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Aus der Stadt Neuer LKA-Chef über Terrorismus, Cybercrime und mobile Täterbanden
Hannover Aus der Stadt Neuer LKA-Chef über Terrorismus, Cybercrime und mobile Täterbanden
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17:20 28.06.2018
Friedo de Vries (53) ist seit vier Wochen neuer Präsident des Landeskriminalamtes Niedersachsen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Terrorismus, Cybercrime und äußerst mobile Täterbanden – die Polizei hat es in Niedersachsen mit vielen Arbeitsfeldern zu tun. Der neue LKA-Chef Friedo de Vries (53) spricht mit der HAZ über sein neues Amt und welchen Themen er sich verstärkt zuwenden will.

HAZ: Wie war der Start im neuen Amt bisher?

Friedo de Vries: Ausgezeichnet, es ist eine fachlich hochkompetente Behörde. Ich mache mich zurzeit mit den Strukturen und Abläufen vertraut. Außerdem lerne ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Themen kennen.

Sie waren zuvor Polizeivizepräsident in Osnabrück und sind nun LKA-Leiter. Als Kriminalbeamter dürfte das Amt genau richtig sein.

Die Themen liegen mir natürlich. Jetzt kann ich fachlich intensiver einsteigen. Es reizt mich, nun auch in Ermittlungen involviert zu sein, die von herausragendem Interesse für das ganze Land sind. Außerdem kann ich die Strukturen zur Kriminalitätsbekämpfung mitgestalten. Schon nach den ersten vier Wochen fühle ich mich in meiner Entscheidung für das Amt bestätigt.

Am Dienstag hatten wir im Hauptbahnhof eine große Anti-Terror-Übung. Beim Terrorismus ist immer sehr nüchtern von einer „abstrakten Gefahr“ die Rede. Was bedeutet das?

Der Sprachgebrauch ist vielleicht etwas sperrig. Es gibt nach wie vor Personen, von denen eine Gefahr ausgehen könnte. Diese werden wir weiterhin sehr eng begleiten und wachsam sein.

Ein anderes wichtiges Themenfeld ist Cybercrime. Wie will sich das LKA hier in Zukunft positionieren?

Das ist für uns eine große Herausforderung. Kriminalität verlagert sich immer mehr ins Netz. Wir sind ein Motor und Initiator bei der Bekämpfung dieses Phänomens. Hier arbeiten wir auch inzwischen mit eingestellten IT-Analysten und IT-Ermittlern im LKA und in den Polizeibehörden.

Welches Feld ist besonders auffällig?

Kriminalität verlagert sich mehr und mehr in die digitale Welt. Die Täter nutzen modernste Technik und täuschen beispielhaft beim Anruf bereits eine falsche Telefonnummer vor, manchmal sogar die 110. Außerdem beschäftigt uns der Onlinehandel über das Darknet. Von Waffen über Betäubungsmittel ist dort viel Illegales zu erwerben. Auch beim Rauschgift haben sich die Vertriebswege verschoben. Es werden nicht mehr nur kleine Tütchen im Park ausgetauscht, sondern weltweit über Paketdienste verschickt.

Und außerhalb des Internets?

Die Täter werden immer mobiler. Es ist teilweise erstaunlich, welche Strecken sie pro Tag zurücklegen – oft 500 bis 600 Kilometer. Die sind in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und am Ende haben sie auch noch in Dortmund zugeschlagen. Es gilt, diese Dinge zusammenzubringen und nicht mehr nur lokal zu denken.

Wie soll das gelingen?

Indem wir gemeinsam mit den anderen Bundesländern, aber auch mit den Nachbarn wie zum Beispiel Holland Lagebilder entwickeln und uns gegenseitig mit Informationen versorgen. Das möchte ich weiter forcieren. Der Bürger hat zu Recht die Erwartung, dass wir wissen, wenn jemand in mehreren Ländern Delikte begeht

Viele haben das Gefühl, ihr Leben sei unsicherer geworden – entgegen der Statistiken. Wie wollen Sie dem begegnen?

Heute erfahren wir über die verschiedenen Onlineplattformen 24 Stunden rund um die Uhr von Straftaten aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Diese reproduzieren sich in Echokammern und vermitteln ein Gefühl hoher Kriminalitätsbelastung. Dabei sind die Straftaten in Niedersachsen 2017 um 40 000 zurückgegangen. Damit müssen wir umgehen. Unser Anspruch ist, Fakten zu nennen.

Wie sieht es eigentlich mit dem geplanten LKA-Neubau am Waterlooplatz aus?

Im Frühjahr 2019 gibt es hoffentlich den ersten Spatenstich für das Kriminaltechnische Institut. Die gesamte Fertigstellung ist im Jahr 2022 geplant. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sieben Standorte werden dann hier untergebracht sein. Wir alle hoffen, dass sich dieses aus Sicht der Beschäftigten des LKA wichtige Projekt nunmehr endlich realisieren lässt.

Von Peer Hellerling

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