfende Hände bei den Veranstaltungen wie den öffentlichen Mal-Kursen oder auch Unterstützern in Sachen Bürokratie – jeder Helfer ist bei Linden Legendz willkommen. Und auch nicht geübte Künstler dürfen erste Gehversuche im Malen und Musizieren unternehmen. Der Verein sieht sich auch als Fördereinrichtung für die breite Gesellschaft, ohne dabei Kapitalismus und Gentrifizierung unterstützen zu wollen, so Sam. Vor allem für diejenigen, die in der Gesellschaft noch nicht angekommen seien wie Geflüchtete. Unabhängig von Herkunft, Glaube und Aufenthaltstitel finden bei Linden Legendz auch Fremde eine neue Familie. Der Verein steht in Kontakt mit Flüchtlingsheimen aus der Region Hannover. „Es gibt nicht viele Vereine, die sie konsequent sind wie wir – wir sind Auffangbecken und Sprungbrett zugleich“, findet Sam.

In der Nieschlagstraße 1 A findet auf dem Hinterhof jeden Mittwoch die öffentlichen Treffen des Vereins Linden Legendz statt. Das Kollektiv bietet Musik- und Bildungsangebote für Interessierte an und tritt auf Hannovers Straßen auf.

In der Nieschlagstraße ist ein friedvoller Rückzugsort entstanden

Dem ersten Vorsitzenden gehe es aber auch darum, einen Rückzugsort zu schaffen. „Bei uns kann man Frieden vom Alltag finden“, beschreibt Sam das Künstler-Refugium. Im unteren Bereich des Hauses werden Capoeira-Kurse angeboten und Kreativ-Workshops für Kinder und Flüchtlinge. Ein Atelier ist in Planung. Im zweiten Stock befindet sich ein kleines Tonstudio für eigene Produktionen und der Aufenthaltsraum mit verschiedenen Instrumenten. Rund 900 Euro muss der Verein für das Kreativhaus jeden Monat aufbringen. 90 zahlende Mitglieder hat die Künstlergruppe schon. Geld erspielen sich die Musiker vor allem bei Straßenkonzerten in den Sommermonaten und auch durch die monatlichen stattfindenden Jam-Sessions in der Glocksee ernährt sich der Verein. Séverine Jean (37) aus der List ist dem Kollektiv kürzlich beigetreten: „Ich habe die Gruppe über die Arbeit kennengelernt und war sofort fasziniert wie der Verein Menschen zusammenbringt und verbindet.“ Und fügt an: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Und während die Musiker die ersten Takte von „One Love“ und anstimmen und „Let's get together and feel all right“ singen, scheint Bob Marley noch ein bisschen breiter von seinem Plakat in den Raum zu lächeln. Seine Vision von einem friedlichen Miteinander aller Kulturen hat sich zumindest im Hinterhof von Linden-Mitte verwirklicht.

Tipp: Am 21. und 22. September findet in der Glocksee das Refugees Welcome Festival statt. Eintritt kostet an der Abendkasse 12 Euro. Beginn ist um 20 Uhr. Am 5. Oktober findet um 18 Uhr in der Glocksee die nächste offene Jam Sessions des Künstlerkollektivs statt.

Von Marleen Gaida

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