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Aus der Stadt Erster Kältetoter in diesem Winter in Hannover
Hannover Aus der Stadt Erster Kältetoter in diesem Winter in Hannover
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18:48 23.01.2019
Kältezeit: Wo schlafen Obdachlose in der City? Philipp, 20, sitzt heute abend auf dem Kröpcke und schläft dann irgendwo. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Ein Obdachloser ist das erste Kälteopfer des Jahres in Hannover: Der 54-Jährige ist laut Polizei nach einer Nacht im Freien am Kröpcke erfroren. Der Obdachlose starb am Montag in einem Krankenhaus an den Folgen einer Unterkühlung. Es gebe keine Anzeichen für eine Fremdeinwirkung oder ein Fremdverschulden, sagt ein Polizeisprecher. Vielmehr habe die Polizei am Montagmorgen aus einem Krankenhaus die Nachricht erhalten, dass der 54-Jährige erfroren sei.

Bereits am Sonntagmorgen hatte der Mann auch schon einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Demnach hatten Passanten gegen 9 Uhr Rettungskräfte alarmiert, weil ein hilfloser Mann im Bereich des Mövenpick-Restaurants gelegen habe. Weil die Einsatzkräfte bei dem Obdachlosen anschließend erheblichen Alkoholeinfluss und Erfrierungserscheinungen festgestellt hatten, wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Dort verstarb er am Montagmorgen an der Folgen der Unterkühlung. Er ist das erste Kälteopfer des Winters in diesem Jahr in der Landeshauptstadt.

Wintereinbruch ist für Obdachlose gefährlich

Der jüngste Kälteeinbruch bringt Obdachlose zunehmend in Gefahr: Der Wintereinbruch ist für viele von ihnen auch in Hannover besonders in der Nacht problematisch. Denn: Notschlafplätze sind für die Betroffenen oft schwer erreichbar. Zudem ist die Zahl der Obdachlosen im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gestiegen. Die Stadtverwaltung hält eine Art sozialen Wachdienst, der nachts an bekannten Schlafplätzen von Obdachlosen auf der Straße nach dem Rechten schaut – und hilflose Menschen ins Krankenhaus bringt, allerdings für nicht praktikabel. Das Gebiet, das man absuchen müsse, sei viel zu groß, sagte ein Stadtsprecher. Wenn der Städtische Ordnungsdienst tagsüber Obdachlose antreffe, die gegen das Verbot von Schlafen und Lagern auf öffentlichen Plätzen verstießen, würden sie auf das Verbot hingewiesen und gerade im Winter und bei Kälte mündlich und mit Hinweiszetteln über die Hilfsangebote und Übernachtungsmöglichkeiten der Stadt informiert. Dennoch: „Wir müssen bei Informationen für Obdachlose noch besser werden“, sagte Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Das zeige der tragische Todesfall deutlich. In der U-Bahn-Station Kröpcke hätte es einen geschützten Schlafplatz für den Mann gegeben, das habe er möglicherweise nicht gewusst: „Bislang erreichen wir nicht alle, und das ist bitter genug.“ Im Stadtgebiet gibt es aber etliche Einrichtungen und Organisationen, die für Obdachlose Unterkünfte anbieten.

Stadt bietet Notunterkünfte an

Dazu zählt auch die Stadt Hannover: „In den Notschlafstellen ist die Auslastung angesichts der Kälte stärker gestiegen; derzeit gibt es aber noch ausreichend Plätze“, sagte jetzt Stadtsprecherin Michaela Steigerwald über die Situation in Hannover gegenüber der Deutschen Presseagentur. Sollten alle Plätze belegt sein, könne die Stadt die Kapazität aber vergrößern. In den Obdachlosenunterkünften, die einer vorübergehenden Unterbringung und nicht nur der Übernachtung dienen, sei die Auslastung durch die Kälte nicht gestiegen: Dort seien schon vorher nur noch wenige Plätze frei gewesen.

Üstra erlaubt Übernachtung in U-Bahnstation

Wie in vielen Städten gibt es aber auch in Hannover für Obdachlose unterschiedliche und viele Alternativen zur Übernachtung auf der Straße. Die Zentrale Beratungsstelle Wohnungslosenhilfe der Diakonie geht von rund 400 Menschen aus, die derzeit in der Landeshauptstadt auf der Straße leben – etwa 4000 sind demnach ohne feste Bleibe. Unterstützung kommt für die Betroffenen auch von der Üstra. Das Nahverkehrsunternehmen bietet Obdachlosen schon seit mehreren Jahren im Winter an, im Bereich einer geschützten Stelle in der U-Bahnstation Kröpcke zu übernachten. „In einer unteren Ebene unter eine Rolltreppe werden sie auch von Mitarbeitern eines Sicherheitsdientes vor möglichen Übergriffen geschützt“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Diese Übernachtungsmöglichkeit sei in der Obdachlosenszene auch bekannt. „Es ist natürlich nur eine Notlösung, weil es dort keine Sanitäranlagen gibt“, sagt Iwannek.

Von Ingo Rodriguez und Jutta Rinas

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